Die Händel-Festspiele veranstalten traditionell auch Konzerte in der Region. Dabei wird wert darauf gelegt, dass lokale Künstler:innen und Gäste in das Konzert eingebunden sind. In dem Konzert mit dem schönen Titel »Als ich einmal Lust bekam« in der Herzberger Nicolaikirche waren das der Herzberger Kammerchor unter der Leitung von Kantor Jörg Ehrenfeuchter sowie das Schwanthaler Trompetenconsort unter der Leitung von Franz Landlinger.
Bei ihrem Konzert am Sonntag, den 12. Mai erklang ein wahres Potpourri barocker Musik – nur von Georg Friedrich Händel war nichts zu hören. Vielmehr sollte es eine Reise durch Europa geben, die zeitlich von der Spätrenaissance bis zum Spätbarock reicht.
Das aus Linz stammende Schwanthaler Trompetenconsort sorgte naturgemäß für festliche Klänge, und das aus allen Winkeln der Kirche. Zur Eröffnung mit der Sonata C-Dur von Johann Kuhnau für vier Trompeten, Pauken und Orgel von der Empore, vom Händel-Zeitgenossen Valentine Snow (1700–1770) erklangen zwei Trompeten von der Kanzel über dem Altar, ein anderes Mal von der Seitenempore oder auch von hinten aus dem Kirchenschiff. Daraus ergaben sich interessante klangliche Effekte. In unterschiedlicher Besetzung zeigte das mit Zink, Trompeten und Posaunen besetzte Blechbläserensemble einen spannenden Einblick in sein Repertoire. Die Namen von Philipp Jakob Rittler, oder des mährischen Komponisten Pavel Josef Vejvanovský aus der Barockzeit sind eher den Spezialisten bekannt. Der Trompeter Valentin Snow war in diesem Konzert das Bindeglied zu Georg Friedrich Händel, war doch der Musiker in den Diensten Händels und galt als der beste Trompeter Europas in seiner Zeit.
Gemeinsam mit dem Herzberger Kammerchor startete das Programm mit dem Eingangschor der Kantate BWV 118 »O Jesu Christ, mein’s Lebens Licht« von Johann Sebastian Bach. Wenn man den 21 Sänger:innen 9 laute Bläser zur Seite stellt, haben die menschlichen Stimmen so gut wie keine Chance. Dass gesungen wurde, konnte man nur erahnen. Bei den weiteren ausgewählten Werken des Nachmittags zeigte sich aber schnell, wie leistungsstark und klangschön der Chor ist. Akustisch und optisch wäre es ein noch größerer Gewinn gewesen, wenn die Chormitglieder häufiger aus ihren Noten herausgeschaut und sich dabei mehr dem Publikum zugewendet hätten.
Auch die Choristen wechselten ihre Standorte, gruppierten sich zur Sechsstimmigkeit bei Monteverdis »Cantate Domino«, zur Doppelchörigkeit bei dem »Deutschen Magnificat« von Heinrich Schütz oder für das Magnificat von Cristóbal de Morales (1500–1553) in einen Favoritchor auf der Empore und dem Capellachor vor dem Altar. So wurde das sehr gut besuchte Konzert ein Wandelkonzert – in dem aber nur die Mitwirkenden wandelten. Das verursachte zwar durchaus etwas Unruhe. Es nahm aber dafür das Festivalmotto gelungen auf: wie in einem Kaleidoskop ergaben sich bei jedem der 21 Stücke ein anderes Bild und damit ein anderer Klang. Zum Teil wurde das Stimm- und Instrumentalkaleidoskop nur ein klein wenig weitergedreht, um diesen Effekt zu erzielen. Das Konzert gewann dadurch an Kurzweil an diesem sonnigen Sonntagnachmittag.
Am Ende erklang mit (fast) allen Beteiligten »Die Himmel erzählen die Ehre Gottes« von Heinrich Schütz. Der blaue Himmel vor der Kirche lud anschließend noch zum Verweilen beim »Meet the Artists« ein.