Seit 20 Jahren bietet die Offene Bühne des Kreuzberg on KulTour e.V. Musikerinnen und Musikern aus Südniedersachsen einen festen Auftrittsort. Trotz zahlreicher Ortswechsel, Spielstättensterben und Pandemie ist ein dauerhaftes Kulturformat entstanden.
Was im Januar 2006 im Café Kreuzberg begann, hat sich zu einem festen Bestandteil des Göttinger Kulturlebens entwickelt: Die Offene Bühne des heutigen Kreuzberg on KulTour e.V. findet seit nunmehr 20 Jahren regelmäßig statt und hat in dieser Zeit mehr als 240 Ausgaben erlebt. Monat für Monat, jeweils am zweiten Donnerstag, erhalten regionale Musikerinnen und Musiker hier die Möglichkeit, vor Publikum aufzutreten – unabhängig davon, ob sie erste Bühnenerfahrungen sammeln oder neues Material erproben möchten.
Initiator war der damalige Café-Kreuzberg-Inhaber Klaus Wißmann. „Schon lange wurde ich, vor allem von Musikern, gebeten, dort eine Offene Bühne einzurichten“, erinnert er sich. Der Startschuss fiel schließlich nach der Schließung des Nörgelbuffs Ende 2005. Gemeinsam mit Jan Sperhake wurde die Offene Bühne im Januar 2006 gegründet. Bereits die erste Ausgabe zog zahlreiche Beteiligte an, die bis in die frühen Morgenstunden musizierten.
Die Geschichte des Formats ist eng mit dem Wandel der Göttinger Kulturlandschaft verbunden. Nach der Schließung des Café Kreuzberg 2009 wurde der Verein Kreuzberg on KulTour e.V. gegründet, um das Kulturprogramm fortzuführen. Es folgten mehrere Umzüge: vom Salamanca über das Cartoon, die Blooming Bar, die Buddha Lounge und das Blue Note bis hin zu weiteren Stationen wie Apex, Freihafen/Eins B und Tangente. Immer wieder waren es Schließungen von Spielstätten, die einen Ortswechsel notwendig machten.
„Wieder gingen wir mit der Offenen Bühne auf Wanderschaft“, sagt die zweite Vorsitzende Dana Rotter mit Blick auf diese Jahre. Besonders einschneidend war das Ende der Tangente 2018, das als Verlust einer zentralen Livemusik-Spielstätte wahrgenommen wurde. Eine neue Heimat fand das Format anschließend im Gewölbe der Diva Lounge.
Mit Beginn der Corona-Pandemie stand die Offene Bühne erstmals vor dem vollständigen Ausfall. Stattdessen wurde das Konzept kurzfristig ins Internet verlagert. Ab April 2020 entstanden insgesamt 37 Online-Ausgaben, die über YouTube und Radio Leinewelle ausgestrahlt wurden. „Aus der Not heraus entstand ein Format, das Musiker aus der Region in dieser Zeit eng zusammengebracht hat“, so Rotter. Auch das 15-jährige Bestehen wurde 2021 auf diese Weise begangen.
Nach der Pandemie kehrte die Offene Bühne in den Livebetrieb zurück. Seit November 2024 findet sie im Stadion Speckstraße statt, zudem gab es erste Gastspiele im Landkreis, unter anderem im Backsteinhaus in Duderstadt. Dort soll das Format perspektivisch erneut stattfinden.
Das 20-jährige Bestehen markiert nun einen weiteren Meilenstein. Gefeiert wird das Jubiläum im Januar am aktuellen Spielort. „Ohne die Gemeinschaft der vielen beteiligten Künstlerinnen und Künstler hätte dieses Format nicht so lange Bestand gehabt“, betont Wißmann. Über zwei Jahrzehnte hinweg ist die Offene Bühne damit nicht nur Auftrittsort geblieben, sondern auch Treffpunkt und Netzwerk für die regionale Musikszene.