Märchenhafte Klänge, schmuckvolle Kostüme und eine fabelhafte Choreografie verzauberten das Publikum am zweiten Advent in der Stadthalle mit »Dornröschen« von Pjotr Tschaikowsky. Es spielte mit großer Leidenschaft das Göttinger Symphonieorchester unter der Leitung von Nicholas Milton, und es tanzten mit beeindruckender Präzision Schüler:innen der Tanzschule »art la danse« unter der Leitung von Judith Kara.
Die 90-minütige musikalische Lesung mit Ballett eröffnete das Orchester vor ausverkauftem Haus, wie Nicholas Milton in seiner Begrüßung betonte. Ebenfalls stolz verkündete er, mit der heutigen »Dornröschen«-Vorstellung alle drei Ballettkompositionen Tschaikowskys gemeinsam mit der Tanzschule „art la danse“ und Judith Kara (Choreografie) zur Aufführung gebracht zu haben (Nussknacker 2022, Schwanensee 2020 und 2023). In Anerkennung für die hervorragenden Ballettdarstellungen erhielt Kara beim Betreten der Bühne großen Applaus.
Unter dieser Begeisterung betraten nun beim zweiten Stück alle Tänzer:innen die Bühne und stellten sich und ihre Rollen anschaulich vor. Viele von ihnen verkörperten mehrere Charaktere, was neben der tänzerischen Leistung auch Organisation und Disziplin hinter der Bühne erforderte. Anschließend nahm die Geschichte ihren Lauf, die Andrea Strube vom Deutschen Theater Göttingen mit wohlig-sanfter Stimme und fein gesetzten Akzenten zum Leben erweckte. Lesung und Musik mit Ballett wechselten sich nahtlos ab, und die Tänzer:innen verliehen der Handlung eine bildliche Darstellung mit emotionalem Tiefgang, die in ihrem Anmut die Zuschauer:innen verzückte.
Für jeden Auftritt der Tänzer:innen gab es Szenenapplaus, den Milton eingangs entgegen üblicher Gepflogenheiten explizit erlaubte und erbat. Musik und Tanz traten nicht nur als Einheit auf; Musiker:innen und Tänzer:innen gingen sichtbar in der Musik auf. Während Milton mit enthusiastischem Dirigat das Orchester musikalisch brillieren ließ, formte Kara mit ihrer Choreografie und Probenarbeit ihre Schüler:innen zu tänzerischen Glanzlichtern. Sie brachten nicht nur die märchenhafte Geschichte, sondern auch die Augen des Publikums zum Leuchten. Die Tänzer:innen bewegten sich graziös und in körperlicher Präzision fein abgestimmt auf die Musik, und strahlten dabei tänzerische Leichtigkeit und Freude aus.
Die feine Abstimmung von Lesung, Musik und Tanz zog das Publikum förmlich in den Bann. Fasziniert verfolgten die Zuschauer:innen, wie aus der kleinen Prinzessin Aurora - Tschaikowskys Ballett basiert auf dem Märchen „La Belle au bois dormant“ von Charles Perrault - eine junge Frau wird und Besuch von sechs Feen bekommt, die sie vor der bösen Hexe warnen. Mit bunten Feen und kleinen Hexen bekamen auch die jüngeren Mitglieder der Ballettschule ihren Auftritt, den sie souverän meisterten. An Auroras 18. Geburtstag wird sie von vier Prinzen tänzerisch kunstvoll umworben, von denen sie jedoch keinen für sich erwählt. Unter die Gäste hatte sich die böse Hexe geschlichen, die das ganze Land in einen hundertjährigen Schlaf versetzt. Den jungen Tänzer:innen gelang es, sowohl die Schönheit des Märchenschlosses als auch das listige Handeln der Hexe authentisch darzustellen.
Ein junger Prinz macht sich schließlich auf den Weg durch einen langen dunklen Wald. Er verirrt sich und die Fliederfee weist ihm den Weg zum Schloss. Dort findet er Aurora schlafend inmitten von Dornen vor. Kunstvoll stellten die Tänzer:innen die Szenen dar, den Weg des Prinzen durch den Wald und den Kampf mit den Dornen ebenso wie den Dialog mit der Fliederfee und das Erwecken von Prinzession Aurora. In aufrichtiger Liebe heiraten Aurora und der Prinz - und zum Hochzeitstanz gesellen sich auch Rotkäppchen und der Wolf sowie der gestiefelte Kater mit seiner Katze. Diese Solorollen boten, wie alle an diesem Nachmittag, eine fantastische Performance.
Auch das Orchester lief noch einmal zur Hochform auf; die strahlenden Gesichter der Musiker:innen spiegelten die Begeisterung über die beeindruckende Leistung der jungen Tänzer:innen wider. Nicholas Milton führte mit einem energiegeladenen Dirigat dieses fulminante Finale zum Schlussakkord, der in tosenden Applaus mit Jubelrufen überging. Das gesamte Orchester wurde für seine spielerische Leistung gewürdigt, ebenso einzelne Instrumentengruppen. Einen besonderen und hochverdienten Applaus erhielten die Tänzer:innen - musikalisch begleitet vom GSO sowie rhythmischem Klatschen des Publikums. Und das Publikum klatschte unaufhörlich weiter, als die Musik längst verklungen war, bis Milton schließlich alle in einen beschwingten Abend entließ und der ein und andere aus der Halle tänzelte.