Christiane Wirtz und Anja Johannsen im Literaturhaus Göttingen
Christiane Wirtz und Anja Johannsen im Literaturhaus Göttingen | © Photo: Wortmann
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Literaturherbst

Privat, politisch, intensiv – eine höchstemotionale Reise

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Christiane Wirtz stellte im Literaturhaus ihren Roman »Wie schwer wiegt ein Schatten?« vor
von Jens Wortmann, erschienen am 01. November 2025

Im gut besuchten Literaturhaus sprach Christiane Wirtz mit Moderatorin Anja Johannsen über ihren Roman Wie schwer wiegt ein Schatten? – eine Geschichte über Liebe, Schuld und Erinnerung. Ein Abend, der berührte und Lust machte, mehr über Mia und David zu erfahren.

Ein gut besuchtes Literaturhaus, ein aufmerksames Publikum – überwiegend weiblich – und eine Autorin, die mit klarem Stil und großer Offenheit überzeugt: So präsentierte sich der Abend mit Christiane Wirtz am 30. Oktober 2025 im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes.

Die Moderation übernahm Anja Johannsen, langjährige Leiterin des Literarischen Zentrums Göttingen und heute Literaturagentin in Berlin. Sie erzählte, dass sie das Manuskript von Wirtz einst „aus einem Stapel gezogen“ habe – und es danach nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Johannsen eröffnete das Gespräch mit der Frage: „Wie geht das – vom Justizministerium zur Autorin?“

Christiane Wirtz antwortete offen: „Ich wollte immer schreiben. Als Journalistin habe ich das ja bereits getan, aber ich wollte auch immer einen Roman schreiben. 2019 habe ich als Staatssekretärin aufgehört. Dann kam Corona – und es gab keine Ausrede mehr, diesen Roman nicht zu schreiben.“

Das neue Leben als Autorin sei, so Wirtz, „eine völlig neue Art des Arbeitens“ gewesen.

Anschließend las sie den Anfang ihres Romans Wie schwer wiegt ein Schatten? – eine Begegnung zwischen der Journalistin Mia und dem Kameramann David in einer Buchhandlung in Tel Aviv im Jahr 2008. Beide verlieben sich Hals über Kopf ineinander.

Wirtz’ Sprache ist ruhig, klar und eindringlich. Sie liest mit feiner Betonung, ihre Beschreibungen sind sensibel und lebendig. Ihr schnörkelloser Stil passt perfekt zu den ernsten und emotionalen Themen des Romans.

Moderatorin Anja Johannsen zitierte Iris Berben, die das Buch mit den Worten beschrieb:

„Privat, politisch, intensiv – dieser Roman nimmt Sie mit auf eine höchstemotionale Lebens- und Liebesreise.“

Tatsächlich erzählt der Roman gleich zwei Lebensreisen:

Mia begibt sich auf Spurensuche in die dunkle Vergangenheit ihrer Familie. Die zentrale Figur Ruth – eine enge Freundin von Mias verstorbener Mutter – wird zur Wegbegleiterin dieser Suche. Durch sie erfährt Mia von der jüdischen Familiengeschichte, die bisher im Verborgenen lag, und von der Rolle ihres Großvaters.

Parallel dazu entfaltet sich die Geschichte von David, dessen Familie während der NS-Zeit aus genau jenem Haus in Düsseldorf vertrieben wurde, in dem Mias Familie später lebte.

Die Begegnung zwischen Mia und David bildet den emotionalen Kern des Romans: Zwei Menschen, die die Last der Geschichte ihrer Familien tragen – auf der einen Seite Schuld, auf der anderen Leid – und die dennoch zueinander finden. Eine Liebesgeschichte, getragen von Empathie, Erinnerung und der Hoffnung auf Versöhnung.

Eine Fragerunde gab es am Ende nicht – sie war auch nicht nötig. Der Abend endete mit einem spürbaren Interesse an Buch und Autorin. Das Gespräch zwischen Christiane Wirtz und Anja Johannsen, geprägt von Vertrautheit und gegenseitiger Wertschätzung, war so lebendig und gehaltvoll, dass es das Publikum bereits ganz für sich eingenommen hatte.

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