Das Kunsthaus Göttingen hat eine schwierige Phase hinter sich gelassen. Nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens blickt die städtische Institution wieder nach vorn – wirtschaftlich konsolidiert, inhaltlich präsent und mit einer Ausstellung, die derzeit ungewöhnlich viele Menschen anzieht.
Es war eine Zäsur, die das Kunsthaus Göttingen im vergangenen Jahr durchlief. Das Insolvenzverfahren, das im Herbst 2024 öffentlich wurde, stellte nicht nur die wirtschaftliche Grundlage des Hauses infrage, sondern auch seine Rolle innerhalb der städtischen Kulturlandschaft. Nun ist dieses Kapitel abgeschlossen – und das Kunsthaus meldet sich zurück mit einer nüchternen, aber bemerkenswerten Bilanz.
Das Jahr 2025 endet mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Für eine kulturelle Institution dieser Größe ist das keine Selbstverständlichkeit, sondern das Resultat eines längeren Konsolidierungsprozesses. Möglich wurde dies durch das anhaltende Engagement der Stadt Göttingen, strukturelle Anpassungen im laufenden Betrieb sowie durch den Einsatz der künstlerischen Leitung und zahlreicher Unterstützerinnen und Unterstützer, vielfach auch im Ehrenamt.
Wie das Göttinger Tageblatt berichtet, war der Weg dorthin von intensiven Diskussionen begleitet – insbesondere über die Frage, wie viel kulturelle Infrastruktur sich eine Stadt leisten kann und leisten will. Dass das Kunsthaus nun wirtschaftlich stabilisiert ist, darf auch als kulturpolitisches Signal verstanden werden: Zeitgenössische Kunst bleibt Teil des Selbstverständnisses Göttingens.
Oberbürgermeisterin Petra Broistedt, zugleich Aufsichtsratsvorsitzende des Kunsthauses, hebt in diesem Zusammenhang die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten hervor. Das Kunsthaus sei nicht nur ein Ausstellungsort, sondern ein Raum für kulturellen Diskurs, internationale Perspektiven und künstlerische Gegenwart – eine Rolle, die nun erneut abgesichert scheint.
Auch der Blick nach vorn fällt zurückhaltend positiv aus. Für das Jahr 2026 wird unter gleichbleibenden Rahmenbedingungen erneut ein leicht positives Ergebnis angestrebt. Von Euphorie ist dabei keine Rede, eher von einer vorsichtigen Zuversicht, dass der eingeschlagene Kurs trägt.
Parallel zur wirtschaftlichen Stabilisierung erlebt das Kunsthaus derzeit eine Phase ungewöhnlich hoher Aufmerksamkeit. Die laufende Ausstellung #ShotbyAdams hat bereits mehr Besucherinnen und Besucher angezogen als frühere Projekte des Hauses – selbst das Documenta-Jahr wurde übertroffen. Fotografien des Musikers Bryan Adams, der seit Jahren auch als Fotograf international präsent ist, treffen offenbar einen Nerv, der über das klassische Kunstpublikum hinausreicht.
Dieser Erfolg ist kein Zufall, sondern fügt sich in die Programmatik des Hauses ein, das seit seiner Eröffnung 2021 auf international ausgerichtete Ausstellungen mit klarer kuratorischer Handschrift setzt. Als Teil des Kunstquartiers Göttingen hat sich das Kunsthaus in kurzer Zeit einen festen Platz in der städtischen Kulturlandschaft erarbeitet – mit einem Schwerpunkt auf Arbeiten auf Papier, Fotografie und neuen Medien.
Nach der wirtschaftlichen Neuaufstellung geht es nun darum, dieses Profil weiterzuführen, ohne die Erfahrungen der vergangenen Monate auszublenden. Das Kunsthaus Göttingen steht damit exemplarisch für eine Kulturinstitution, die gelernt hat, mit begrenzten Ressourcen zu arbeiten – und dennoch an ihrem Anspruch festhält.