Mit prägenden literarischen Stimmen und markanten Debatten positioniert sich das Literarische Zentrum im Frühjahr 2026 erneut als Ort der literarischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung.
Das Frühjahrsprogramm des Literarischen Zentrums versteht Literatur als Mittel der Verständigung, der Reibung und des Widerspruchs. „Ein Programm der Literatur und der politischen Debatte“, nennt Leiterin Anna-Lena Markus die neue Reihe – getragen von Stimmen, die die Welt anders betrachten und eingefahrene Perspektiven hinterfragen.
Zu den prominenten Gästen gehört Saša Stanišić, seit Jahren eng mit dem Literarischen Zentrum verbunden. Mit dem Abend »Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird« zeigt er einmal mehr, wie literarisches Erzählen, politische Haltung und formale Spielfreude ineinandergreifen. Stanišićs Texte bewegen sich zwischen persönlicher Erinnerung, gesellschaftlicher Beobachtung und sprachlicher Präzision – und markieren einen der zentralen Fixpunkte des Programms.
Die Poetikvorlesung des Frühjahrs hält Dominik Graf. Der Regisseur widmet sich in »Selbstbild und Systemzwang« den Spannungen zwischen künstlerischer Handschrift, biografischer Prägung und den strukturellen Bedingungen von Film- und Fernsehproduktion. Seine Vorträge verbinden persönliche Erfahrung mit grundsätzlichen Fragen nach Autorschaft, Verantwortung und kultureller Industrie.
Ein weiterer Höhepunkt ist der Abend mit Jaroslav Rudiš, der mit seiner »Gebrauchsanweisung für Bier« Literatur, Reisen und europäische Alltagskultur zusammenführt. Die scheinbar leichte Annäherung an das Bier öffnet den Blick auf Geschichten, Mentalitäten und eine gemeinsame kulturelle Topografie Europas.
Biografische Perspektiven prägen auch den Abend für Inge Feltrinelli. Gemeinsam mit Carlo Feltrinelli und Michael Krüger zeichnet Marco Meier das Leben einer Verlegerin nach, die Literaturgeschichte geschrieben hat. Am Folgetag steht Michael Krüger selbst im Mittelpunkt: als Lyriker, Übersetzer und langjähriger Hanser-Verleger, der aus einem reichen Erfahrungsschatz über Autoren, Texte und die Mechanismen des Literaturbetriebs erzählt.
Daneben versammelt das Programm zahlreiche Stimmen, die aktuelle gesellschaftliche Fragen literarisch zuspitzen. Autorinnen wie Tupoka Ogette, Lena Gorelik oder Gilda Sahebi verbinden persönliche Erfahrungen mit politischer Analyse und eröffnen Gespräche über Rassismus, Mutterschaft, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Verantwortung. Graphic Novels, Debütabende, Essays sowie Formate zwischen Lyrik und Musik erweitern das ästhetische Spektrum.
So entsteht ein Frühjahr, das Literatur nicht als Rückzugsraum versteht, sondern als Einladung zum Denken, Streiten und genauen Hinsehen. Das Literarische Zentrum präsentiert sich als Ort des Dialogs – mit Autor:innen und Künstler:innen, die Komplexität zulassen und den öffentlichen Diskurs suchen.
Das Programm wird durch das Kinder- und Jugendprogramm ergänzt. An vier Familiensonntagen wird ein vielfältiges Programm angeboten, ergänzt durch Workshops und Schulangebote.