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Johannes Karl | © Photo: privat
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Wege zur Musik

Manchmal braucht´s Umwege

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Portrait des Paukisten Johannes Karl im Göttinger Symphonie Orchesters
von Christiane Goos, erschienen am 23. Oktober 2020

Das soll mein Sohn dann einmal ordentlich lernen“, habe sein Vater gesagt, als dieser kurzfristig als Schlagzeuger in der heimischen Blaskapelle angeworben wurde  – für Johannes Karl, der das Göttinger Symphonie Orchester mit seinem Einsatz als Paukist bereichert, soll die Idee seines Vaters eine glückliche Fügung werden, eröffnet sie ihm doch einen Zugang zur Musik und die facettenreiche Klangwelt des Schlagwerkes.

Aufgewachsen in der 1.400-Seelen-Gemeinde Hofkirchen an der Trattnach in Oberösterreich, fand Johannes Karl „peu à peu“ zu seiner beruflichen Passion. Außer ihm fanden auch zwei seiner drei Geschwister das Interesse, ein Instrument zu erlernen.

Johannes Karl besuchte zunächst ein paar Jahre die Musikschule und spielte dann aktiv als Schlagzeuger in diversen Blasorchestern  – „So kam dann nach und nach eins zum anderen“. Der klassischen Musik und der Pauke begegnete er hingegen erst später. Da waren das Grieskirchner Kammerorchester, das Kurorchester in Bad Schallerbach und das OÖ Landesjugendorchester die ersten Berührungspunkte. Auch in beruflicher Hinsicht entschied er sich zunächst für das Wirtschaftsabitur. Erst während seiner Zeit im Militärorchester sei langsam der Gedanke gereift, auch beruflich den Weg des Musikers zu wählen. Je näher er dem Wirtschaftsabschluss kam, desto mehr habe er Schlagzeug geübt: „Die Materie war mir dann doch etwas zu trocken. So habe ich doch noch den richtigen Weg eingeschlagen“, wie er in unserem Gespräch bemerkt. „Manchmal braucht´s Umwege“. So studierte er an der Anton Bruckner Privat Universität Linz und später am Königlichen Konservatorium in Den Haag, zunächst mit dem Ziel, an der Musikschule zu unterrichten, was er auch einige Jahre im Oberösterreichischen Landesmusikschulwerk tat. Mit 26 Jahren führte sein Weg schließlich zum Gustav-Mahler-Jugend-Orchester unter der Leitung von Maestro Claudio Abbado, wo er eine 6-wöchige Sommertournee mitspielen konnte: „Das war ein Startschuss, dort habe ich große Bühnenluft geschnuppert“ – eine prägende Zeit, die den Traum „Orchestermusiker“ reifen ließ. Im Alter von 31 Jahren, eigentlich recht spät für den Orchestereinstieg, wie er bemerkt, begann nach gelungenem Vorspiel seine Zeit im Göttinger Symphonie Orchester.

Das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein“ 

Seine Leidenschaft für Musik beschränke sich keineswegs nur auf Klassik, betont Johannes Karl. Es sei eigentlich jegliche Art von Musik, auch im Jazzbereich und in der Band. Es bereite ihm Spaß, dort am Drumset zu spielen: „Es ist einfach eine generelle Faszination am Musikmachen, die mich berührt und die ins Blut geht“. Die Faszination für klassische Musik sei noch einmal spezieller: „Es ist das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein, wenn man mit vielen anderen Musikern und Musikerinnen auf der Bühne sitzt - ein kleines Rädchen, dass mit anderen zusammen ein großes ergibt. Das ist tatsächlich eine unglaubliche Sache, was in so einem Konzert entsteht“. Es sei Teamwork.

Raum für eigene Projekte habe er durch den meist engen Zeitplan mit dem Orchester weniger, manchmal spiele er Kammermusik mit Kolleg*innen oder gerne auch im Göttinger Barockorchester. Seit 2006 wirkt er jedoch immer wieder im 1997 gegründeten Mahler Chamber Orchestra mit, in dem sich Musiker*innen aus 20 Ländern zu gemeinsamen Konzerten zusammenfinden.

Im GSO ist Karls Schwerpunkt die Pauke – „Man sagt wenig, aber das wenige, was man zu sagen hat, ist meist von Bedeutung“ – es passe vielleicht zu ihm, bemerkt Johannes Karl, der sich selbst als „ruhiger Gesell“ bezeichnet. Es sei eine angenehme Funktion, man höre vom besten Platz aus zu „man ist nicht so der Marathonläufer im Orchester, sondern eher der Sprinter“, beschreibt er sehr treffend.  Manchmal trage man seine Kolleg*innen auch mit seinem Einsatz.

Es sind bevorzugt die Fellinstrumente, die Johannes Karl gerne spielt. Also alles, was mit Trommeln zu tun hat, sei es mit Händen oder mit Schlägeln. Die Palette sei beim Schlagzeug jedoch so groß und facettenreich, dass man kaum alles perfekt abdecken könne. Die Malletinstrumente, wie beispielsweise Xylophon, Vibraphon und Marimba, hört er lieber vom Kollegen gespielt.

Von der Bedeutung des Zuhörens

Für Johannes Karls musikalischen Weg waren seine Lehrer prägende Vorbilder: Natürlich schaue man sich viel ab. Nach dem Studium entscheide man letztlich selbst, wie man spielt. Dazu äußert der Dirigent seine Wünsche und Vorstellungen. Man biete etwas an, was von den eigenen Erfahrungen und Einflüssen geprägt sei. Genau wie bei seinen Einsätzen im Orchester ist es jedoch auch hier die Fähigkeit und Wichtigkeit des Zuhörens, die während seiner Ausbildung starken Einfluss hatte. Er habe viele Konzerte besucht und einfach aufmerksam zugehört. Die Konzerte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks waren für ihn besonders beeindruckend. Im Studium sei man sehr fokussiert darauf, möglichst viel zu üben, wobei es so wichtig sei, einfach noch viel mehr hinzuhören und daraus zu lernen.

Der Komponist, dessen Werke Johannes Karl am meisten berühren, ist Gustav Mahler. Eines von Mahlers ehemaligen Komponierhäuschen in Steinbach am Atternsee, nur 60 km von Johannes Karls Heimatort entfernt: „Mahler geht mir sehr unter die Haut; immer wenn ich ihn spiele, ist es ein ganz besonderes Heimatgefühl“.  Spaß und Freude bereite es ihm auch, Werke von Beethoven zu spielen. Aber es sei schwierig genau zu benennen, gäbe es doch so viel schöne Musik. Auch die jeweiligen Werke, die er mit dem GSO spielt, beschäftigen ihn; manche Werke wie die Symphonie Pathétique von Tschaikowski, die das Orchester erst vor Kurzem spielte, nehme man auch nach Verlassen der Bühne noch mit, weil sie „unter die Haut“ gehen – diese Momente empfindet Johannes Karl als gelungen, wenn man selbst von der Stimmung des Werks so erfasst werde. Ausgleich und Entspannung findet er beim Spazieren im Wald, beim Sport, aber auch mit dem Kajak auf der Leine.

Auch mit seiner Frau, der GSO-Violinistin Liisa Karl und den gemeinsamen drei Kindern ist die Musik natürlich allgegenwärtig – so folge beim Gang in seinen Übungsraum im Keller häufig eines seiner Kinder, um ihn beim Trommeln zu unterstützen. Auch seine Frau werde von der gemeinsamen 2-jährigen Tochter bereits auf der Kindergeige begleitet. Sein Sohn beginne nun damit, Klavier zu spielen und dessen jüngerer Bruder möchte Gitarre spielen und Rock Star werden. Von den Nachbarn habe sich bislang noch niemand beschwert, erwähnt er humorvoll.

Ich wünsche Johannes Karl viele weitere schöne und vollkommene Momente nach gelungenen Konzerten und beim gemeinsamen Musikmachen mit seiner Familie. Herzlichen Dank für das Gespräch - ich freue mich darauf, bei den nächsten Konzerten noch genauer „hinzuhören“, was Johannes Karl mit seiner Klangkunst an der Pauke sagen möchte.

 

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