»Jauchzet, frohlocket« schallte es am 3. Adventswochenende mit Pauken und Trompeten durch die voll besetzte Göttinger Johanniskirche. Mit sprühender Energie und glockenklaren, wohlintonierten Stimmen sorgten für diesen außergewöhnlichen Hörgenuss insgesamt 150 Sängerinnen und Sänger des großen Chores und des Kinder- und Jugendchores der Stadtkantorei Göttingen, gemeinsam mit dem Göttinger Barockorchester und Solist:innen unter der Leitung von Bernd Eberhard.
Aufgeführt wurden die Kantaten 1–3 aus dem Weihnachtsoratorium von J. S. Bach (BWV 248), bereichert durch die Arie »Bereitet die Wege, bereitet die Bahn!« aus der Adventskantate zum 4. Advent (BWV 132). Diese integrierte Eberhardt in die 1. Kantate, thematisch passend zwischen dem Choral »Wie soll ich dich empfangen« und dem Rezitativ »Sie gebar ihren ersten Sohn«. Celina Charlotte Denden (Sopran) gestaltete die Koloraturen mit einer Kombination aus barocker Klarheit und gesanglicher Lieblichkeit. Sie harmonierte damit mit der Mezzosopranistin Anna Bineta Diouf, die zuvor die Arie »Bereite dich, Zion« ebenfalls mit fröhlich-lieblicher Stimme intonierte.
Ein besonderes Augenmerk lag bei der 1. Kantate auf dem Kinder- und Jugendchor, den Carolin Hlusiak hervorragend auf diesen Auftritt vorbereitet hatte. Die Choräle »Wie soll ich dich empfangen« und »Ach mein herzliebes Jesulein« sangen die Kinder und Jugendlichen mit leuchtendem Sopran gemeinsam mit dem großen Chor. Sie gaben den Chorälen eine besonders helle Note und den Besucher:innen strahlende Gesichter. Einen Soloauftritt bekamen die jungen Sänger:innen beim Choral für Sopran und Bass-Rezitativ »Er ist auf Erden kommen arm«. Mit unbestechlich guter Intonation und deutlicher Artikulation gelang ihnen ein homogener Wechselgesang mit Jürgen Orelly (Bass), der sich gut in den Klang integrierte. Die Oboen d’amore mit einfühlsam herausgespielter Seufzermotivik standen bei diesem ersten Höhepunkt des Abends ganz im Dienst des eindrucksvollen Gesangs. Die Kinder und Jugendlichen wurden nach der 1. Kantate mit großem Applaus verabschiedet.
Jürgen Orelly überzeugte auch bei den weiteren Bass-Rezitativen mit einer charakterstarken Stimme und deutlicher Artikulation. Die anspruchsvolle Arie »Großer Herr, o starker König« meisterte er ebenso – im Wechselspiel mit der Trompete, die mit klarem Klang bestach und einzigartige Triller zauberte. Das Duett »Herr dein Mitleid, dein Erbarmen« mit Celina Charlotte Denden war fein aufeinander abgestimmt. Die beiden Singstimmen boten einen wunderbaren Wechselgesang mit den lieblichen Oboen. Die Rezitative des Tenors und Evangelisten Daniel Schliewa waren geprägt durch eine dynamische, gesangliche Erzählweise, stets mit tragender Stimme dem Publikum zugewandt. Die Koloraturen der Arie »Frohe Hirten, eilt, ach eilet« erklangen trotz der dargestellten Eile in Einklang mit den Läufen der Continuo-Stimme und der auswendig gespielten Traversflöte. Ein besonders schönes Zusammenspiel gelang den Musiker:innen bei der Arie »Schlafe, mein Liebster«. Mit einem bezaubernden Pianissimo gliederte sich Anna Bineta Diouf in den Orchesterklang ein und blieb bei aller Zartheit doch strahlend in der Stimme. Einige Zuhörer:innen schlossen genussvoll die Augen.
Die Sänger:innen der Stadtkantorei überzeugten nicht weniger mit sauberer Intonation und mitreißender Sangesfreudigkeit. Die Choräle gestalteten sie mit einer wohldosierten Dynamik und Phrasierung. Die Weihnachtsfreude verkündeten sie mit explosiven, punktgenauen Einsätzen. Auch das Göttinger Barockorchester mit Konzertmeister Hans-Henning Vater verzauberte an diesem Abend das Publikum mit einer glanzvollen barocken Spielweise. In präzisem Zusammenspiel wurde wunderschön die Spannung der Vorhalte ausgekostet und liebevoll aufgelöst. Sowohl die Oboe d’amore als auch die Traversflöte berührten die Sinne durch ihren lieblichen Klang. Die Barocktrompeten tönten strahlend hell durch die Kirche und verkündeten festliche Weihnachtsstimmung.
Dies alles vereinte sich im Schlusschor der 3. Kantate »Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen« zu einem krönenden Finale an diesem Abend. Dem explosiven Tutti-Orchestereinsatz folgten präzise die fugenartigen Einsätze der Chorstimmen, die mit klarer Artikulation das Orchester zu überstrahlen wussten. Auch die parallelen Koloraturen gelangen mühelos, sodass nach dem Schlussakkord der Applaus mit Standing Ovations nur sagen konnte: Das war eine grandiose Aufführung des Weihnachtsoratoriums, die noch lange freudig in den Herzen und Ohren nachklingen wird!