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Julia Sophie Wagner, Antonius Adamske, Henryk Böhm, mussica assoluta sowie Chor und Orchester der Universität Göttingen | © Photo: Wortmann
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Stadthalle

Zwischen Erkenntnis und Gefahr: Quantenmechanik in Tönen

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Die Ordnung der Wirklichkeit: Neue Kantate in Göttingen uraufgeführt
von Bernd Homeyer, erschienen am 11. September 2025

Mit einem besonderen Ereignis hat die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) in Göttingen 100 Jahre Quantenmechanik gefeiert. Im Rahmen des Internationalen Quantenjahres 2025 erlebte am 10. September in der Stadthalle die Kantate Ordnung der Wirklichkeit des portugiesischen Komponisten Manuel Durão ihre Uraufführung – ein Werk, das Wissenschaft und Musik auf eindrucksvolle Weise miteinander verknüpft.

Durão, der von Universitätsmusikdirektor Antonius Adamske beauftragt wurde, bezog sich auf die Musik der 1920er Jahre, als Werner Heisenberg, Max Born und Pascual Jordan in Göttingen die Grundlagen der Quantenmechanik entwickelten. Er entschied sich für die Form einer zweiteiligen Kantate mit Chorstücken, Arien und Rezitativen. So konnte er Texte von Heisenberg, Born und dessen Frau Hedwig, Platon, Goethe, Wilhelm Busch und anderen zusammenfügen. Sie beschreiben eine „Ordnung der Wirklichkeit“, die sich oft auch als Unordnung entpuppt. An die Stelle von Gewissheit treten Unberechenbarkeit und Widerspruch, bis hin zu Zerstörung und Alptraum. So warnt Max Born in einem Zitat von 1969 vor der Auslöschung der Menschheit durch einen „Krieg mit Kernwaffen“ und vor der „Tyrannei von Diktatoren“, die die Welt „mit Hilfe von Maschinen und elektronischen Computern beherrschen“.

Durãos Auswahl ist assoziativ, ergibt aber eine innere Logik: Während der erste Teil die Suche des Menschen nach Erkenntnis würdigt, zeigt der zweite Teil Desillusionierungen und Gefahren auf. Am Ende jedoch klingt die Kantate versöhnlich aus. Musikalisch fußt sie auf Platons Annahme, dass winzige rechtwinklige Dreiecke Urbausteine der Materie seien. Daraus entwickelte Durão ein Dreitonmotiv, das in der Harfe vorgestellt und motivisch weitergeführt wird.

Die Solisten Julia Sophie Wagner (Sopran) und Henryk Böhm (Bariton) gaben den Texten lebendige Gestalt. Wagner verkörperte als „Altra“ eine zweite Stimme zu Heisenberg mit warmem Ton, Böhm stellte sich auch gestisch in die Rolle des Physikers und gestaltete die Texte eindringlich. Das Universitätsorchester, verstärkt durch musica assoluta Hannover, sowie ein rund 80-köpfiger Chor sorgten für ein festliches Klangbild. Lediglich die Positionierung des Chores weit hinten auf der Bühne minderte aufgrund der mäßigen Akustik der Stadthalle bisweilen die Verständlichkeit.

Über die Musik hinaus prägten auch die Rahmenbeiträge den Abend. Nach Begrüßungen durch Vertreter von Universität und Physikalischer Gesellschaft führte ein Interview in die Komposition ein. Nach dem ersten Teil der Kantate hielt die designierte DPG-Präsidentin Heike Riehl einen Vortrag über Quantencomputer, den sie mit Optimismus und Humor zugleich würzte. Erst danach folgte der zweite Teil der Kantate.

Am Ende bedankte sich das zahlreiche Publikum mit langanhaltendem Applaus für ein Programm, das denkwürdig in Erinnerung bleiben dürfte. Es verband die Geschichte der Quantenmechanik mit einer musikalischen Reflexion über Erkenntnis, Verantwortung und Hoffnung – und machte Göttingen für einen Abend erneut zum Zentrum der Wissenschaft und der Musik.

 

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