Dass Blechbläsermusik ihre vermeintliche Nischenposition verlassen hat und längst selbstverständlicher Bestandteil des klassischen Repertoires geworden ist, ist kein Geheimnis mehr. Wie groß dabei die Klangvielfalt und wie fein ziseliert die Dynamik sein können, davon durfte sich das Publikum am Samstagabend in der Göttinger Stadthalle überzeugen. Salaputia Brass, dass sind Blechbläser von renommierten Orchestern aus ganz Deutschland, die sich bereits bei ihrem gemeinsamen Musizieren im Bundesjugendorchester kennengelernt haben. Die ‚kleinen Kerle‘ - so die Übersetzung des lateinischen Ensemblenamens - gründeten ihr eigenes Ensemble und haben sich über die Jahre ein umfangreiches Repertoire erarbeitet.
Den Abend eröffneten die Zwölf - elf Blechbläser und ein Schlagzeuger - mit einem hinreißenden Medley aus „Westside Story“, in dem sofort die ganze Dynamik von einer fulminanten Eröffnung bis hin zu einem zart hingehauchten „Maria“ entfaltet wurde. Bereits hier zeigte sich auch, wie segensreich die Erweiterung der unterschiedlichen Blechregister um das Schlagwerk ist. Severin Stitzenberger hatte mit seinen geschmackvoll gesetzten Rhythmen stets das Ensemble in der Hand, dass seinen Tempi unvermittelt zu folgen wusste.
Den Begriff ‚Schweres Blech‘, mit dem die Trompeten und Posaunen in Abgrenzung zur weich klingenden Hornfamilie gemeinhin bezeichnet werden, widerlegten Salaputia Brass mehrfach: so in einem wundervoll glitzernden ‚Moon River’, in einer Zusammenstellung kleiner feiner Chansons von Eric Satie, die die Zuhörer in ein Pariser Café entführten oder in dem Medley „So ist Paris“.
Fulminant war dann wieder die Zusammenstellung „Bond for Brass“, bei der sowohl das bekannte Hauptthema wie auch Titel wie „Goldfinger“ oder „Skyfall“ zum Klingen gebracht wurden, auch hier immer wieder im Wechsel mit tiefen Posaunen- und Tubaklängen, einem kraftvollen Tutti oder zarten Einwürfen und Melodien von Horn und Flügelhörnern.
Musikalisch spannten die Zwölf ebenso einen großen Bogen: von Renaissancetänzen aus der Feder von Anthony Holborne, begleitet von Tambouren oder Trommel, bis hin zu jazzigen Klängen mit einem swingig-treibenden Walking Bass, gekrönt von Soloeinlagen von Horn, Flügelhorn oder Posaune.
Damit die begeisterten Zuhörer den roten Faden nicht verlören, führte der Posaunst Philip Pineda Resch mit seiner humorvollen und galanten Moderation durch den gelungenen Abend, der mit zwei Zugaben ausklang. Schade, dass bei diesem zauberhaften Abend so viele Plätze in der Stadthalle leer blieben. Hoffen wir, dass die ‚Kleinen Kerle‘ bald wieder nach Göttingen kommen - dann vor ausverkauftem Haus.