Ein vielseitiges Programm, ein engagiertes Ensemble und ein auffallend gemischtes Publikum prägten die Semesterkonzerte des Universitätsorchesters. Werke von der frühen Moderne bis zur spätromantischen Orchesterliteratur stellten hohe Anforderungen. Die nahezu ausverkaufte Aula bot dafür einen konzentrierten Rahmen.
Die Semesterkonzerte des Universitätsorchesters haben in den vergangenen Jahren spürbar an Aufmerksamkeit gewonnen und sind inzwischen auch über den universitären Rahmen hinaus wahrnehmbar. An beiden Konzertabenden war die Aula der Universität Göttingen am Wilhelmsplatz nahezu gefüllt. Neben dem klassischen Konzertpublikum fanden sich zahlreiche Studierende ein, die ihre Kommiliton:innen auf der Bühne unterstützten und für eine dichte, wache Atmosphäre sorgten.
Den Beginn machte Lili Boulangers »D’un matin de printemps«. Das kurze Orchesterstück verlangt eine feine Balance zwischen Beweglichkeit und klanglicher Transparenz. Das Orchester gestaltete die fließenden Übergänge präzise und ließ die wechselnden Farben der Instrumentation klar hervortreten, ohne die formale Linie aus dem Blick zu verlieren.
Mit Mussorgskys »Eine Nacht auf dem kahlen Berge« in der Bearbeitung von Rimski-Korsakow verdichtete sich der Klang deutlich. Gerade das groß besetzte Blech stellt in der Aula eine Herausforderung dar. Die dynamischen Spitzen wurden jedoch gezielt eingesetzt: Dort, wo das Werk dramatische Zuspitzung verlangt, entfaltete sich klangliche Wucht, während an anderen Stellen Raum für Differenzierung und Durchhörbarkeit blieb.
Das Harfenkonzert Es-Dur op. 74 von Reinhold Glière rückte anschließend den Solisten Florian Hillienhoff in den Mittelpunkt. Der 2006 geborene Harfenist studiert seit dem Wintersemester 2024/25 vollzeitig in Würzburg bei Prof. Andreas Mildner und verfügt bereits über umfangreiche Orchestererfahrung. In einem Werk, das weniger auf virtuose Effekte als auf kantable Linien und klangliche Ausgewogenheit setzt, überzeugte Hillienhoff durch Übersicht und Kontrolle. Die Harfe blieb stets klar präsent und entfaltete ihre Klangvielfalt in enger Abstimmung mit dem Orchester. Das Publikum reagierte mit anhaltendem Applaus und erwirkte eine Solozugabe.

Nach der Pause folgte mit Rimski-Korsakows »Scheherazade« der umfangreichste Programmpunkt des Abends. Die sinfonische Dichtung fordert nicht nur das gesamte Orchester, sondern stellt zahlreiche Musikerinnen und Musiker solistisch in den Vordergrund. Besonders das Violinsolo, gespielt von der Medizinstudentin Henrike Wundrak, erwies sich als zentraler Bezugspunkt. Die anspruchsvolle Partie wurde mit großer Sicherheit gestaltet, auch in den höchsten Lagen und in den Flageolettpassagen überzeugte die saubere Intonation. Insgesamt präsentierten sich die Streichergruppen klanglich geschlossen und tragfähig. Auch die Holzbläser – insbesondere Flöten, Klarinetten und Fagotte – sowie die Trompeten traten mehrfach prägnant hervor.
Die musikalische Leitung lag bei Antonius Adamske, dem künstlerischen Leiter der Universitätsmusik. Die Verbindung zwischen Dirigent und Ensemble wirkte eingespielt und von intensiver Probenarbeit geprägt. Das Orchester reagierte prompt auf Adamskes Zeichengebung, sowohl bei Tempoveränderungen als auch bei dynamischen Steigerungen, wodurch sich über das gesamte Werk hinweg klar gespannte Bögen entwickelten.
Nach dem Schlussapplaus erklang mit Edward Elgars »Salut d’amour« eine Orchesterzugabe. In heiterer Grundstimmung verabschiedete sich das Ensemble vom Publikum – ein Ausklang, der bei vielen Zuhörerinnen und Zuhörern noch auf dem Heimweg nachwirkte.