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Uraufführung

Ewald Palmetshofer »Sankt Falstaff«

Zeitgenössisches Schauspiel nach Shakespeares Königsdrama

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Deutsches Theater - dt.1 +Hintergrund

Mit »Sankt Falstaff« bringt das Deutsche Theater Göttingen einen neuen Text von Ewald Palmetshofer auf die Bühne, frei nach Shakespeares „King Henry IV“. Im Zentrum steht der legendäre Säufer und Sprücheklopfer Falstaff, der zwischen Kriegsplänen, Hofintrigen und pubertierendem Kronprinzen plötzlich zur Heiligenfigur verklärt wird. Während König und Adelige über Feldzüge beraten, verkauft Falstaff seine letzten moralischen Reserven an den nächsten Vorteil – und wird dennoch zum Projektionsbild für Erlösung und Hoffnung. Das Stück fragt, wie ernst eine Gesellschaft es mit Verantwortung meint, wenn sie ausgerechnet Falstaff zum Heiligen macht.

Ausgangspunkt ist Shakespeares Geschichtendrama um König Heinrich IV. und seinen Sohn Hal, der seine Zeit lieber mit Falstaff in Kneipen und Spelunken verbringt als am Hof. Ewald Palmetshofer kondensiert diese Konstellation zu einem schnellen, heutigen Text: Kriegsvorbereitungen, Machtstrategien und Loyalitätsfragen treffen auf Falstaff, der als Meister der Ausrede, des Witzes und der Selbstentlastung durchs Leben taumelt.

In »Sankt Falstaff« verschiebt sich der Fokus: Falstaff wird – wider jede Wahrscheinlichkeit – zum Heiligen erklärt. In einer Welt, die nach Sinnbildern und einfachen Antworten sucht, eignet sich die Figur des notorischen Drückebergers plötzlich als Projektionsfläche für alles, was man an sich selbst nicht sehen will: Feigheit, Zynismus, Opportunismus. Während das Umfeld zwischen nationalistischer Rhetorik, Kriegsbegeisterung und politischem Kalkül schwankt, kommentiert Falstaff die Lage mit bitterem Humor – und entzieht sich doch jeder klaren Haltung.

Die Göttinger Inszenierung (Regie: Erich Sidler) lässt die Figuren in einem Raum agieren, in dem Schlachtfeld, Schenke und Sakralraum ineinander übergehen. So entsteht ein Abend über die Frage, wann eine Gesellschaft Verantwortung übernimmt – und wann sie ihre eigenen Anteile an Gewalt lieber an eine lächerliche Heiligenfigur auslagert.

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