Die Stadt Goslar verleiht den Kaiserring 2026 an die Künstlerin und Schriftstellerin Gabriele Stötzer. Gewürdigt wird ein Werk, das seit den 1980er Jahren künstlerische Praxis mit politischer Erfahrung verbindet und die Machtstrukturen der DDR kritisch reflektiert.
Der Goslarer Kaiserring geht im Jahr 2026 an Gabriele Stötzer. Die Entscheidung wurde beim Neujahrsempfang der Stadt Goslar bekannt gegeben. Oberbürgermeisterin Ute Schwerdtner würdigte Stötzer als prägende Position der deutschen Gegenwartskunst, deren Arbeiten seit Jahrzehnten gesellschaftliche Rollenbilder und politische Machtverhältnisse untersuchen.
Gabriele Stötzer, 1953 in Erfurt geboren, arbeitet seit den frühen 1980er Jahren an den Schnittstellen von Fotografie, Super-8-Film, Text, Grafik und textilen Verfahren. Ihr Werk ist eng mit den Erfahrungen politischer Repression in der DDR verbunden. Nach dem Studium der Germanistik und Kunsterziehung wurde sie wegen politischer Aktivitäten exmatrikuliert, später inhaftiert und zu einer Haftstrafe verurteilt. Diese biografischen Brüche prägen ihre künstlerische Sprache bis heute.
In den 1980er Jahren entwickelte Stötzer in Erfurt einen eigenständigen künstlerischen Raum jenseits staatlicher Institutionen. Als Leiterin einer privaten Galerie förderte sie alternative Kunstpositionen, 1984 gründete sie die Künstlerinnengruppe Erfurt. Unter schwierigen Bedingungen entstanden dort Performances, Modeaktionen und experimentelle Filme, die kollektive Arbeitsformen in den Mittelpunkt stellten.
Nach 1989 wurde Stötzers Werk zunehmend international rezipiert. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen, unter anderem in Museen, Kunstvereinen und thematischen Überblicksschauen zur feministischen und performativen Kunst. Neben der bildenden Kunst ist sie auch literarisch tätig und veröffentlicht Texte, die Erinnerungsarbeit und künstlerische Reflexion miteinander verbinden.
Der Goslarer Kaiserring wird seit 1975 jährlich verliehen und zählt zu den bedeutenden Auszeichnungen für moderne und zeitgenössische Kunst. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern gehören unter anderem Joseph Beuys, Gerhard Richter, Christo, Barbara Kruger und zuletzt Katharina Fritsch.