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© Manga von Keanu Demuth
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Deutsches Theater

Thriller-Stimmung im Schneesturm

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Michael Letmathe inszeniert Lars Werners »Gewalt erben« als dichten Theaterthriller.
von Keanu Demuth, erschienen am 16. März 2026

Eine abgelegene Berghütte inmitten schneebedeckter Wälder. Nur eine Gondel führt zurück in die Wärme der Zivilisation. An diesem einsamen Ort treffen sich zerstrittene Familienmitglieder, um Abschied von ihrer verstorbenen Großmutter zu nehmen. Als das Testament vorgelesen wird, wird klar, dass nur eine oder einer von ihnen den geheimnisvollen Schatz erben und damit zum »Erben der Gewalt« werden wird. Nach »Die ersten hundert Tage« ist »Gewalt erben« bereits die zweite Uraufführung von Lars Werner am Deutschen Theater – nervenaufreibender und zugleich humorvoller denn je. Das Stück feierte am 14. März Premiere.

Drei Handlungsstränge voller Nervenkitzel

Regisseur Michael Letmathe versteht es hervorragend, Spannung aufzubauen und zugleich die düstere Atmosphäre mit Humor aufzulockern. Gleich zu Beginn begegnen wir Dalila (Stella Maria Köb), der Freundin eines Familienmitglieds, die von der Berghütte ins Tal flüchtet und dabei ihren eigenen Thriller-Film erzählt. Die eingespielten düsteren Filmsequenzen zeigen, wie Dalila mit dem Schneemobil mitten im Schneesturm flieht, und sorgen sofort für Nervenkitzel. Gepaart mit Stella Maria Köbs dramatischer Erzählweise entsteht auf der dt.-1-Bühne eine enorm dichte Atmosphäre.

In »Gewalt erben« gibt es gleich drei Erzählebenen, denen man gut folgen kann. Zunächst wird das Geschehen als Actionthriller aus der Perspektive Dalilas erzählt. Hier kommen die spannenden Momente gewiss nicht zu kurz. Die zweite Erzählebene bildet den Haupthandlungsstrang und ist als Kammerspiel inszeniert. Die Familienmitglieder treffen aufeinander und sorgen zu Beginn für viele lustige Momente. Moritz Schulze, der den Freund von Dalila spielt, bekommt ein Glas Champagner ins Gesicht geschüttet, Vater und Sohn sowie Mutter und Tochter albern miteinander herum, und es kommt zu einer unweigerlich komischen Trauerminute. Andrea Strube als Mutter wird dabei zum Ankerpunkt für die Zuschauer:innen. Trotz dieser heiteren Momente verspürt das Publikum jederzeit, dass ein großer Schatten über dieser Familie liegt. Dieses unangenehme Gefühl ist dank des überzeugenden Schauspiels des gesamten Ensembles allgegenwärtig und wird immer intensiver. Einer nach dem anderen führt Gründe an, um zu beweisen, dass der Schatz ihm oder ihr rechtmäßig zusteht.

Die dritte Handlungsebene ist die ominöseste und geheimnisvollste: In Rückblenden wird erzählt, wie die Großmutter 1965 hinter dem Eisernen Vorhang gemeinsam mit ihrer Cousine und Freunden einen Schatz ausgräbt. Auch hier wird ein sehr atmosphärisches Video eingespielt – inklusive Laternenlicht und Dauerregen. Andrea Strube und Nathalie Thiede überzeugen dabei besonders mit ihren intensiven und ausdrucksstarken Erzählstimmen.

Überzeugende Kulisse

Auch Bühnenbild und Kostüme von Ken Chinea und Maren Blunk wissen zu überzeugen. Erneut werden Vorbühne und Orchestergraben genutzt, um das Schauspiel näher ans Publikum zu bringen. Außerdem sind viele symbolische »Easter Eggs« auf der Bühne zu sehen, etwa ein Schneeteppich oder Fensterrahmen in Form eines Degens, des mysteriösen Schatzes. Daneben fährt die anschauliche Gondel im Hintergrund immer wieder auf und ab und wird damit zum heimlichen Eyecatcher.

Spannung bis zum Schluss

Mit »Gewalt erben« gelingt dem DT ein fesselnder Theaterabend, der Thriller, Familiendrama und schwarzen Humor gekonnt miteinander verbindet. Regisseur Michael Letmathe hält die Spannung bis zum Schluss aufrecht und lässt das Publikum immer wieder zwischen Lachen und Unbehagen schwanken. Die drei Erzählebenen greifen dabei präzise ineinander und entfalten nach und nach die dunklen Geheimnisse dieser Familie. Unterstützt von einer atmosphärischen Inszenierung, eindrucksvollen Videoeinspielungen und einem überzeugenden Ensemble entsteht ein intensives Bühnenerlebnis. Wer sich auf diese nervenaufreibende Mischung aus Spannung, Flashbacks und Familienabgründen einlässt, wird mit einem ebenso unterhaltsamen wie beklemmenden Theaterabend belohnt.

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