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»Lovebird.s« in der St. Johanniskirche Göttingen | © Photo: Wortmann
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St. Johannis

Poetische Resonanzräume

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Das Ensemble trio.s zeigte die Musiktheaterproduktion »Lovebird.s« 
von Jens Wortmann, erschienen am 16. Februar 2025

»Lovebird.s« ist ein Musiktheaterstück um das Thema Liebe. In der Ankündigung heißt es „Ein Musiktheater über kleine Unterschiede, große Fragen, Kastanien und Zitroneneis“. Das Ensemble trio.s aus Hannover hat es in der Inszenierung von Martin Clausen auf die Bühne gebracht, am 14. und 15. Februar wurde es in der St. Johanniskirche aufgeführt.

Der flexible Raum in der großen gotischen Hallenkirche wurde mit großem Aufwand umgestaltet: vor dem Altarraum ist ein Zuschauerpodest aufgebaut, das an beiden Abenden sehr gut gefüllt war. Im Altarraum wird gespielt – auf einer silbern ausgelegten Spielfläche stehen die Stühle für die Musiker:innen am Akkordeon, an der Gambe und der Geige.

„Ich lieb dich“ von Kristo Šagor ist ein Sprech-Theaterstück, empfohlen für Kinder ab 8 Jahren. Es behandelt die Geschichte von Julians Eltern, die sich scheiden lassen – was seine Vorstellung von der Liebe erschüttert. Dieses Theaterstück hat sich das Ensemble trio.s als Grundlage für das Musiktheaterstück „Lovebird.s – Ich lieb_dich“ genommen. Es behandelt dasselbe Thema, greift aber durch die Umsetzung viel tiefer und richtet sich keineswegs nur an Kinder.

Trio.S besteht aus Susan Jebrini (Mezzosopran, Schauspiel), Sonja Catalano (Alt, Schauspiel) und Goran Stevanovic (Akkordeon). Als Instrumentalistinnen wird das Trio ergänzt durch Henriette Otto-Dierssen (Violine) und Charlotte Schwenke (Viola da Gamba) und Goran Stevanovic (Akkordeon). Jebrini und Catalano sind sowohl sprechende Schauspielerinnen als auch singende Darstellerinnen. 

Julian und Lia unterhalten sich. „Ich liebe dich.“ – „Ich dich nicht.“ Das ist der Einstieg in das Thema. In den 75 Minuten des Abends geht es eigentlich um nichts anderes. Das Thema Liebe wird in allen Facetten beleuchtet und hinterfragt. Die Liebe untereinander, die Liebe der Eltern, die Liebe zum Meerschweinchen, zu Kastanien oder das geliebte Zitroneneis.

Während bei diesem Stichwort tatsächlich Zitroneneis im Publikum verteilt wird, geht es wenig später ans Eingemachte. Diese drei Sätze sind beispielhaft und lassen erahnen, welchen Tiefgang das Stück trotz der eher einfachen, aber poetischen Sprache hat:

Wie kann man sich sicher sein, dass man selbst jemanden liebt? 

Liebe ist eine spezielle Art der Angst. 

Und was ist das Gegenteil von Liebe?

Die Dialoge werden durch die Musik noch verstärkt. Es erklingt Alte und Neue Musik, Stücke von Hildegard von Bingen, Pergolesi, Vivaldi und Händel treffen auf Kreislers „Liebesbrief“ sowie auf eigens für »Lovebird.s« komponierte Werke von Benjamin Scheuer, der auch die Werke Alter Musik für die ungewöhnliche Besetzung neu arrangierte.

Am Ende Texte gesungen, die Personen aus dem Publikum vorab erstellt haben. Sie waren vor Beginn der Vorstellung aufgefordert, ihre Gedanken zur Liebe zu verschriftlichen.

Diese Texte machen anschaulich, dass »Lovebird.s« weit entfernt davon ist, Antworten zu geben. Die Fragen bleiben. Aber sie werden in einen wunderbaren poetischen Raum gestellt, der alle möglichen Antworten zulässt.

Möglichkeiten, sich in diesem Raum zu orientieren, gibt es vielfach. Vor allem in den musikalischen Passagen: das sind zum einen die Kompositionen von Benjamin Scheuer. Schon die sphärenhafte Ouvertüre lässt aufhorchen. Zum anderen sind es ausgewählte Kompositionen. In Vivaldis „Anderò, volerò“ aus „L’Orlando“ oder Händels „Lascia ch’io pianga“ aus Rinaldo und anderen Stücken beweisen Susan Jebrini und Sonja Catalano großes sängerisches Können. Aber auch Georg Kreislers „Liebesbrief“ passt sich wunderbar in die Handlung ein. Das kleine Bühnenorchester mit Akkordeon, Gambe und Geige bietet nicht nur den passenden Rahmen, sondern tritt auch immer mal solistisch hervor. Genannt sei das „Adagio“ aus Bachs Solo-Sonate für Violine, das Henriette Otto-Dierssen hoch emotional gestaltet.

Dazu kommen die schauspielerischen Fähigkeiten von Susan Jebrini und Sonja Catalano.

Das ungewöhnliche Bühnenbild im Altarraum von St. Johannis, das Arrangement aus Musik und Text sowie die Regie und Dramaturgie des Abends sorgen für einen tiefen Eindruck. Wenn die Kirchengemeinde sich in diesem Jahr die Überschrift „Resonanz“ gesetzt hat, dann ist dieser Abend ein großartiger Aufschlag, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Trio.S. hat mit »Lovebird.s« ungeahnte und poetische Resonanzräume eröffnet.

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