Am Abend des 2. Septembers durfte das Literaturhaus einen jungen Vertreter der Exilliteratur begrüßen: den syrisch-palästinensische Dichter und Performer Abdalrahman Alqalaq. Im Gespräch mit der Literaturkritikerin und Autorin Maryam Aras stellte Alqalaq sein neues Buch »Übergangsritus« (Wallstein 2024) vor, in welchem er seine Exilerfahrungen und Gefühle poetisch verarbeitet. Aufgrund des wiederentflammten Gaza-Konflikts ist Alqalaqs Buch aktueller denn je.

Das lyrische Ich als Überlebensstrategie
Auf Arabisch trägt Abdalrahman Alqalaq eines seiner Gedichte vor, welches von Maryam Aras ins Deutsche übersetzt wird. Das lyrische Ich erzählt von seinen “Peinigern”, die ein Gefängnis bauen und doch empfände es Liebe für sie. Poetisch, wortgewandt und melancholisch beschreibt Alqalaq seinen Heimatkomplex und seine Exil-Fremdheit. Nach neuen Wänden sehne sich das lyrische Ich. Das ambivalente Heimatsgefühl sei wie ein Kind, dass es abtreiben wolle, da es im Inneren ein Krebsgeschwür forme. Das lyrische Ich dient Alqalaq als Überlebensstrategie, um seine ambivalenten Gefühle auszudrücken.
Geboren in einem Flüchtlingslager
Abdalrahman Alqalaq wurde 1997 in Alyarmouk geboren, einem Flüchtlingslagerviertel am Rand von Damaskus. Nach mehreren Bombardierungen sind von Alqalaqs Heimat nur noch Ruinen übrig. Seit 10 Jahre lebt der syrisch-palästinensische Dichter allein in Deutschland und studierte Kulturpolitik im internationalen Vergleich an der Universität Hildesheim. Aber wo fühlt sich Alqalaq jetzt eigentlich zuhause, fragt Maryam Aras. Darauf antwortet melancholisch, dass er weglaufe und sich nicht zu Hause fühlen könne. Zumindest in Hildesheim konnte Abdalrahman Alqalaq eine Art Heimat finden: Am 16. September führt er im Rahmen des State of the Arts-Festivals der Universität Hildesheim sein neues Theaterstück auf.
Eine emotionale und poetische Selbstfindungsreise. Wer eindringliche Prosa und Dichtung erleben möchte, sollte in Abdalrahman Alqalaqs Werk »Übergangsritus« auf jeden Fall reinschauen. Mittels der deutschen und arabischen Sprache stellt Alqalaq seine eigene Fremdheit dar – sehr bewegend und dichterisch.