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Ronny Thalmeyer, Florian Eppinger, Gerd Zinck, Moritz Schulze, Rafael-Evitan Grombelka | ©Kerstin Schomburg
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Deutsches Theater

Aus dem Zuhause gedrängt, im System überhört

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Premiere »Altbau in zentraler Lage« inszeniert von Daniel Foerster
von Anjuschka Zahn, erschienen am 27. April 2026

»Altbau in zentraler Lage«, eine Schaueroper von Raphaela Bardutzky, feiert am 25.04. auf der dt.1-Bühne des Deutschen Theaters seine Premiere. Das Stück verbindet Gebärden- und Lautsprache in einer geisterhaften Geschichte über Freundschaft, Wohnungsnot und Machtlosigkeit.

Die junge Zoey ist eine der letzten Mieterinnen eines Altbaus von 1880, der nach und nach von einer Immobilienfirma entmietet wird. Obwohl ihr eine Abfindung angeboten wird, lehnt sie diese aus Angst vor fehlendem bezahlbarem Wohnraum ab.

Da Zoey nachts arbeitet, bemerkt sie die Veränderungen im Haus zunächst kaum. Grauenhaft musizierende Gespenster treiben ihr Unwesen. Ihr Vermieter sieht darin jedoch keinen Anlass zur Geisterbejagung, sondern eine Gelegenheit, das Gebäude abzureißen und gewinnbringend neu zu bauen. So nimmt Zoey die Angelegenheit selbst in die Hand und wehrt sich gegen die akustischen Angriffe der Gespenster mit lauter Technomusik. Dadurch lernt sie ihre gehörlose Nachbarin Trisha kennen, die sich über die Musik mitten in der Nacht beschwert. Sie hört diese zwar nicht, kann aber sehr wohl den wummernden Bass durch die Wände spüren, der sie vom Schlafen abhält. Zwischen Zoey und Trisha entwickelt sich eine Freundschaft und sie lernen miteinander zu kommunizieren.

Während die Geister immer aggressiver werden und Zoey an ihre Grenzen getrieben wird, steht Trisha ihr fürsorglich zur Seite. Schließlich eskaliert die Situation im Haus und Zoey gerät zunehmend unter Druck.

Der Kampf um leistbaren Wohnraum

Die Geister erzeugen, ebenso wie die Immobilienfirma, ein Gefühl von Erschöpfung und Ausweglosigkeit, um die verbliebenen Bewohner zu ihrem eigenen Vorteil zum Auszug zu drängen. Die Handlung zeigt, wie Menschen durch steigenden Druck und gezielte Strategien aus ihren Wohnungen gedrängt werden. Doch selbst nach der Verdrängung geht der Spuk weiter – das System bleibt.

Das Theaterstück entfaltet eine intime und zugleich beklemmende Atmosphäre. Die Handlung wirft einen Blick hinter die Fassade des Alltäglichen. Vertraute Räume und Situationen wirken plötzlich instabil und unruhig. Das Bühnenbild von Zoeys Wohnung unterstützt dieses Gefühl und zeigt, wie wenig Einfluss man auf seinen Wohnraum hat. Die Nischen, durch die die Geister kommen, und der komplette Abbau der Wohnungskulisse verdeutlichen die Machtlosigkeit als Bewohner gegenüber der Immobilienbranche.

Inklusion von Gebärdensprache in unserer Gesellschaft

»Altbau in zentraler Lage« bietet zwei verschiedenen Sprachen eine gemeinsame Bühne – Lautsprache und Gebärdensprache, die sich nahtlos in die Inszenierung einfügt.

Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten schaffen es Zoey und Trisha, eine gemeinsame Kommunikation zu finden. Sie schreiben sich Zettel, deren Botschaften über der Bühne eingeblendet werden, und Trisha bringt Zoey Gebärdensprache bei, während Zoey ihre Gesten laut spricht. Charlotte Wollrad und Laura Levita Valytė verkörpern ihre Figuren authentisch und vermitteln einfühlsam, wie sich zwischen hörenden und gehörlosen Menschen eine offene und herzliche Freundschaft entwickelt.

Doch leider erlebt Trisha auch Diskriminierung. Der Vermieter nimmt sich nicht die Zeit, sein gesprochenes Wort zu übertragen, wenn er mit ihr spricht. Er schreit Trisha an oder redet nur mit Zoey. Das Stück kritisiert die systemische Ausgrenzung und zeigt, wie schnell gehörlose Menschen im Alltag entmündigt und übergangen werden.

Insgesamt ist die Inszenierung von Daniel Foerster sehr gelungen. »Altbau in zentraler Lage« zeigt, wie individuelles Handeln gegen ein System verliert, das zugleich unsichtbar und sehr real ist. Dieses Stück integriert die Gebärdensprache auf natürliche Weise ins Theater und macht die Perspektive gehörloser Menschen greifbar. Das Publikum reagiert begeistert und applaudiert – auch in Gebärdensprache mit wedelnden, erhobenen Händen.

Die nächste Vorstellung findet am 30. April statt.

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