Am Samstag, dem 11. April, hallte das Echo der unvergänglichen Liebe in der Reformierten Kirche. Denn der jüdische Komponist Jean Goldenbaum präsentierte seinen A-cappella-Chorzyklus »Achtmal Liebe in Wort und Musik« (Op. 117). Darin vertont er acht Gedichte jüdischer Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. Als Leitmotiv wählte Goldenbaum bewusst die Liebe, da sie, so Goldenbaum, eine universelle Sprache spreche, unabhängig von der jeweiligen Kultur.
Jean Goldenbaum und sein Chor nahmen das Publikum mit auf eine Reise durch die jüdisch-deutsche Weltgeschichte; Geschichten von jüdischen Frauen, die den Schrecken des Holocaust erlebten. Die Gedichte setzen um die Jahrhundertwende ein, führen durch die beiden Weltkriege, den Holocaust – den einige Dichterinnen überlebten, während andere ihm zum Opfer fielen –, reichen in die Nachkriegszeit hinein und schließen am Ende des Jahrhunderts. Der jüdische Komponist war bereits zum dritten Mal zu Gast in der Reformierten Kirche. „Die Akustik hier passt perfekt. Und dazu ist dies ein Ort, in welchem Kunst und Religion zusammentreffen", erklärte er dem Publikum.

Moderne Klangsprache und hohe Anforderungen an den Chor
Goldenbaums Komposition für A-cappella-Chor ist modern und zeitgenössisch. Beim ersten Zuhören klingt seine moderne Musik vielleicht etwas befremdlich, dennoch versteht man stets seine nachvollziehbare Klanglichkeit. Der Text geht dabei nicht in der Musik unter, sondern wird von ihr getragen. Technisch ist das Stück äußerst anspruchsvoll: Durch den A-cappella-Satz sind sowohl Ausdruckskraft als auch ein feiner, ausgewogener Klang gefragt, die nur durch konzentrierte Proben erzielt werden konnten. Obwohl es sich hierbei um einen Laienchor handelte, schafften es die Sänger:innen, einen einzigartigen Klang zu kreieren und dabei die Worte der Dichterinnen gefühlvoll und authentisch zu interpretieren und wiederzugeben. Dabei achtete der Chor besonders auf die Klarheit in der Artikulation der Wörter.
Das Werk ist zweistimmig und die Stimmenverteilung ist in einer Chorbesetzung, die Goldenbaum in seinen Kompositionen oft verwendet: Soprane und Tenöre übernehmen die eine Stimme, Alt und Bässe die andere. So entstehen zwei Stimmen in Oktaven, eine Aufteilung, die als „Goldenbaum-Chorbesetzung" an Bekanntheit gewinnt.
Stimmen der Dichterinnen – Ausdruck von Sehnsucht und Erinnerung
Die vertonten Gedichte der Poetinnen wie Margarete Susman (1872–1966), Gertrud Kolmar (1894–1943) oder Mascha Kaléko (1907–1975) erzählen von Sehnsüchten, Hoffnung, Zärtlichkeit: Oder in anderen Worten von Liebe, die niemals vergeht. Eine Sprache, die über den Tod hinausgeht. Der Chor vermittelte nicht das Gefühl der Trauer mit seinen Stimmen, sondern eindeutig das Gefühl der Wärme und Geborgenheit. Besonders als die zärtlich-klingenden Frauenstimmen mit den starken und selbstbewussten Männerstimmen in den Dialog traten, entstand eine angenehm-behütete Atmosphäre, da sich Frauen- und Männerstimmen wie Yin und Yang ergänzten. Jean Goldenbaum achtete als Komponist und Chorleiter akribisch darauf, dass jede Note oder Pause sorgfältig auf jedes Wort und jede Silbe abgestimmt war. Dadurch verstand das Publikum sofort die Emotionen und Worte, die vermittelt werden sollten.
Worte, die weiterleben
Am Ende bleibt nicht nur die Erinnerung an ein beeindruckendes Konzert, sondern an ein tief bewegendes Zusammenspiel von Wort und Klang. Goldenbaums Werk macht spürbar, dass Liebe selbst in den dunkelsten Kapiteln der Geschichte weiterlebt – leise, aber unvergänglich.