Eine neue Ausgabe des Podcasts »Szenenwechsel« führt ins Junge Theater Göttingen. Tina Fibiger spricht mit Geschäftsführer und Regisseur Tobias Sosinka über die Musikrevue »Heartbreak Club« – eine vielstimmige Annäherung an Liebe, Trennung, Sehnsucht und Selbstbehauptung.
Seit 2015 entwickelt das Junge Theater Göttingen jährlich eine eigene Musikshow. Mit »Heartbreak Club« widmet sich Tobias Sosinka nun dem vielleicht unerschöpflichsten Thema der Popgeschichte: der Liebe – in all ihren Widersprüchen. Verlieben und Verlieren, Schwärmerei und Zerwürfnis, Selbstermächtigung und Zweifel bilden den thematischen Resonanzraum eines Abends, der 27 Songs aus unterschiedlichen Jahrzehnten miteinander ins Gespräch bringt.
Dabei entsteht kein Musical mit durchgehender Handlung, sondern ein bewusst komponiertes Mosaik: Lieder antworten aufeinander, öffnen neue Perspektiven oder widersprechen sich. Frank Sinatras »Strangers in the Night« steht am Anfang als Lied der zufälligen Begegnung. Joe Jacksons »Breaking Us in Two« beschreibt das Ringen um eine langjährige Beziehung. Herbert Grönemeyers »Ich dreh mich um dich« formuliert ein Versprechen des Bleibens. Und mit »Unter den Masken« oder einer Rap-Neudeutung von »Mädchen« geraten Rollenbilder, Erwartungen und Grenzziehungen in den Fokus.
Sosinka spricht im Podcast über diesen kollektiven Auswahlprozess: Rund 200 Titel standen zunächst zur Diskussion, gemeinsam mit Dramaturgie, Ensemble und Band wurde daraus ein generationenübergreifendes Set entwickelt. Drei Musiker – Bass, Schlagzeug, Gitarre – haben ein eigenes Soundkonzept erarbeitet, das in der intimen Raumsituation der Spielstätte in der Bürgerstraße Transparenz statt Bombast sucht. Vier Solistinnen und Solisten aus dem Ensemble – Ronja Politz, Thürer Ude, Finn Knorr und Clemens Orter – gestalten den Abend zwischen Solo, Duett und Ensemble-Nummer.
Auch szenisch bleibt die Produktion bewusst nahbar. Ein stilisierter Naturraum, der sich in Masken- und Spiegelbilder der Zivilisation verwandelt, bildet den Rahmen für Songs, die Schmerz, Hoffnung oder Trotz nicht ausstellen, sondern ausloten. Musik, so beschreibt es Sosinka, könne selbst Krisenmomente verarbeitbar machen – indem sie Gefühle hörbar und teilbar werden lässt.
Im Gespräch wird deutlich: »Heartbreak Club« versteht sich als Gemeinschaftsprojekt – musikalisch wie thematisch. Ein Abend über das Sich-Verirren und Sich-Wiederfinden, über das Aushalten von Spannungen und die Sehnsucht nach Verbindung.
Das vollständige Gespräch mit Tobias Sosinka ist hier zu hören