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Eine poetische Puppenrevue über Liebe, Verletzung und künstlerische Selbstinszenierung
von Kerstin Kratzsch, erschienen am 24. Februar 2026

Das Theater con Cuore, Virginia und Stefan P. Maatz gestalten in ihrem Programm „Hear my Song“ eine bunte Nummernrevue, die die Verwicklungen einer Künstlerbeziehung nachzeichnet und die Protagonisten durch Trauer, Glück, Konflikte und Entfremdung bis zu einem neuen Zusammenfinden führt. Dabei verbinden sich Poesie, Komik und Groteske zu einem heiteren, berührenden Theaterabend.

Die Bühne des GDA Wohnstifts ist verwandelt in eine nächtlich anmutende Jahrmarktszenerie. Das Bühnenbild bilden ein kleiner Schaustellerwohnwagen, eine große Reisetruhe und eine kleine Puppenbühne mit geschlossenem Vorhang. Bunte Lichter baumeln über der Szenerie und tauchen alles in ein buntes Zwielicht.

Zu Beginn der Vorführung wankt Stefan P. Maatz in der Rolle eines glücklosen Trinkers auf die Bühne und lässt sich entkräftet auf der mittig platzierten Reisetruhe nieder. Er wirkt benommen. Als er einen Ring aus seiner Manteltasche fischt und diesen nach kurzem Überlegen verschluckt, spült er ihn mit einem großen Schluck Fusel hinunter. So erschließt sich, dass eine Ehe in die Brüche gegangen sein muss. Während der Betrunkene noch vor sich hinstiert, fliegt ein Schild über den Rand der kleinen Puppenbühne – „nächste Vorstellung jetzt“ steht darauf –, und der einsame Betrunkene wird Zeuge einer Bühnenshow. Eine kleine Dame tänzelt am oberen Bühnenrand entlang. Als er näher tritt, wird ihm aus dem Innern des Bühnenverschlags eine Handpuppe gereicht, die ihm selbst auffällig ähnelt: der gleiche Mantel, die gleiche Mütze, die karierte Hose. Ungläubig und doch voller aufgeregter Freude wird er Teil der Aufführung, in der sich die Puppen annähern, furchtsam wieder voneinander weichen und schließlich traut vereint am vorderen Bühnenrand sitzen. Nun tritt die junge Dame, Virginia Maatz, von hinter der Bühne nach vorn und entlockt dem traurigen Mann seine Geschichte.

Mit diesem Vorspiel beginnt eine abwechslungsreiche, vielseitige Revue, in deren Mittelpunkt zunächst die große Klappmaulpuppe eines traurigen, gebeutelten Hundes als Sinnbild für den glücklosen Trinker steht, der erfolglos Nummern in einer Castingshow zum Besten gibt, als Imitator von Hans Moser und Elvis, Reinhard Mey und Fips Asmussen. Er singt erschütternd, scherzt unflätig und lacht laut, wird aber von der Jury abgewiesen und daraufhin von seiner Frau verlassen.

Im einträchtigen Beisammensein im puppenstubengroßen Wohnwagen der jungen Puppenspielerin entsteht eine Partnerschaft der beiden Künstler. Daraufhin reihen sich Nummern aus Zirkus und Varieté aneinander. Der Künstler wird mehr und mehr vom Theaterfieber gepackt, seine Ideen werden zu einem unermüdlichen Quell immer wilderer Programme und Nummern. Ein verrückter Magier beispielsweise zeigt unerwartete Tricks, bei denen das Kaninchen verkohlt, die Assistentin wirklich entzwei gesägt wird und der Magier im Rachen des Löwen verschwindet. Die verschiedenen Nummern bilden im Folgenden ein Abbild der sich verändernden Beziehung. Zeitweise wirkt es, als würde das Paar die sich wandelnden Emotionen im Spiel bildlich ausagieren. In einer Nummer, in der die junge Puppenspielerin, gewandet als Blume mit blütenblattumkränztem Haupt, von einer wilden Maskenbiene aufs Heftigste „bestäubt“ wird und ihr im Anschluss Blätter ihrer Blüte entrissen werden und diese welken, erkennt man schon deutlich den Beginn gegenseitiger Verletzung. Der Mann, korrumpiert vom eigenen Erfolg, lässt sich auf die als lebensgroß gestaltete Puppe einer Bewunderin ein, die sich beim Entblößen ihrer Zähne als Vamp erweist.

Virginia Maatz gibt im Sinne einer Replik eine Nummer mit einer Marionette mit erstaunlichen Eigenschaften zum Besten. Auch sie verkörpert eine männermordende Katzenfrau. Während sie sich vor dem Publikum entblößt und ihr Hinterteil den Blicken darbietet, wachsen ihr schließlich Katzenschwanz und -ohren.

Nach dem Fehltritt des Mannes werden die Bilder und Momente grotesk und gewalttätig. Eine Gruftgestalt, halb Quasimodo, halb Dorian Gray, ergötzt sich am Bild einer Frau, deren abgetrennten Kopf er schließlich aus dem Schrank holt und von sich schleudert. Zu einem ergreifenden Liebeslied („The Power of Love“ von Jennifer Rush) ersticht eine Puppenfrau ihren schlafenden Mann, schlitzt ihn auf, befördert die Attribute seines Lebens aus ihm hervor – sein Herz, eine Flasche Bier, einen Pizzakarton, Arbeitshandschuhe – und steigt selbst in den geöffneten Brustkorb.

Es gibt nach diesen verstörenden Schlussmomenten der völligen Entzweiung des Künstlerpaares aber eine neue Annäherung. Der Mann gibt zu, zu weit gegangen zu sein, und das Spiel endet ähnlich dem Beginn mit dem herzzerreißenden Lamento des gebeutelten Hundes, einem Klagelied der Versöhnung.

Stefan P. und Virginia Maatz ziehen in ihrem Stück alle Register, verbinden Poesie, Gesang, Komik und Groteske zum Gesamtkunstwerk einer abwechslungsreichen Revue. Dabei verweben sie Schauspiel, Gesang und das Spiel mit kleinen und lebensgroßen, ausdrucksstark gestalteten Hand- und Klappmaulfiguren und Masken. Die Musik, die laut Programm ausdrückt, was nicht gesagt werden kann, fügt sich so nahtlos in das Programm ein, dass sie, obwohl kaum bemerkt, Stimmungen transportiert und nur an manchen Stellen textlich explizit wird. Es gibt das Lied der Katzenfrau und die ausufernden Arien des Hundes, auch ein Duett singt das Paar gemeinsam, die Figur des Mariachi klimpert sehr gekonnt auf einer Koffergitarre. Die Musik hält so alles zusammen und trägt zum Gesamtkunstwerk des heiteren Programms bei.

Das Publikum erlebte so im Saal des GDA Wohnstifts einen vergnüglichen, verzauberten, gelungenen Abend.

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