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Das Göttinger Symphonieorchester mit Annette Dasch und Andreas Schüller
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Göttinger Symphonieorchester

Tod und Transzendenz

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Symphoniekonzert »Swan Song« mit Annette Dasch unter der Leitung von Andreas Schüller
von Marie Bruschek, erschienen am 26. April 2025

Ein letztes Lied, ein Schwanengesang – der Ausdruck spielt auf die Idee an, dass Schwäne kurz vor ihrem Tod besonders schön singen. Oft ist damit auch das letzte Werk eines Künstlers oder einer Künstlerin gemeint, es schwingen Themen wie Tod, Transzendenz und auch Wiederauferstehung mit. All das durfte das Publikum des sechsten Symphoniekonzerts des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO) am 25. April in der Stadthalle erleben. Unter Leitung des Dirigenten Andreas Schüller und mit Solistin Annette Dasch wurde der Saal mit märchenhaften, sanften und dramatischen Klängen erfüllt.

Rund um Schwanenweiß und Karfreitagszauber

Programmtitel des Abends war passenderweise  »Swan Song«. Der Schwan als Motiv fand sich in vielerlei Hinsicht in den ausgewählten Stücken wieder, spürbar war die sehr sorgfältige Selektion. Eröffnet wurde mit Jean Sibelius’ »Swanwhite Suite« op. 54. Die Musik basiert auf dem gleichnamigen Märchendrama von August Strindberg: begleitet wird die Geschichte der Prinzessin Schwanenweiß, die für ihre Liebe kämpft. Die verstorbenen Mütter des Liebespaares, als Schwäne dargestellt, geben ihren Segen, letztlich erweckt die Prinzessin ihren Geliebten aus dem Totenreich zurück zu sich ins Leben. Der Grundton für den Abend wurde damit gekonnt gesetzt: Schüller kommentierte, Sibelius’ Stück werde nicht oft in Deutschland gespielt – und war auch vermutlich eine Erstaufführung in Göttingen.

Weiter ging es mit Richard Wagners Vorspiel und Karfreitagszauber aus »Parsifal«, dem letzten musikdramatischen Werk Wagners, einem wahren Bühnenweihfestspiel. Es geht um den heiligen Gral, um getötete Schwäne und die Wiederauferstehung der Natur: Besonders hört man das im Karfreitagszauber, als die Musik besonders hell und leuchtend wird. Nach einer Pause ging es weiter mit Arvo Pärts – dem laut Schüller „wichtigsten klassischen lebenden Komponisten” – »Swansong«. Pärt malt mit dem Stück förmlich eine Kirche, es klingt wie ein Besuch in einem alten heiligen Gebäude. Das ergibt in Pärts Oeuvre auch Sinn: selbstbewusst hat er sich in den Kanon kirchlicher Musik eingeschrieben. Die Klänge wirken besonders transzendent, der choralartige Song nimmt Bezug auf den Theologen John Henry Newman.

Abschluss bilden Richard Strauss’ »Vier letzte Lieder«. Der Titel stammt nicht von dem Komponisten selbst, ebenso wenig wie die Zusammenstellung. Dennoch verbindet die vier Stücke ein zentrales Thema: die Auseinandersetzung mit Tod, Abschied und Vergänglichkeit. Vorlage sind Gedichte von Hesse und Eichendorff, von Strauss komponiert für ein Orchester und einen Sopran. Dafür tritt Dasch als gold gekleidete Erscheinung auf die Bühne.

Große Namen in der Stadthalle 

Nach diesem dichten musikalischen Programm lohnt sich ein Blick auf die Künstler, die diesen besonderen Abend geprägt haben. Das den Göttingern längst bekannte GSO zeigte sich hier von seiner besten Seite: fokussiert, in perfekter Harmonie, mit Leidenschaft und Passion. Neu dabei sind an diesem Abend Dirigent Schüller und Sopranistin Dasch. Schüller hat bereits eine illustre Karriere hinter sich: Seit 2022 ist er Generalmusikdirektor in Gießen und verfügt über breite Erfahrung im Opern- und Konzertbereich. Gekonnt lenkt er durch den Abend, erklärt an Stellen dem Publikum Details und lädt sie dazu ein, sich verzaubern zu lassen. Dasch wiederum zählt zu den renommiertesten deutschen Sopranistinnen. Sie sang Hauptrollen rund um die Welt, und ihr immenses Talent ist auch in Göttingen nicht zu übersehen – beziehungsweise zu überhören. 

Emotionale Tiefen werden geweckt

Der Schlussstrich des Abends: tosender Applaus, Pfiffe aus dem Publikum, begeisterte Stimmen auf dem Weg hinaus. GSO und Schüller musizieren gemeinsam auf höchstem Niveau, die geschaffenen transzendentalen Klänge haben eine fast meditative Wirkung und erwecken ein stimmiges Gesamtbild. Gekonnt werden von Schüller Akzente gesetzt. Die Harfe in Sibelius’ Stück entführt Zuhörerinnen und Zuhörer in märchenhafte Welten, bei Wagners Musik wiederum müssen die Holzbläser gelobt werden: sie gestalten die Solostellen mit Bravour. Besonderes Lob verdient Annette Dasch, die im Scheinwerferlicht das Publikum sprachlos macht. Sie singt ebenso besonders deutlich, die Gedichte sind klar verständlich, was deren Wirkung verstärkt. 

Spürbar ist: Die Zusammenarbeit zwischen Schüller, Dasch und GSO verläuft auf der Bühne mit großem Respekt füreinander und gemeinsamem Ziel: das Publikum emotional zu erreichen. Das erreichen sie mit Leichtigkeit. Die Thematik von Märchenwald, Tod, Transzendenz und Wiederauferstehung ist bei jeder Note spürbar. Schüller lockt nicht nur aus dem Ensemble große Klänge und ätherische Melodien, sondern auch tiefe Emotionen aus dem Publikum. Es war ein Abend, der zeigte, wie Musik Grenzen überwindet – zwischen Leben und Tod, zwischen Märchen und Wirklichkeit.

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