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Joachim Mittelbach | © Photo: privat
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Wege zur Musik

Musik schafft Verbindung

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Der Cellist Joachim Mittelbach
von Christiane Goos, erschienen am 10. September 2020

In der neuen Ausgabe der Reihe "Wege zur Musik" portraitiert Kulturbüro-Autorin Christiane Goos Joachim Mittelbach, den Cellisten des Göttinger Symphonie Orchesters.

Geboren ist er in Hamburg, seine Kindheits- und Jugendjahre verbrachte Joachim Mittelbach mit seinen Eltern und seinen zwei älteren Geschwistern allerdings an verschiedenen Orten. Da sein Vater von Beruf Eisenbahner war, wechselte Familie häufiger den Wohnort. 

Musik war in unserem Haus immer präsent“ - Musik zu hören und gemeinsam zu musizieren prägte das Familienleben im Hause Mittelbach sehr intensiv. Die Eltern hatten sich über die Musik kennengelernt und sie blieb weiterhin ihre gemeinsame Leidenschaft, für die sie auch ihre Kinder begeisterten. So spielte Joachim Mittelbachs Vater Geige, während seine Mutter und beide Geschwister Klavier. Doch warum wählte Joachim Mittelbach das Cello zu seinem Instrument und was gab ihm den Impuls? Seine Antwort kommt ohne Zögern: „Meine Eltern brauchten noch einen Cellisten“, denn für eine ausgewogene instrumentale Familienkonstellation und das gemeinsame Spiel fehlte noch ein weiteres Streichinstrument – so begann er im Alter von 10 Jahren, sich dem Cello widmen.

Musik war aber nicht nur im Familienleben eine wichtige, tragende Verbindung, sie ermöglichte ihm auch zwischenmenschlich einen leichten Zugang in der Fremde der häufiger wechselnden Wohnorte. Über die Musik sei es ganz einfach gewesen, überall schnell Menschen kennenzulernen. Auf besondere Weise öffnete sie ihm eine Tür zu Kommunikation und Offenheit, schnell waren Freundschaften geschlossen.

In kultureller Hinsicht war seine erste prägende Begegnung  allerdings zunächst das Theater – „Musik kam erst später“.  Schon im Alter von 8 Jahren begleitete er seine Eltern bei ihren regelmäßigen Theaterbesuchen. Auch die große Leidenschaft für Literatur, die noch heute eine tiefe Bereicherung für ihn ist, gaben seine Eltern ihm mit auf den Weg.

Prägende Studienjahre in Hannover 

Von seinen Geschwistern war Joachim Mittelbach der einzige, der sich für den Beruf des Musikers entschied. Der Wunsch, das Cellospiel professionell zu verfolgen, reifte recht schnell, die bewusste Entscheidung traf er schließlich im Alter von 16 Jahren, nicht zuletzt auch aus einem ganz einfachen Impuls heraus:

Die Idee, die dahinter steckte war natürlich – Ich brauche dann kein Abitur zu machen – und ich habe zu meinem Vater gesagt: `Ich gehe mit 16 ab von der Schule´ - er hat Gott sei Dank  gesagt: `Das tust Du nicht´.“

Noch heute ist er seinem Vater dankbar, dass er seinem Wunsch zu diesem Zeitpunkt noch nicht nachgab und er dann doch erst einmal das Abitur machte, bevor er sein Cellostudium in Hannover begann.

Auch in seiner Studienzeit ermöglichte die Musik einen Zugang zu einem bereichernden, vielfältigen Austausch mit Lehrenden und Studierenden. Genau dieser Austausch war es, der ihn in vielerlei Hinsicht prägte, wie er im Nachhinein bemerkt. Er erweiterte seinen Blick und sein Verständnis über das Cello hinaus für andere Instrumente. Die wertvollen Erfahrungen anderer Musikerinnen und Musiker vertieften sein Verständnis für die Rolle und die Funktion der Atmung beim Spielen von Blasinstrumenten und dafür, ihn auch als Streicher in das eigene Spiel integrieren zu können. Er arbeitete mit Gesangsprofessoren und Pianisten – „Diese Vielfalt war unendlich prägend“. Manchmal waren es ganz zufällige Begegnungen, die Impulse und wertvolle Erfahrungen ermöglichten. Einmal habe ihn der Pianist Karl Engel, einer der großen Mozartinterpreten, auf dem Gang der Hochschule angesprochen und gefragt, ob er nicht ein wenig Cello mit ihm spielen wolle. Aus dieser zufälligen Begegnung folgten zwei Jahre, in denen sie sich jeden Monat einmal trafen und gemeinsam spielten -einfach um des Spielens Willen - „und das war unglaublich und faszinierend!“. Prägend  und bereichernd war die Zeit in Hannover aber nicht nur in musikalischer Hinsicht, Joachim Mittelbach nahm darüber hinaus wahr, wie andere Menschen mit Problemen und Krisen umgingen.

Ein großes Vorbild sei vor allem sein Cello-Lehrer noch zu Schulzeiten in Frankfurt gewesen. Er sei damals schon über 80 gewesen und die Gicht in den Händen machte ihm das Spielen unmöglich. Dennoch habe er einen „brillanten Unterricht“ gemacht- eine beeindruckende Persönlichkeit“.

Gemacht und gleich gewonnen“ – Anfangsjahre in Göttingen 

Nach seinem Studium kam Joachim Mittelbach der Einladung des Göttinger Symphonie Orchesters zu einem Probespiel in Göttingen nach:„Es war mein erstes Probespiel, das ich gemacht und gleich gewonnen habe. Es war eine Stelle, die mir persönlich sehr, sehr am Herzen lag, weil ich hier verantwortungsbewusst arbeiten konnte und weil ich als Gruppenchef Verantwortung für andere übernehmen konnte.“

Als besondere Erfahrung und Bereicherung empfand Joachim Mittelbach die Solokonzerte mit dem Orchester, die damals noch möglich waren.  Die ersten 15 bis 20 Jahre seien geprägt gewesen von bis zu zehn Solokonzerten pro Saison – „eine große Herausforderung, aber auch eine große Befriedigung“.  In Göttingen anzufangen und zu bleiben sei für ihn eine ganz logische Entscheidung gewesen, ein „extrem guter Griff, auch im Nachhinein“, wie er wertschätzend und zufrieden zurückblickt.

Faszination Cello

Das Besondere am Klang des Cellos liegt sicherlich „in der extremen Tiefe wie auch die extremen Höhedie wir im Gegensatz zu anderen Instrumenten zur Verfügung haben“, bemerkt Joachim Mittelbach. Es sei auch das „Haptische“ an diesem Instrument: „Es ist einfach das Gefühl, wenn ich auf die Bühne gegangen bin mit meinem Instrument, etwas in der Hand zu haben, woran ich mich festhalten konnte, ja, vielleicht auch eine Art Sicherheitsgefühl.“  

Meine eigene Erfahrung, die Empfindung, die Vibration des Klanges durch die direkte Nähe zum Cello  im ganzen Körper spüren zu können, kann Joachim Mittelbach sehr gut nachvollziehen.

Abgesehen vom Cello, sei die Klarinette eines der schönsten Instrumente. Er habe das Glück gehabt, mit Hans Deinzer, einem sehr guten Klarinettisten, „ja eigentlich dem Vater aller bekannteren Klarinettisten“, zu arbeiten.

Und der Ausgleich zum Beruf? 

Auf die Frage, welche Musikbereiche ihn außer Klassik noch interessieren, folgt eine klare Antwort: „So viel wie möglich!“. Er selbst höre aber außerhalb der Konzerte und Proben zuhause keine Musik, weil er die Ruhe liebe. Allerdings gäbe es einige schöne Sachen, die er im Radio über seine Kinder höre, wie ganz aktuell Vince Capaldi, dessen Musik ihn fasziniere. In seiner Freizeit erfreuen ihn vielfältige Interessen: „Die Literatur ist meine Liebe seit ich lesen kann. Literatur und Theater. Im Nachhinein wäre ich gerne Germanist geworden“, bemerkt er. „Ich glaube es gibt kaum Situationen, in denen ich kein Buch zumindest dabei habe, es sei denn, ich gehe zur Arbeit.“  Neben Literatur und Theater ist es jedoch auch die Kunst, insbesondere die Bildende Kunst, die ihm Ausgleich schenkt. Er besuche viele Ausstellungen. Sein Interesse bei den Kunstepochen reiche von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Moderne. Lieblingskunstwerke seien „Der Blauer Reiter“ und die Werke im Lenbachhaus in München.

Bei Musik verhielte es sich genau anders herum, denn dort endet es im Jahre 1920. „Beethoven in seiner Gesamtheit“, Brahms, die französischen Impressionisten wie Debussy und Ravel sind ihm die liebsten Komponisten. Er habe früher viel Streichquartett gespielt, da sei Beethoven der Meilenstein. Symphonien von Brahms spiele er unheimlich gerne im Orchester. Auch die „Neue Welt“ von Dvořák, die das Orchester vor Kurzem als Video produzierte, sei eine Symphonie, die er sehr liebe. Aber die 7. D-Moll-Symphonie, die selten gespielt werde, berge mindestens genau so viel Emotion in sich.

Bei Literatur hingegen ist er offen für alles, beginnend vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Aktuell lese er eine Biografie über das Verlagshaus Feltrinelli, bei der ihn die Persönlichkeit von Inge Feltrinelli, die eine Zeit lang auch in Göttingen lebte, beeindrucke.  Eine für ihn unglaublich faszinierende Persönlichkeit ist der Schriftsteller Uwe Johnson, über den er seit 25 Jahren intensiv recherchiert: „Ich versuche alles zu lesen, was mir in die Finger kommt“.  

Eine besondere Reise unternimmt Joachim Mittelbach alle zwei Jahre zur Biennale nach Venedig. Alle zehn Jahre mache er die „Grande Tour“, bei der die Documenta in Kassel, die Skulpturenprojekte - eine internationale Ausstellung von Skulpturen und Plastiken im Westfälischen Münster - und die Biennale in Venedig zusammenfallen.

Musikalisch sind auch seine Kinder. Sein neunjähriger Sohn spielt seit dreieinhalb Jahren Klarinette, seine Tochter habe mit vier Jahren begonnen, Geige zu spielen, und spielt nun bereits seit zwölf Jahren. Beide spielen sie mit Begeisterung, aber ohne Zwang. „Ein Instrument und eine Sportart zu haben“, das habe er sich für seine Kinder gewünscht. Er besuche gerne die Turn-Wettkämpfe seiner Tochter und die Fußballspiele seines Sohnes. „Aber am meisten freue ich mich darüber, dass meine Kinder auch lesen!

Ausblick

Als Glück und Bereicherung in Göttingen, besonders unter der Leitung von Nicholas Milton, empfindet Joachim Mittelbach auch die besondere Offenheit für Anregungen und Impulse, für Aktionen, die sich nicht nur im Bereich der Klassik bewegen, wie beispielsweise Filmmusik oder auch Jazz.

Nun freue er sich auf die nächsten Konzerte mit dem Göttinger Symphonie Orchester, die nun endlich wieder stattfinden können, auf die Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen und mit Nicholas Milton, „weil er es fertig bringt, jedem das Höchstmaß an Respekt entgegen zu bringen“.  Dies sei eine große Stärke und wertvolle Eigenschaft seines neuen Chefs, die er sehr an ihm schätze. Das sei ein sehr großer Verdienst und er freue sich auf weitere Jahre im Orchester, es bereite ihm unheimlich viel Spaß.

Für Joachim Mittelbach scheint sich die Musik als Verbindung  und als Form der Kommunikation mit anderen Menschen wie ein roter Faden durch sein Leben zu ziehen  - so erscheint es mir auch in unserem gemeinsamen, bereichernden Gespräch.

Herzlichen Dank Joachim Mittelbach, die besten Wünsche und    viel Freude bei weiteren zahlreichen Konzerten, die glücklicherweise wieder stattfinden dürfen!

 

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