Am 21. Juni wurde die Ausstellung »Naturemotionen« mit Arbeiten von Susanne Rombach in der Göttinger Torhaus-Galerie eröffnet. Zur Vernissage sprach Kulturbüro-Autorin Tina Fibiger.
Lesen Sie hier den Text ihrer Ansprache.
Herzlich willkommen in der Torhaus-Galerie!
Ich freue mich sehr, Sie heute mit den Bilderzählungen von Susanna Rombach ins Gespräch zu bringen. Ihre Naturemotionen haben viel zu erzählen… und dass auch im übertragenen Sinne… quasi zwischen den Zeilen…. vor allem von dem, was sich hinter den sichtbaren Schauplätzen noch alles erkunden lässt.
Ihre Arbeiten möchten Sie im Grunde auf einen Spaziergang mitnehmen, doch ohne Ihnen wirklich zu verraten, wohin dieser Spaziergang führt. Eine mögliche Aussicht mag Ihnen der Anblick einer Küstenlandschaft oder einer Hügelkette bieten, die herbstliche Ackerfläche nach der Ernte, das wetterwendische Panorama oder das vielfarbig aufleuchtende Naturschauspiel. Aber wenn Sie an Momente vom Unterwegs sein denken, mit einem Ziel, dass Sie dabei möglicherweise im Sinn hatten, haben, erinnern Sie sich vielleicht auch, dass Sie dabei manchmal ganz unvermittelt innehalten mussten…. nicht einfach für etwas Sehenswertes, auf dass Sie ein Hinweisschild aufmerksam gemacht hat oder ein Touristenführer, sondern aus einem spontanen Gefühl heraus. Etwas, dass sie sinnlich aufhorchen lässt beim Unterwegssein und sich im Innehalten mitteilbar macht, obwohl Sie nicht danach Ausschau gehalten haben. Damit meine ich nicht die gedankliche Irritation oder Assoziation, sondern das, was jetzt nur vor Ihren Augen für Sie sichtbar wird.
Goethes berühmtes „Verweile doch“, könnte einem in so einem Moment in den Sinn kommen. Aber ich möchte Sie mit dem irischen Dichter Gabriel Rosenstock lieber auf eine rätselhaft anmutende poetische Fährte locken, an die ich nach dem inspirierenden Gespräch mit Susanna Rombach denken musste.
„Sind die Berge blau, schwarz oder weiß?
Kann man sie in ihrer Gänze sehen?
Hat je ein Mensch einen Berg
wahrgenommen?
Die Frage, was nehmen wir wahr und wie und warum eigentlich, stellt sich auch die Künstlerin immer wieder, wenn sie mit ihren Malutensilien im Rucksack und einem Klappstuhl unterwegs ist. Wenn sie an den abgeernteten Ackerflächen bei Landolfshausen innehält oder in den vielfarbig wuchernden Hängen der Gleichen, in der Dünenlandschaft einer Nordseeinsel verweilt oder bei der Heuernte in Worpswede, wo sie die aufgetürmten Heuballen fasziniert haben, die sich jetzt in Blautönen rollen und kugeln, und dem zartblau wolkigen Horizontstreifen die Show stehlen.
Was wollen wir überhaupt sehen oder wonach suchen wir eigentlich und wie erkennen wir es? Auch diesen Fragen spürt sie lieber unmittelbar an den Originalschauplätzen nach und nur selten anhand von Fotomotiven, die so vieles wegblenden…Gerüche und Aromata, wärmende oder frostige Temperaturen und manchmal eben auch Stechmücken, die sich auf den bewegenden Pinselstrich stürzen. Und doch ist die Künstlerin bei der Aufnahme von Freunden von einem Strandspaziergang auf Spiekeroog ins Schwärmen geraten. Über eine graphisch schöne Bildaufteilung, das unglaubliche Licht und die unglaublich tollen Farben. „Das musste ich malen“.
Susanna Rombach lässt sich viel Zeit zum Sehen und Beobachten, Erkunden und sich Vertiefen in Naturbegegnungen, auf der Suche nach dem inspirierenden Signal in der Überfülle der Formen Farben und Strukturen bis es zu einem Verdichtungsprozess auf der Leinwand kommt. Aus Stunden können Tage später werden, nachdem sie Serien von Skizzen wieder verworfen hat, bis sie ihrer Erzählung von einer stürmisch bestürmende Wolkenlandschaft endlich vertraut. In die können wir als Betrachtende auch unsere Erzählungen hineinlesen.
In einer Reihe von Arbeiten kommt es auf der Leinwand auch zu inspirierenden Störsignalen, die Susanna Rombach beim Erforschen eines Bildmotivs vernahm. Und so gleiten Häkeldeckchen über den wolkigen Horizont, dessen Zartheit die Künstlerin in Gedanken bereits vor Augen hatte und der sich nun in den fein strukturierten Stoffgebilden spiegelt. Zu den Fundstücken gehören auch die alten Fenstergriffe und der Goldrahmen, die im Kopf der Bilderzählerin für diese Wolkenwasserwelt plötzlich aufblitzten. Dann erst gesellte sich der kleine Engel hinzu, um die malerische „Himmelstür“ noch ein bisschen zu beflügeln.
Neben dem blühenden Wildwuchs, der sich so schön verschwenderisch entfaltet, hat Susanna Rombach auch immer wieder nach landwirtschaftlich geordneten Flächen Ausschau gehalten. Wie sie sich von bewaldeten Regionen und Hügellandschaften auch farbig abgrenzen und aus der Ferne fast sanft ineinander gleiten, verbunden in Linien und geometrische Formen wie eine graphische Komposition.
Das Arbeitsfeld der Innenarchitektin und Lichtplanerin spiegelt sich natürlich auch in der Wahrnehmungswelt der Künstlerin; wenn sie nach Strukturen und Mustern Ausschau hält, Proportionen und Konstellationen fokussiert, mögliche Perspektiven in ihrer erhellenden oder verblendenden Wirkung und dabei immer auch das Unerklärliche zulässt, dass sie unterwegs ebenfalls vernommen hat… zum unterwegs Bleiben in einer Landschaft und immer wieder neu Ausschau zu halten, was sich darin sichtbar und unsichtbar bewegt, in den rumorenden Erdfurchen, Gräben und Brachflächen und dann auch in Farbschichtungen, die sich wie ein schützendes Gewandt über einem Hang ausbreiten. Unterwegs möchte jetzt einfach eine lila Farbspur aufblitzen, die die Künstlerin imaginiert und in das Motiv hineinpflanzt, oder ein beflügelndes Blau, dass jetzt die Hügelspitze zu bestürmen scheint.
Im Galerieraum nebenan kann Ihr Spaziergang in den Arbeiten der Künstlerin so manche überraschende und gleichwohl faszinierende Wendung nehmen. Mit dem naturalistischen Abbild eines Baumes in all seinen filigranen Verästelungen und den Lebensspuren, die den Stamm und die Rinde durchdrungen haben. Die imposante Skulptur, die sich hier im Bildraum erhebt, als ob sie jetzt fern ihrer natürlichen Umgebung ein Eigenleben als Kunstwerk führt, gehört zu den frühen Arbeiten von Susanna Rombach in dieser Galerie. Sie spricht von einer besonderen Herausforderung, der sie sich mit dieser Zeichnung stellte, die vor allem technisch absolut präzise sein sollte, und dass ihr Geist damals noch nicht spazieren gegangen sei. Wie zum Beispiel bei dieser Allee, auf der sich die Blumenbeete im Halbschatten zu tummeln scheinen oder dann auf Rügen, bei der stürmischen Entwurzelung eines Baumes, der sich über die felsige Bruchkante neigt.
Ein skurril anmutendes Naturschauspiel hat sie am Kloster Brunshausen noch ein bisschen komisch zugespitzt. Dort lässt sie eine Gesellschaft von Keramikfiguren, die den Park und die Wiesen bevölkern, ein Waldbad nehmen und einfach munter plantschen…sie hat sie dafür sogar manierlich mit Badekappen versehen, so dass sie in der Welt von Loriot bestimmt auch eine gute Figur machen würden.
Fast surreal mutet die Landschaft an, die Susanna Rombach aus mehreren Bildelementen collagiert hat. Man muss nicht wissen, dass es sich um Salzfelder in Südfrankreich handelt und die Lake beim allmählichen Trockenlegen von rötlichen Farben durchdrungen wird, um sich in die ungebändigte Farbigkeit dieser Tierra incognita zu vertiefen, von deren Anblick sich die Künstlerin angesprochen fühlte und sich wieder einmal fragte, was suche ich da eigentlich?
Vielleicht war es die faszinierende Wirkung, wie sie umso leuchtender in den Farbpigmenten zum Ausdruck kommt, denen sie ebenfalls in Südfrankreich nachspürte, um sie malerisch spürbar berührbar zu machen. Diese wunderbaren Leuchtkräfte der Pigmenterde, die in Weiß und Ockerbrauntönen bis hin zu dunklem Violett reichen, und in den Bildmotiven auch eine skulpturale Energie an Gebäuden und felsigem Gestein entfalten.
Es gibt ein weiteres bewegendes Schauspiel in diesem Raum, bei dem man meinen könnte, in eine Wüstenlandschaft hineinzublicken oder auch in himmlische Regionen, die Susanna Rombach aus Schichten und Streifen von farbigem Transparentpapier komponiert hat. Sie bilden eine Landschaftspartitur, in der die Echostimmen vom Unterwegs sein vielstimmig mitschwingen.
Einen kleinen Abstecher mit der Lichtgestalterin möchte ich noch machen, bevor ich auf ihre musikalischen Motive zu sprechen komme, die Sie bei dem Ausstellungstitel „Naturemotionen“ vermutlich überraschen dürften. Lassen Sie sich von der Sonne umarmen, so wie dieses Paar, dass Susanna Rombach bei einer Fortbildung auf Kreta erlebte. Wie das Licht den Ausblick auf die Uferlandschaft durchdringt, die Wände des Gebäudes, den Frühstückstisch und das Paar.
An der Bühnenwand hinter mir grooved es in den schönsten manchmal vermutlich auch in schrägen Tönen, aber mit viel Spaß und Leidenschaft. Schon in Freiburg mit dem Freiburger Barockorchester hat sich Susanna Rombach gern von Musikern inspirieren lassen. Mit dem Zeichenstift oder eben mit Tusche, für Skizzen und Momentaufnahmen, die sie später bei einem Saxofon-Trio fortsetzte und auch hier in Göttingen, wo Saxofone und Klarinetten den Zeichenstift oft sehr temporeich ermunterten, malerisch Musik zu machen und zu tanzen und zu beschwingen. Farbtöne, Farbstimmungen und Farbklänge verstehen sich schließlich bestens mit Klangfarben, Schwingungen und Rhythmen, wie sie auch beim Unterwegssein immer wieder einstellen. Mit dem Naturemotionen, in die Sie jetzt hineinhören können und in so manche Gedankenmelodie, die dabei vielleicht anklingt…
Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Juli Samstags und Sonntags von 15 bis 17 Uhr zu sehen.