Mit dieser Frage hat die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Göttingen zu ihrem ersten »Göttinger Stadtgespräch« eingeladen. Mit diesem neuen „Bürgerformat“ möchte die Fraktion „Theme n der Zeit aufgreifen“, erläuterte Fraktionsvorsitzender Olaf Feuerstein vor Beginn. Er und Kultursprecherin der Fraktion Wibke Güntzler hatten einleitend ein starkes Bekenntnis zur Kultur in Göttingen abgegeben. Beide hoben die Vielfalt hervor und stellten die Bedeutung aller Kultureinrichtungen heraus. Wibke Güntzler betonte die Lebensqualität, für die Kultursorge. Sie wies auf den Standortfaktor Kultur hin und hob hervor „Kultur ist kein Luxus“.
Kämmerer Christian Schmetz stelle kurz die aktuelle Finanzsituation der Stadt und ihre Aktivitäten in der Kulturförderung vor – bevor er das Treffen verlassen musste: er musste noch zu einem Elternabend der Schule seines Sohnes. Dort hat er die Führung der Klassenkasse übernommen… Aus seinen Folien, die Schmetz mit der Überschrift „Aus wenig viel machen“ versah, ging hervor, dass nur 14% der städtischen Ausgaben von der Kommune beeinflussbar sind.
Nina und Reimar de la Chevallerie vom boat people projekt, Hans Peter Herberhold vom Literaturherbst und Sandra Hinz vom Deutschen Theater gaben in kurzen Statements einen Einblick in ihre Arbeit, ihre Sorgen und Nöte. „Sparen ist nicht zukunftsgewandt“, redete Sandra Hinz den Kommunalpolitiker:innen ins Gewissen.
Anschließend gab es die Möglichkeit für die Besucher:innen, sich zu Wort zu melden. Es waren zahlreiche Gäste im Ratsaal. Die meisten jedoch vertraten ganz konkrete Kultureinrichtungen. Die eigentlich zum Bürgergespräch eingeladene Zielgruppe, also die Nutzer:innen der Kultureinrichtungen, waren nur sehr vereinzelt der Einladung gefolgt.
Wie nicht anders zu erwarten war, betrafen die meisten Statements die eigenen Einrichtungen. In einigen Beiträgen wurden aber grundsätzliche Themen angesprochen. So fehle es in Göttingen an Freiräumen, an Angeboten für junge Menschen, an der Möglichkeit sich auszuprobieren. Vor allem Angebote für Jugendliche seien rar, die performative Szene sei unterrepräsentiert.
Olaf Feuerstein und Wibke Güntzler machten sich reichlich Notizen. Es wäre viel erreicht, wenn diese Themen tatsächlich sich in der Arbeit der Ausschüsse und des Rates wiederfinden.
Auch Fritz Güntzler war als Gast anwesend. Dabei war er nicht nur als frisch gewählter Abgeordneter des Deutschen Bundestages im Saal, sondern auch als Vertreter des Kreistags, bei dem er als kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion agiert. Er postulierte einen „parteiübergreifenden Aufstand der Kommunen“. Damit kann er dann vor allem sich selbst im Deutschen Bundestag als einzigen Vertreter des Wahlkreises Göttingen erreichen.
Gerne hätte Wibke Güntzler auch über die Problematik der Stadthalle und deren Mieten gesprochen, sagte sie zum Ende des Abends. Das klang tatsächlich nur vereinzelt einmal an. Nach zwei Stunden war es aber an der Zeit, die Veranstaltung zu beenden.
Alle Anwesenden waren dankbar für die offene Form dieses Gesprächs und hoffen auf weitere solcher Gelegenheiten. Eine Antwort auf die Frage „Wieviel Kultur braucht unsere Stadt" wurde natürlich nicht gegeben. Aber dennoch ist eine solche Veranstaltung lobens- und lohnenswert. Zuhören bei den Betroffenen ist immer ein wichtiger Schritt, um Politik zu machen.