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Tara Helena Weiß, Paul Trempnau, im Hintergrund: Judith Strößenreuter | © Photo: Georges Pauly
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Deutsches Theater

Ein Ausblick auf die Zukunft?

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»IKI.radikalmensch« dt.2 Premiere am 05.09.2025
von Jasmin D'Amico, erschienen am 10. September 2025

Noch bevor der Theatersaal betreten wurde, lag das Thema schon in der Luft und führte zu angeregten Diskussionen bei einigen der Besucher:innen: Künstliche Intelligenz, ChatGPT, digitale Spiegelbilder. Themen, die sich immer mehr in den Vordergrund drängen und fester Bestandteil unserer Zukunft sein werden. Doch wie sicher und vertrauenswürdig ist KI? Mit dieser Frage beschäftigt sich »IKI.radikalmensch« unter der Regie von Juliane Kann und der Inszenierung des dt. 2. Die Premiere nach der Vorlage von Kevin Ritterberg läutete am 05. September die neue Spielzeit ein.

Zwischen Aktivismus und KI

Im Zentrum der Handlung steht Peter Vogel. Angehender Jurist und Umweltschützer, der sich zunächst vor einem Prüfungskomitee (dem Publikum) beweisen muss. Mit überzeugender Motivation erzählt er von Zeiten des Klimaaktivismus. Im hier und jetzt scheint dies kein Thema mehr zu sein, denn Peter lebt in einer ökologisch korrekten Welt. Dies ermöglicht vor allem das Zusammenleben und Arbeiten mit KI. „Clever“ versucht er der Gesichtserkennungssoftware zu entgehen, indem er sich eine pinke Haarsträhne vors Gesicht klemmt – schließlich habe er ja ein Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Dass er schon längst Opfer einer umfangreichen Datenerhebung geworden ist, indem seine „Partnerin“ IKI zuhause auf ihn wartet, bemerkt er nicht.

Gefährtin oder Illusion?

IKI, gespielt von Tara Helena Weiss, ist dabei alles, was er sich je erträumt hat. Nach seinen Vorstellungen programmiert, adaptiert sie sogar sein eigenes Bewusstsein und wirkt dabei durch das Schauspiel von Tara Helena Weiss perfekt „menschlich“ und doch nicht echt. Individuell kann er seine Gefährtin einstellen, indem er bestimmte Eigenschaften auf einer Skala von eins bis zehn anpassen kann. Auch optisch kann er sie seinen Wünschen anpassen, geschickt dargestellt durch „Aufpuste-Noppen“, die überall am Körper von IKI angebracht sind. Eine maßgeschneiderte Persönlichkeit über die Peter jederzeit die Kontrolle behält – so scheint es zumindest. Was er nicht mitbekommt: IKI führt seit kurzer Zeit allein Systemupdates durch und erlangt ein Eigenleben.

Die Schattenseite der Perfektion

So verlockend eine solche Partnerin doch erscheint, so schnell zeigt sich ihre Schattenseite. Wer ständig mit dem eigenen Ebenbild konfrontiert wird, erhält keinen Gegenwind, keine andere Meinung und bleibt in seiner Entwicklung stehen. Dabei ist Peter ein freiheitsliebender Aktivist. Immer wieder hält er Monologe über Moral und die gesellschaftliche Situation, die vor allem sprachlich ein Brett sind und viel von Schauspieler Paul Trempnau abverlangen. Doch ein vollständiges Verständnis der Handlung entwickelt sich nur langsam. Viele Probleme werden aufgegriffen und angedeutet, aber nicht vertieft. Bei 75 Minuten Spiellänge auch kaum möglich, sodass das Publikum mit vielen offenen Fragen zurückgelassen wird

Wissenschaftliche Kontrolle

Judith Strößenreuter spielt, als letzte im Bunde, eine ominöse Assistentin, die Peter und seine Beziehung zu IKI zu überwachen scheint. Denn das Bühnenbild zeigt zwei ineinander liegende Räume. Futuristisch und mit klarer Struktur von Nicole Ulrich gestaltet, wirken die Zimmer wenig wohnlich. Strößenreuter gibt dem Publikum viele wissenschaftliche Informationen und Einblick in die bestehende Welt, in der der Mensch mit KI zusammenlebt. Dabei bleibt sie stets unnahbar, aber quirrlig. Ähnlich wie Peter richtet sie ihre Worte direkt an die Besucher:innen. Wobei auch hier der große Informationsfluss erdrücken kann und wenig Klarheit gibt – vielleicht auch gerade so geplant.

Schließlich übernimmt die Universelle Künstliche Intelligenz „UKI“ die Rolle der IKI. Diese kann nicht mehr von Peter kontrolliert werden und entwickelt deutlich radikaler ihr menschliches Eigenleben. 

Es bleiben Denkanstöße

»IKI.radikalmensch« ist kein Stück, das einfache Antworten liefert. Es konfrontiert das Publikum auf skurrile Weise mit der Faszination und den Risiken künstlicher Intelligenz und zeigt, wie schnell Kontrolle in Illusion derer umschlagen kann. Gleichzeitig thematisiert es unterschwellig die Herausforderung des Klimawandels und seine Konsequenzen. Mit seinen dichten Textpassagen fordert es das Publikum stark und schneidet dabei viele Probleme jedoch nur an. Die offenen Fragen regen zum Nachdenken an und müssen schließlich von den Zuschauer:innen selbst beantwortet werden. Vielleicht eine klare Erinnerung daran, dass es manchmal lohnender ist, selbst nachzudenken, statt auf die Antworten einer Maschine (wie zum Beispiel ChatGPT) zu vertrauen.

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