»Der Videobeweis« von Sebastien Thiéry
Zeitgenössische Beziehungskomödie über Kontrolle, Transparenz und Selbsttäuschung

© Georges Pauly
Justine und Jean-Marc sitzen beim Abendessen in ihrer Küche und streiten über Alltäglichkeiten. Als eine E-Mail von einem unbekannten Absender eintrifft, kippt die Situation. Das beigefügte Video zeigt die beiden selbst – beim Abendessen, gefilmt aus der eigenen Küche. Wer hat sie beobachtet?
Es bleibt nicht bei dieser einen Aufnahme. Weitere Videos tauchen auf und dokumentieren scheinbar belanglose Momente des gemeinsamen Lebens. Doch mit jedem neuen Clip treten Details zutage, die Fragen nach Vertrauen, Kontrolle und Wahrheit aufwerfen. Kleine Verschiebungen im Verhalten, unausgesprochene Konflikte und verborgene Absprachen geraten in den Fokus.
Sébastien Thiérys Stück verbindet komödiantische Zuspitzung mit psychologischer Genauigkeit. Der Text untersucht, wie viel Transparenz eine Beziehung aushält und wie schnell Nähe in Überwachung umschlagen kann. Humor und Fremdscham liegen dicht beieinander und treiben eine Dynamik voran, in der Enthüllen und Verbergen unauflöslich miteinander verknüpft sind.
Regisseur Jochen Strauch inszeniert »Der Videobeweis« als präzise gebaute Versuchsanordnung. Die Küche wird zum geschlossenen Raum, in dem sich Machtverhältnisse und emotionale Abhängigkeiten immer neu verschieben. Strauch vertraut auf Rhythmus, Timing und die schrittweise Eskalation der Dialoge. Der Humor entsteht nicht aus Pointen, sondern aus der Wiederholung und Verdichtung von Situationen, die zunehmend aus dem Ruder laufen.
Bühne und Kostüme von Johannes Frei unterstützen diese Lesart mit klarer Alltagsästhetik. Kleine Umbauten und choreografierte Übergänge strukturieren den Abend und halten die Spannung aufrecht. Musik setzt Akzente, ohne den Spielverlauf zu kommentieren. Im Zentrum steht das Zusammenspiel der beiden Darsteller:innen, deren präzises Timing den Balanceakt zwischen Komödie und psychologischem Kammerspiel trägt.
»Volker Muthmann und Judith Strößenreuter liefern als streitlustiges Ehepaar eine herrlich unterhaltsame Performance. Das scharfzüngige Spiel von Muthmann und Strößenreuter als ständig zankendes Zweiergespann ist ein echter Publikumsspaß! (...). Das Spiel aus Enthüllung und Verbergen verliert nie an Reiz, denn die Geheimnisse werden mit jeder Runde bizarrer und intimer. Zudem fragt man sich ständig, wer dieser geheimnisvolle Big Brother-Videostalker nun überhaupt ist. (...) eine Mischung aus Humor und Spannung, die das Publikum fesselt und zum Nachdenken über das eigene Beziehungsleben anregt.« Keanu Demuth, Kulturbüro 1.10.2025
Mit
Judith Strößenreuter und Volker Muthmann
Regie: Jochen Strauch
Bühne und Kostüme: Johannes Frei
Szenenwechsel zur Produktion
Eintritt: Tickets für 21,50 €
Bei Vorlage des Studienausweises erhalten Studierende der Georg-August-Universität Göttingen, der HAWK und der PFH Göttingen zu fast allen Vorstellungen des Deutschen Theater Göttingen kostenfrei Karten. Kartenreservierungen sind ab drei Tage vor der jeweiligen Vorstellung möglich, auch für Premieren. Die Abholung der Karten erfolgt an der Abendkasse nur gegen Vorlage des gültigen Studienausweises. Gastspiele und Sonderveranstaltungen sind vom Kulturticket ausgenommen.
Veranstalter:
Ort
Deutsches Theater – dt.x (Keller)
Theaterplatz 11
37073 Göttingen
Weitere Termine
Weiterer Termin
Mittwoch, 25. Februar, 20:30 UhrDeutsches Theater – dt.x (Keller)
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