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Manga von Bela B
Bela B | © Manga und Photo von Keanu Demuth
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Literaturherbst

Bela B rechnet ab

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Der Ärzte-Musiker stellt mit »Fun« seinen bitter-komischen Roman über Machtmissbrauch vor
von Keanu Demuth, erschienen am 04. November 2025

»Schnallen Sie sich an! Es gibt unerwartete Turbulenzen«, heißt es, als Bela B Felsenheimer am 1. November die prallgefüllte Sheddachhalle betritt. Die augenzwinkernde Trigger-Warnung ist berechtigt: Denn Bela B, Bandmitglied der Ärzte, rechnet in seinem neuen Roman »Fun« provokant mit dem sexuellen Machtmissbrauch in der Musikbranche ab.

Bela B PhotoÄußerst lebhaft beschreibt er die Situation der jungen Alara, die Backstage endlich ihren Schwarm, den Sänger und Frontmann der Rockband Nabel Nabel, treffen darf. Was sich zunächst als wahr gewordener Traum anhört, entpuppt sich schnell als Backstage-Hölle mit Drogenkonsum und sexuellen Übergriffen. »Sie macht sich über dieses Kennenlernen nichts vor, sie ist schließlich keine Sechzehn mehr. Natürlich wird er mehr wollen. Na und? Sie vielleicht ja auch. Who knows?«

Bela B ist nicht nur Sänger und Drummer bei den Ärzten, sondern auch ein talentierter Synchron- und Hörbuchsprecher. Zynisch und mit viel Selbstironie gab er einen überzeugenden Erzähler ab und hauchte den verschiedenen Rollen seines Buches Leben ein: von aufgeregten Teenies und Polizisten mit Berliner Akzent bis hin zu den ekligen Rockmusikern der fiktiven Band Nabel Nabel. Ein Live-Hörspiel mit vielen anschaulichen Comic-Animationen im Hintergrund!

Faustschlag gegen patriarchische Relikte

»Mit seinen Schwielen an der Hand fühlt der Drummer den Schenkel des Mädchens … Ich habe aber keine Schwielen, sehen Sie. Ich bin kein Schlagzeuger, sondern Autor«, erklärte Bela B selbstironisch und lockerte die Stimmung auf, um das schwere Thema verdaulich zu machen. Als Rockmusiker kennt sich Bela B nur allzu gut mit den Schattenseiten des Musikbusiness aus. Er selbst behauptet, dass die »Macht des männlichen Geschlechts« stark mit der Rockbranche verankert sei. Geschichten mit Backstage-Pässen seien ihm seit Jahrzehnten begegnet.

Natürlich erinnert das beschriebene Setting stark an die schweren Missbrauchsvorwürfe gegen den Rammstein-Sänger Till Lindemann, doch Bela B versichert, dass es sich hierbei um ein fiktives Werk handle. Dem Musiker geht es nicht um ein konkretes Beispiel – er kritisiert patriarchale Machtstrukturen und toxische Männlichkeit als Ganzes. Denn wie in unserer echten Gesellschaft taucht auch in »Fun« dieses toxisch-männliche Problem in verschiedenen Bereichen und in unterschiedlichen Formen auf.

Bela stellte dem Publikum noch den G-String-tragenden Apotheker Guido vor, der seine Auszubildende zu einem Abendessen mit Hintergedanken einlädt. Bela B zeigt sich empört über jene Männer, die meinen, ihre Position verleihe ihnen ein Anrecht am weiblichen Körper – ein Relikt patriarchaler Selbstüberschätzung, das er mit Verachtung straft und ins Lächerliche zieht.

Zwischen Humor und harter Realität

Trotz des harten Stoffs wurde »Fun« schnell zum Bestseller. Dies liegt womöglich auch an Bela Bs lebendigem und bildhaftem Schreibstil, der mal sehr komisch wirkt und oftmals nichts für schwache Nerven ist. Wenn sich die jungen Fans im Jugendjargon über ihre Aftershow-Pässe freuen, wirkt dies nicht gekünstelt, sondern äußerst authentisch und amüsant. Bela B hat schließlich ein Händchen dafür, sich in andere Rollen zu versetzen – das bewies er schon im Animationsfilm »Terkel in Trouble«, worin er allen Charakteren seine Stimme leiht.

Wenn Bela dann auch noch beschreibt, wie die Rocker Maler und Krass ihrem »Schwanz« zeigen wollen, wer hier der Boss ist, und sich sinnlos auf die Genitalien hauen, kommt das komisch rüber und entlarvt, wie stumpfsinnig so mancher Macho wirklich ist. An einigen Stellen muss man als Leser:in aber schon einiges vertragen können. Beim Polizeiverhör, in welchem Krass panisch auspackt und äußerst vulgär beschreibt, wie er ein Groupie zum Analsex gezwungen hat, stößt das einem als Leser:in stark auf. Doch die vulgäre Sprache wird hier als stilistisches Mittel genutzt, um den Drummer und die wahren Täter als abstoßend darzustellen.

Zu deprimierend wurde der Abend dann doch nicht: Im Gegenteil! Mit seiner »End-of-Tour«-Gitarre performte Bela B auf der Bühne der Sheddachhalle, um die Stimmung erneut aufzuheitern. »Zwar nicht Carlos Santana, aber haben Sie Santana schon mal Witze vertonen hören?«, scherzte der Musiker. Und zum Schluss durfte das Publikum sogar selbst mitsingen.

Nichts für schwache Nerven – aber empfehlenswert

Provokativ, schonungslos und verstörend komisch – Bela Bs Roman ist alles andere als »Fun«. Und doch gelingt es ihm, schwere Themen mit Selbstironie, lebendiger Sprache und groteskem Humor verdaulich zu machen. Der Musiker und Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, entlarvt patriarchale Machtstrukturen und zeigt, dass toxische Männlichkeit in sämtlichen Strukturen ein für alle Mal enden muss.

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