Unter dem Motto »Verlockung« laden die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen vom 14. bis 25. Mai 2026 zu zwölf Tagen Barockmusik ein. Im Mittelpunkt steht das 20-jährige Bestehen des FestivalOrchesters Göttingen – flankiert von Oper, Oratorium und zahlreichen Konzerten in Stadt und Region.
Wenn im Mai 2026 die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen beginnen, steht ein Jubiläum im Zentrum, das weit über eine runde Zahl hinausweist: Seit 20 Jahren formt das FestivalOrchester Göttingen (FOG) einen zentralen Klangkörper der Festspiele. Musikerinnen und Musiker aus vielen Ländern kommen dafür jedes Jahr in Göttingen zusammen, um historische Aufführungspraxis mit aktueller Forschung zu verbinden. Zum Auftakt der Festspiele wird dieses Jubiläum mit einem Galakonzert gefeiert – begleitet von einem eigens produzierten Film, der die Entwicklung des Orchesters nachzeichnet (abrufbar unter: https://youtu.be/U_qZ5MJ37og).
Die 105. Ausgabe der Festspiele steht unter dem Motto »Verlockung«. Gemeint ist damit kein einheitlicher Begriff, sondern ein Spannungsfeld: zwischen Liebe und Macht, Hoffnung und Täuschung, innerem Konflikt und Sinnsuche. Diese Facetten spiegeln sich in den zentralen Programmpunkten wider. In der Festspieloper »Deidamia«, der letzten Oper Georg Friedrich Händels, erscheint Verlockung als menschliche Entscheidung zwischen privatem Glück und öffentlichem Ruhm. Das Oratorium »Messiah« rückt dagegen eine spirituelle Dimension in den Vordergrund, während Igor Strawinskys »Die Geschichte vom Soldaten« Verführung als gefährliches Spiel zeigt.
Mit »Deidamia« kehrt die Festspieloper ins Deutsche Theater Göttingen zurück. Die Produktion entsteht in Koproduktion mit der Wexford Festival Opera und wird vom Künstlerischen Leiter der Festspiele, George Petrou, dirigiert und inszeniert. In den vergangenen Jahren habe sich zwischen ihm und dem FestivalOrchester eine enge künstlerische Beziehung entwickelt, die inzwischen von großer Vertrautheit geprägt sei. Die Opernproduktion markiert zugleich den Probenbeginn des Orchesters Ende April und damit den eigentlichen Startpunkt der Festspielzeit.
Auch jenseits der großen Bühnen entfalten die Händel-Festspiele ihre Wirkung. Insgesamt sind 96 Veranstaltungen mit rund 550 Künstlerinnen und Künstlern aus über 20 Nationen geplant. Gespielt wird an 22 Orten in Göttingen sowie an weiteren Spielstätten im Landkreis. Kammerkonzerte, Kirchenräume, historische Säle und ungewöhnliche Orte bilden dabei ein dichtes Netz, das die Stadt und die Region einbezieht.
Zu den frühen Höhepunkten zählt ein Duo-Abend mit der Sopranistin Julia Lezhneva und dem Lautenisten Luca Pianca, der bereits vor Festspielbeginn stattfindet. Weitere Akzente setzen Konzerte mit Dorothee Oberlinger, Erik Bosgraaf oder Laurence Cummings, der als ehemaliger Künstlerischer Leiter der Festspiele nach Göttingen zurückkehrt. Auch die Händel Competition ist erneut Teil des Programms und bringt junge Ensembles nach Göttingen.
Ein besonderes Augenmerk gilt den Konzerten im Landkreis. Ob im Welfenschloss Hann. Münden, im PS.SPEICHER Einbeck oder in Kirchen und Sälen kleinerer Orte: Die Festspiele tragen Barockmusik bewusst über die Stadtgrenzen hinaus. Ergänzt wird das Programm durch Formate, die neue Zugänge eröffnen – vom Jazzprojekt über das Sunrise-Konzert bis zu Lesung und Musik.
Deutlich sichtbar ist zudem die enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Theater Göttingen, etwa bei der szenischen Umsetzung von Strawinskys »Geschichte vom Soldaten«. Auch das Kinder- und Familienprogramm »Händel4Kids!« ist erneut breit angelegt und reicht von Mitmachformaten bis zur familiengerechten Opernfassung.
Trotz eines anspruchsvollen Umfelds bleibt die Resonanz auf die Festspiele hoch. Mehr als tausend Übernachtungen von Gästen, zahlreiche Kooperationen und ein breites Unterstützernetz tragen dazu bei, dass das Festival auch 2026 in dieser Form stattfinden kann. Der Vorverkauf für einzelne Veranstaltungen hat bereits begonnen, der allgemeine Kartenverkauf startet am 13. Februar.