Ein Neujahrskonzert als klingender Dialog zwischen zwei Musiktraditionen: Das Pfeiffer Trompeten Consort gestaltete den Deutsch-Französischen Tag in der St.-Martin-Kirche mit einem Programm, das historische Linien hörbar machte und zugleich die Freude am gemeinsamen Musizieren spürbar werden ließ. Barocke Festlichkeit, romantische Klangfarben und wirkungsvolle Raumdispositionen verbanden sich zu einem Abend mit klarer Dramaturgie. Der Funke sprang über.
Das Neujahrskonzert des Pfeiffer Trompeten Consorts am 24. Januar stand im Zeichen des Deutsch-Französischen Tages. Organisiert wurde der Abend von der Deutsch-Französischen Gesellschaft Göttingen unter der Leitung ihrer Vorsitzenden Annette Casasus, unterstützt von der Europa-Union Göttingen. Damit fügte sich das Konzert stimmig in die langjährige kulturelle Arbeit ein, mit der der deutsch-französische Austausch in der Stadt gepflegt wird. Die gut besuchte St.-Martin-Kirche in Göttingen-Geismar bot dafür einen passenden Rahmen: Der hohe Raum trug den Klang weit und bündelte ihn zugleich zu einer konzentrierten, festlichen Atmosphäre.
Unter der Eindrucksüberschrift „Klangpracht aus drei Jahrhunderten“ spannte das Programm einen weiten zeitlichen Bogen. Werke von Lully, Telemann, Rameau, Bach und Crüger bildeten das barocke Fundament, später folgten Mendelssohn, Offenbach, Rossini und Ravel. Die Abfolge wirkte bewusst kontrastreich, ohne beliebig zu sein. Nahezu alle Stücke erklangen in Arrangements von Joachim Pfeiffer, die das Programm deutlich als Ensembleprojekt auswiesen.
Im Mittelpunkt stand das Pfeiffer Trompeten Consort, dessen Mitglieder allesamt als professionelle Orchestermusiker tätig sind. Joachim Pfeiffer, Solotrompeter der Lübecker Philharmoniker, führte kenntnisreich und unaufdringlich durch den Abend und machte in seinen Moderationen historische Zusammenhänge ebenso wie instrumentale Besonderheiten transparent. Die Vielfalt der eingesetzten Instrumente – von Piccolotrompete und Flügelhorn bis zum Corno da Caccia – prägte den Klangcharakter des Abends. In einer Arie von Telemann übernahm Pfeiffer auf dem Corno da Caccia die Gesangsstimme und verwies damit unmittelbar auf barocke Aufführungspraxis.
Mathias Müller, Solopauker des Gewandhausorchesters Leipzig, setzte markante Akzente. Neben Pauken kamen auch Triangel und Becken zum Einsatz, etwa in der Musik Rameaus. Besonders eindrucksvoll geriet das Solostück zu Johann Crüger: Mit nur zwei Tonhöhen entfaltete Müller ein rhythmisch vielschichtiges Spiel, während Rebecca Lee das Kirchenlied „Vater unser im Himmelreich“ auf der Orgel gestaltete. Die neuseeländische Organistin, aktuell Preisträgerin der Internationalen Schnitger Organ Competition in Alkmaar, überzeugte mit klarer Artikulation und sicherem Gespür für den Raum, etwa in Bachs Allemande aus der Französischen Suite II oder in Maurice Ravels »Prélude« aus »Le Tombeau de Couperin«.
Zu den besonderen Momenten des Abends zählte Bachs Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, bei dem die Gesangsstimme vom Flügelhorn aus der Kanzel erklang. Die räumliche Gegenüberstellung von Trompeter und Organistin erzeugte einen eigenständigen klanglichen und optischen Reiz. Auch die Hommage an Mendelssohn als Pasticcio bekannter Motive sowie Offenbachs Barcarolle aus den »Contes d’Hoffmann« zeigten, wie selbstverständlich sich romantische Musik in die Blechbläserbesetzung übertragen lässt. Den Abschluss bildete französische Kathedralmusik von Eugène Gigout, die mit einem wirkungsvoll eingesetzten Tamtam in einen fulminanten Schluss mündete.
Zwei Zugaben griffen die gelöste Stimmung auf. Der Applaus war anhaltend und lebendig. Viele Besucherinnen und Besucher blieben noch einen Moment, bevor sie die Kirche verließen.