Mit einem festlichen Konzert verabschiedete sich das Kammerorchester Concertino Göttingen am 31. August vom Sommer. In der beschaulichen Atmosphäre der Marienkirche Göttingen präsentierte das Ensemble unter der Leitung von Johannes Moesus ein abwechslungsreiches Programm mit Barocken Werken, die nach 1700 entstanden sind: Stücke von Dall’Abaco, Telemann, Bach und Vivaldi. Für besondere Glanzpunkte sorgte die Leipziger Violinistin Almut Seidel, deren ausdruckstarkes Solospiel das Publikum tief beeindruckte. Ihre virtuosen Passagen und das erfrischende Zusammenspiel mit Elke Hahn am Cembalo verliehen dem Abend besondere musikalische Intensität.
Feierliche Atmosphäre
Los ging das Barockkonzert mit der Kirchensonate »Concerto da chiesa a-Moll op. 2, Nr. 4« von E.F. Dall' Abaco (1675-1742). Mit schnellen, feierlichen Klängen begrüßten die Streicher das Publikum in der Marienkirche. Dall' Abacos Sonate ist dreisätzig: Sie beginnt schnell, wird in der Mitte langsam und endet erneut äußerst schnell und imposant (Aria – Largo – Presto). Das Kammerorchester erzeugte hierbei nahtlose Übergänge: Von der Feierstimmung gingen die Streicher über in eine langsame, gefühlvolle Atmosphäre, bei denen die Geigenspieler:innen elegant den Bogen führten, nur um wieder energiegeladen und ausgelassen den letzten Satz zu spielen. Hier wurden sie immer schneller und hinterließen dabei einen bleibenden Eindruck.
Mit J.S. Bachs (1685-1750) »Violinkonzert E-Dur« ging das Barockkonzert in die nächste Runde. Nach einem höflichen Vorspiel der Streicher hatte nun Almut Seidel ihren ersten großen Auftritt des Abends. Ihre schwungvoll-anmutige Solovioline führte das Kammerorchester an, als sie zum Beispiel Motive vorgab, die von den Streichern imitiert wurden. Bei weiteren Unisono-Abschnitten konnten das Kammerorchester ebenfalls seinen kraftvollen Klangcharakter entfalten. Im anschließenden Adagio-Abschnitt berührte Almut Seidel die Zuhörer:innen mit langsamen und melancholischen Melodien. Das Cembalo führte diese klagenden Klänge fort. Im Allegro assai-Part wurde Seidels Violine aber wieder federleicht und zusammen beendete das Ensemble Bachs Violinkonzert mit frohlockenden Lauten.
Nicht minder festlich führte das Kammerorchester Concertino Göttingen den musikalischen Abend fort. Denn bei Georg Philipp Telemanns (1681-1767) »Concerto Es-Dur« spielten die Streicher den langsamen “Ouvertüre-Rhythmus”. Dieser wurde immer dann aufgeführt, wenn Ludwig XIV. zu einem feierlichen Anlass erschien. Beim darauffolgenden Allegro-Part erklangen hüpfende Motive aus den Violinen. Sie wurden dann immer hektischer und erzeugten Spannung. Nach einem emotionalen Andante-Abschnitt gab es erneut einen schnellen Allegro-Abschluss, welcher überraschenderweise im Piano endete, leise und sanft.
Funkelnde Juwelen
Mit »Violinkonzert D-Dur Grosso mogul« von Antonio Vivaldi (1678- 1741) präsentierten Almut Seidel und das Orchester das wohl exotischste aller Stücke des Abends! Vivaldi benannte sein Werk nach dem berühmten Großmogul Aurangzeb, der von 1657 bis 1707 in Indien herrschte und dort den Islam etablierte. Seine Schätze und Juwelen gelten als legendär und waren Stoff für zahllose Sagen und Erzählungen. Das Funkeln dieser Juwelen drückte Almut Seidel mit ihrer Violine in Solopassagen aus. Blitzschnell und temperametvoll führte sie ihren Bogen wild rauf und runter, sodass beinahe schon Funken sprühten. Hier konnte sich Seidel richtig austoben, denn Vivaldi lässt in seinem Stück viel Spielraum zur freien Entfaltung der Solovioline. Auch türkische Klänge erzeugte Seidel leidenschaftlich auf ihrer Violine und imponierte damit das Publikum. Zudem führten Seidel und Elke Hahn am Cembalo anregende musikalische Dialoge miteinander, beinahe schon wie ein abwechselndes Zuspielen von Motiven und Tönen.
Zum Schluss lud das Concertino Göttingen die Zuschauer:innen nochmal zum Tanz ein mit Pietro Locatelli »Concerto grosso Nr. 9«. Hier spielten sie den schnellen deutschen Tanz, genannt Allemanda, vor, sowie den langsamen Schreittanz Sarabanda. In kraftvollen Tutti-Passagen überzeugte das komplette Ensemble mit Geschlossenheit und Klangfülle.
Liebhaber:innen von Barockmusik kamen am 31. August richtig auf ihre Kosten. Die gelungene Mischung aus bekannten und weniger bekannten barocken Werken, das virtuose Spiel der Solistin Almut Seidel sowie das harmonische Zusammenspiel mit dem Ensemble machten den Konzertabend in der Marienkirche zu einem wahrhaft feierlichen Musikabend.