Wie soll man mit Schicksalsschlägen umgehen? Macht man weiter wie bisher? überspielt man es mit Humor? Oder landet man in einem großen Loch, aus dem es keinen Ausweg gibt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der English Drama Workshop im ThOP und präsentiert eine überzeugende Tragikomödie, die durch und durch menschlich wirkt. Das Pulitzer-Preis-Gewinner-Drama “Rabbit Hole” von David Lindsay-Abaire feierte am 24. September Premiere in der Inszenierung von Andreas Hey.
Das Ehepaar Becca (Lisa Tyroller) und Howie (Lennart Kanitz) durchlebt das Unvorstellbare. Sie haben kürzlich ihren Sohn bei einem Autounfall verloren. Becca und Howie wissen nicht, wie sie mit ihrer Trauer umgehen sollen. Als Beccas unreife Schwester Izzy (Christa Gaisbichler) auch noch verrät, dass sie schwanger ist, gerät das Fass zum Überlaufen. Missverständnisse und kuriose Situation überschlagen sich und eines Tages klopft auch noch Jason (Niklas Loubies) an Beccas und Howies Haustür - Der Fahrer des Unfallwagens!
“Eine schrecklich nette Familie”
Das Bühnenteam unter Luise Sackers schafft es hervorragend, eine Atmosphäre wie bei einer US-TV-Serie oder gar einer Sitcom zu kreieren. Denn das Stück trumpft besonders mit seinen humorvollen Momenten. Die Bühne wird zu einem gemütlichen US-amerikanischen Wohnzimmer samt Sofa, Kühlschrank und (verlassenem) Kinderzimmer. Hier werden sofort Erinnerungen wach an “Eine schrecklich nette Familie.”
Gleich zu Beginn werden die Lachmuskeln herausgefordert. Izzy erklärt Becca, wie sie vor Kurzem einer Liebesrivalin einen ordentlichen Augenring verpasst hat. Christa Gaisbichler sorgte mit ihrer divenhaften und stumpfen Art für viele lustige Momente und wurde schnell zum Publikumsliebling. Sie verwandelte sich zur komischen und doch sympathischen “Dumpfbacke” der “schrecklich netten Familie.”
Echte Emotionen
Dagegen werden Lisa Tyroller als Becca und Lennart Kanitz als Howie zum Herz des englischsprachigen Stücks. Die Emotionen, die die beiden auf die Bühne transportieren wirken sehr natürlich, sodass man richtig mit den zwei Darstellern mitfühlt und mitleidet. Sowohl Tyroller als auch Kanitz präsentieren überzeugend ihre Bewältigungs- bzw. Verdrängungsmechanismen. Dazu wirkt die Dynamik zwischen den Darsteller:innen nie gekünstelt und stehts authentisch. Somit kann man sich in vielen Aspekten gut mit den dargestellten Figuren identifizieren.
Dazu ist dem English Drama Workshop die Balance zwischen Humor und Tragik sehr gut gelungen. Die Dialoge bringen das Publikum abwechselnd zum Lachen und zum Weinen.
Wer Lust auf emotionale Stücke im US-amerikanischen Format haben, sollten sich “Rabbit Hole” somit nicht entgehen lassen.
Weitere Aufführungen folgen am 26., 27. und 30. September sowie im Oktober.