Festlicher Auftakt: Händels „Zadok the Priest“
Gleich zu Beginn erklang mit Händels berühmtem Krönungsanthem „Zadok the Priest“ ein Werk, das seit seiner Uraufführung 1727 Inbegriff festlicher Chormusik ist. Schon die ersten Takte mit gespannter Streichersteigerung und majestätischem Choreinsatz sorgten für Gänsehaut. Die festlichen Pauken und Trompeten erfüllten die Johanniskirche mit leuchtendem Klang, das Göttinger Barockorchester musizierte präzise und mit klarer Artikulation – ein würdiger Auftakt, der Händels feierlichen Gestus lebendig werden ließ.
Bernd Eberhardt übernahm im ersten Teil des Abends das Dirigat und leitete das Werk mit sicherem Gespür für Spannungsaufbau und Klangbalance.
Händels „Dixit Dominus“ – barocke Wucht und vokale Glanzlichter
In Händels „Dixit Dominus“, einem seiner expressivsten geistlichen Werke, blieb Eberhardt am Pult. Der Chor beeindruckte mit klarer Diktion, energischem Zugriff und homogener Klangbalance. Man hätte sich allerdings insgesamt etwas mehr barocke Elastizität gewünscht – eine größere dynamische Flexibilität und mehr „Swing“ im Wechsel von Spannung und Entspannung. Dennoch gelang eine fesselnde Interpretation voller Energie und musikalischem Ernst.
Die Solistinnen Celina Denden und Johanna Münstermann glänzten sowohl im Duett „De torrente in via bibet“ als auch in ihren solistischen Einsätzen mit strahlender Höhe und klarer Linienführung. Ihr Duett zeichnete sich durch wunderbar abgestimmte Phrasierung und warme Klangfarben aus. Der Altus Yongbeom Kwon überzeugte mit seinem wandlungsfähigen, farbigen Countertenor, der sich mühelos über das Orchester legte und in den expressiven Rezitativen berührte.
Besonders hervorzuheben war das Oboen-Solo von Martin Jelev – sensibel phrasiert, mit feinem Atem und klarem, schlankem Ton – eine Erinnerung daran, wie kunstvoll Händel die Instrumentalfarben in seine Vokalwerke einbindet.
Vivaldis „Gloria“ – Leichtigkeit und Tanz
Nach der Pause übernahm David Crown das Dirigat und formte Vivaldis „Gloria“ zu einem federnden, fast tänzerischen Werk. Der Chor folgte ihm mit bestechender Klarheit und rhythmischer Präzision, und das Göttinger Barockorchester verlieh der Musik eine transparente, atmende Struktur. Besonders in den Sätzen „Et in terra pax“ und „Domine Deus“ entstand ein Wechselspiel aus zarter Innigkeit und leuchtender Festlichkeit.
Celina Denden gestaltete das „Domine Deus“ mit silbrigem Timbre und feiner Expressivität, während Johanna Münstermann im „Laudamus te“ durch technisches Können und Natürlichkeit überzeugte. Die Oboen, im Dialog mit den Sängerinnen, traten hier besonders hervor: geschmeidig, hell und mit tänzerischer Eleganz – ein Juwel barocker Klangkunst.
Krönender Abschluss mit Händels „The King Shall Rejoice“
Zum Schluss erklang Händels „The King Shall Rejoice“, das vierte der Krönungsanthems von 1727. Das Werk bildete einen würdigen Abschluss des Abends: majestätisch, strahlend und voller Energie. Der Chor vereinte hier noch einmal Kraft und Klangpracht, das Orchester musizierte mit jubelndem Schwung. Besonders die Trompeten und Pauken setzten funkelnde Akzente, ohne den Gesang zu überstrahlen.
Ein Abend voller Verbundenheit
Die Bürgermeisterin Onyeka Oshionwu hatte zu Beginn die Gäste aus Cheltenham herzlich begrüßt – und so spiegelte das Konzert nicht nur musikalische Qualität, sondern auch gelebte Städtepartnerschaft wider.
Das Publikum in der gut gefüllten Johanniskirche dankte mit lang anhaltendem Applaus für einen Abend, der die Freude am gemeinsamen Musizieren eindrucksvoll spürbar machte.