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Göttinger Symphonieorchester

Dance! - Mit Schwung in die neue Spielzeit

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Das GSO feiert zum Saisonauftakt Anna Clyne als „Composer in Focus“
von Janine Müller, erschienen am 29. September 2025
Ausverkauftes Haus, lauter Beifall, Bravo- und Jubelrufe für Solistin, Dirigenten und Orchester - die neue Saison startete so, wie die alte aufgehört hatte: mit unbändiger Begeisterung. Zum Auftakt hatte das Göttinger Symphonieorchester mit Chefdirigent Nicholas Milton am Freitag, dem 26. September zu „Dance!“ in die Stadthalle Göttingen geladen. Im Fokus stand die wohl berühmteste Komposition von Anna Clyne (*1980) mit genau diesem Titel: Dance. Mit dem fünfsätzigen Werk für Cello und Orchester stellten die Musiker:innen zu Beginn der Saison nicht nur die Charakteristik der Musik von Anna Clyne vor, die diese Saison Composer in Focus ist, sondern konnten auch sogleich dafür begeistern.

Eröffnet haben das Konzert dem Titel gleich die Tänze aus Galánta von Zoltán Kodály (1882-1967). Die charakteristisch ungarischen Melodien der Tänze hat Kodály einer Sammlung alter Roma-Tänze aus Galánta entnommen. In einer Rondo-ähnlichen Form wandert das Thema vom Cello über das Horn zur Klarinette. Unterbrochen werden diese herausragenden solistischen Glanzlichter des Orchesters von sehr schnellen, aber vom GSO überaus präzise gespielten Streicherklängen. Angespornt von einem enthusiastischen Dirigat Miltons wechselt sich der tänzerische Charakter der Bläser mit dem eher majestätischen der Streicher ab - bis am Ende auch die Streicher tanzen und das rasante Tempo in Jubelrufe des Publikums übergeht.

Solistin des Abends ist die Cellistin Camille Thomas (*1988), die in Frankreich lebt, in Deutschland studiert hat und 2017 einen Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon abgeschlossen hat. Sie begrüßt das Publikum persönlich und bringt ihre besondere Freude über einen Auftritt in Göttingen mit der Erwähnung von Barbaras Lied „Göttingen“ zum Ausdruck, das für die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland steht, wofür sie kräftigen Beifall erhält.

Camille Thomas präsentiert ihre ganze Klasse vom ersten Ton an. Mit Hingabe und Leidenschaft bringt sie die höchsten Cellotöne zum Klingen - und zeigt, wie atemberaubend schön der meditative 1. Satz von „Dance“ von Anna Clyne ist. Auch die Schlaginstrumente könnten meditativer nicht sein - die Töne des Vibraphons werden ebenso mit einem Bogen gestrichen wie die sogenannten „Crotales“, antike Zimbeln, die man sich als Mini-Becken auf stehenden Stäben steckend vorstellen kann. Und auch eine Windmaschine kommt in Dance zum Einsatz, das Anna Clyne 2019 im Auftrag der Cellistin Inbal Segev komponiert hat. Die Titel der fünf Sätze sind jeweils einer Zeile aus einem Gedicht von dem Sufi-Mystiker Rumi (1207-1273) entnommen: I. „when you’re broken open“, II. „if you’ve torn the bandage off“, III. „in the middle of the fighting“, IV. „in your blood“, V. „when you’re perfectly free“. Ruhige, melodiöse Sätze wechseln sich mit energisch-rhythmischen Sätzen ab, moderne Klänge vermischen sich mit eingängigen Melodien, die immer wieder einen Ruhepunkt bilden. Zu sanften Streichern gesellen sich gedämpfte Blechbläser inklusive Tuba. Graziöse Holzbläserklänge bringen gezielt Farbe in die Musik - während das Cellosolo immer wieder hervorsticht mit ebensolchem Wechsel zwischen moderner Musik und melodiöser Ruhe, grandios gespielt von Camille Thomas.  Den Bravo-Rufen aus dem Publikum lässt sie eine Zugabe folgen: „Song of the birds“ von Pablo Casals, das er 1971 bei den Vereinten Nationen als Zeichen für den Frieden gespielt hat.

Nach der Pause bringt das GSO erstmalig die 1. Sinfonie in c-Moll, op.68 von Johannes Brahms (1833-1897) zur Aufführung, die bisher vom GSO nur auf CD, aber nie live erklungen ist. Nicholas Milton dirigiert auswendig, sein Notenpult ließ er in der Pause wegräumen. Seine sichtliche Freude über Brahms Musik vermittelt er mit perfekter Notenkenntnis direkt mit strahlenden Augen an die Musiker:innen. Mit Brahms Faszination für ungarische Musik schließt sich der Kreis zu Kodály - wenngleich die Bezugnahme auf Beethoven in Brahms 1. Sinfonie nicht zu überhören ist. Dem majestätischen 1. Satz „Un poco sostenuto - Allegro“ folgt ein melodiöser 2. Satz „Andante sostenuto“ mit zarten Bläserklängen in Oboe und Klarinette mit solistischer Glanzleistung. Dem schließt sich ein leicht tänzerischer 3. Satz „Un poco allegretto e grazioso“ mit markanten Terz- und Sextklängen an. Schließlich endet die Sinfonie im 4. Satz „Adagio - Allegro non troppo, ma con brio“ mit markanten Hornklängen und Posaunen, leicht klassisch anmutend und mit einem deutlichen Zitat von „Freude, schöner Götterfunken“ im dramatischen Finale, das in ebensolch dramatischen Beifall mündet. 

Mit dem ersten Konzert der Saison bot das GSO einen Abend voller Virtuosität und Leidenschaft in den unterschiedlichsten Klangfarben, und lässt mit seinem musikalischen Facettenreichtum gespannt in die kommende Spielzeit blicken.

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