»Mephisto« – nach dem Roman von Klaus Mann
für die Bühne bearbeitet von Erich Sidler

© Georges Pauly
Regie: Erich Sidler
Mit »Mephisto« bringt das Deutsche Theater Göttingen einen der zentralen Exilromane des 20. Jahrhunderts auf die Bühne. Klaus Mann schrieb den »Roman einer Karriere« 1936 im Amsterdamer Exil als Reaktion auf den rasanten Aufstieg des Nationalsozialismus und auf die Bereitschaft vieler Künstler:innen, sich mit der Macht zu arrangieren. Die Figur des Schauspielers Hendrik Höfgen wurde dabei zur Chiffre für opportunistische Anpassung und moralische Selbstverleugnung.
Die Bühnenfassung von Bastian Kraft konzentriert sich auf den inneren Widerspruch dieser Karriere: zwischen künstlerischem Anspruch, persönlicher Eitelkeit und politischer Verantwortung. Aus dem Aufstieg eines gefeierten Schauspielers wird das Porträt eines Menschen, der sich Schritt für Schritt in ein System verstrickt, das er zunächst zu durchschauen glaubt. Der Text stellt weniger die historischen Abläufe als die Mechanismen von Verführung, Anpassung und Selbstrechtfertigung in den Mittelpunkt.
Regisseur Erich Sidler setzt auf eine klare, rhythmisch präzise Inszenierung, die den Roman nicht illustriert, sondern strukturell übersetzt. In der Verbindung von Schauspiel, Musik und choreografischen Elementen entsteht ein vielstimmiger Theaterabend, der zwischen Groteske, Machtfantasie und moralischer Zuspitzung changiert. Bühne von Jörg Kiefel und Kostüme von Renée Listerdal schaffen einen bewusst künstlichen Raum, in dem Rollenbilder und Haltungen sichtbar verformt werden. Die musikalische Gestaltung von Michael Frei und Johannes Frei sowie die Choreografie von Michael Tucker verstärken die Dynamik zwischen Exzess und Kontrolle. Dramaturgisch begleitet wird die Produktion von Theresa Leopold.
Die Inszenierung wurde von der Presse als eindringliche Aktualisierung des Stoffes gewürdigt:
»Die Aufteilung des Stücks und das Pacing ist dem Ensemble mehr als geglückt. (...) ›Mephisto‹ überzeugt besonders mit einem starken Hauptdarsteller und schafft es, den Geist von Klaus Manns Roman einzufangen. Die musikalische Untermalung à la Rolling Stones und die Montagesequenzen geben dem Charakterporträt einen frischen Anstrich. Und vor allem der moralische Aspekt des Stücks trifft genau den Nerv unserer Zeit. Somit ist ›Mephisto‹ nicht nur extravagante Unterhaltung, sondern ein Weckruf zum Schutz unserer demokratischen Werte!«Keanu Demuth, Kulturbüro Göttingen 28.4.2025
Klaus Mann schrieb bereits mit 15 Jahren erste Novellen. Es folgten die Gründung eines Theaterensembles mit Schwester Erika, Pamela Wedekind und Gustaf Gründgens. In der Emigration wurde er zur zentralen Figur der internationalen antifaschistischen Publizistik. Er gab die Zeitschriften Die Sammlung (1933-35) und Decision (1941-42) heraus und kehrte zunächst als US-Korrespondent nach Deutschland zurück. Seine bedeutendsten Romane schrieb Mann im Exil. 1949 verstarb er in Cannes.
Regie: Erich Sidler
Bühne: Jörg Kiefel
Kostüme: Renée Listerdal
Musik: Michael Frei, Johannes Frei
Choreografie: Michael Tucker
Dramaturgie: Theresa Leopold
Mit:
Gabriel von Berlepsch, Moritz Schulze, Rebecca Klingenberg, Nathalie Thiede, Daniel Mühe, Stella Maria Köb, Tara Helena Weiß, Marco Mathes, Florian Eppinger, Andrea Strube
Szenenwechsel zur Produktion
Rezension zur Produktion
Eintritt: Tickets von 15 € bis 39 €
Ort
Deutsches Theater - dt.1
Theaterplatz 11
37073 Göttingen
Weitere Termine
Weiterer Termin
Samstag, 28. Februar, 19:45 UhrDeutsches Theater - dt.1
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