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Die Akademische Orchestervereinigung mit dem Dirigenten Joshua Kirk und dem Posaunisten Norwin Hahn | © Photo: Wortmann
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Akademische Orchestervereinigung

Trauermärsche und Zwischentöne

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AOV-Semesterkonzert in der Aula
von Jens Wortmann, erschienen am 27. Januar 2026

Ein Programm im Zeichen der Tragik: Die Akademische Orchestervereinigung Göttingen stellte sich zum Semesterabschluss einem anspruchsvollen sinfonischen Abend mit Brahms, Ferdinand David und Bruckner – und traf damit auf ein aufmerksam zuhörendes, sehr aufgeschlossenes Publikum.

Die Winterkonzerte der AOV standen in diesem Winter unter besonderen Vorzeichen. Nicht nur das Programm war von ernster Grundhaltung geprägt, auch die Umstände des Semesters verlangten dem Ensemble einiges ab. Da der künstlerische Leiter Tim Hüttemeister aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Verfügung stand, übernahm nach einer frühen Probenphase mit wechselnden Dirigent:innen schließlich Joshua Kirk die musikalische Leitung. In der gut besetzten Aula am Wilhelmsplatz entwickelte sich daraus ein konzentrierter Konzertabend mit klarer programmatischer Linie.

Diese Linie war bereits im Programmheft benannt: Alle drei Werke verbindet auf unterschiedliche Weise das Motiv des Trauermarschs. Den Auftakt bildete Johannes Brahms’ »Tragische Ouvertüre« op. 81. Die düstere Grundhaltung und die dichte motivische Arbeit dieses Werks wurden klar herausgearbeitet, die formalen Abschnitte deutlich voneinander abgesetzt. Der interpretatorische Zugriff zielte auf strukturelle Durchhörbarkeit und ließ die Musik bewusst herb und unversöhnt erscheinen.

Mit dem Concertino für Posaune und Orchester Es-Dur op. 4 von Ferdinand David rückte anschließend ein Werk ins Zentrum, dessen formale Anlage vergleichsweise schlicht ist. Gerade diese Schlichtheit erwies sich jedoch als produktiv. Der Orchesterpart bleibt bewusst ökonomisch und schafft eine transparente Klangfläche, auf der die Soloposaune jederzeit präsent bleibt. Der mendelssohnsch geprägte Tonfall des Werks vermeidet dramatische Zuspitzung und setzt stattdessen auf Kantabilität und klare Linien.

Norwin Hahn, seit 2017 Solo-Posaunist im hr-Sinfonieorchester, nutzte diesen Freiraum mit großem Engagement und spürbarer emotionaler Offenheit. Besonders im als Trauermarsch angelegten zweiten Satz wurde deutlich, wie sehr die zurückgenommene Faktur des Werks die Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments betont. Die Posaune trat hier nicht als virtuoses Schaustück in Erscheinung, sondern als erzählende Stimme, deren musikalische Wirkung aus Atem, Tonbildung und Phrasierung erwuchs. Das Orchester begleitete aufmerksam und hielt den klanglichen Rahmen bewusst offen.

Nach anhaltendem Applaus bedankte sich Norwin Hahn mit einer Zugabe: Leonard Bernsteins »Elegy for Mippy II«, einer kurzen Komposition zum Andenken an den Hund Mippy.

Nach der Pause stellte sich das Orchester mit Anton Bruckners Sechster Sinfonie A-Dur einer der heikelsten Aufgaben des spätromantischen Repertoires. Die Sinfonie gilt unter Musikerinnen und Musikern nicht ohne Grund als besonders anspruchsvoll: Der charakteristische Wechsel zwischen Duolen und Triolen prägt den rhythmischen Verlauf, thematische Gedanken sind von Beginn an präsent, ohne vorbereitenden Anlauf, und reihen sich in einer Folge kurzer, kontrastreicher Abschnitte aneinander. Diese unmittelbare, fast mosaikhafte Anlage stellt hohe Anforderungen an Orientierung und Zusammenhalt.

Hier prägten vor allem die Ersten Violinen, die Celli und die Holzbläser den Klang, während das Blech angesichts der Raumgröße bewusst kontrolliert blieb. Diese Zurückhaltung erwies sich als sinnvoll, um die komplexen Strukturen nicht zu überdecken. Joshua Kirk, der derzeit sein Masterstudium im Fach Orchesterdirigieren in Weimar absolviert, setzte hörbar auf Klarheit und formale Nachvollziehbarkeit. Die Architektur der Sinfonie trat deutlich hervor, auch wenn sich die großen Spannungsbögen nicht in jedem Moment vollständig schlossen. Das Zusammenspiel zwischen Dirigent und Orchester wirkte dabei aufmerksam und konzentriert – auch vor dem Hintergrund der begrenzten gemeinsamen Probenzeit.

Der Applaus am Ende des Abends war deutlich und anhaltend. Er galt einem Programm, das hohe Anforderungen stellte, und einem Orchester, das sich dieser Aufgabe mit Ernsthaftigkeit und hörbarer Hingabe stellte.

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