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Matthias Hofmann und Birthe Schulz-Kullig im Theater im OP | © Photo: Dirk Opitz
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»Sechs Tanzstunden in sechs Wochen« im ThOP

Eine Choreographie der Dramatik des Lebens

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von Larissa Stöpler, erschienen am 12. Februar 2024

Das Stück »Sechs Tanzstunden in sechs Wochen« von Richard Alfieri, hier unter der Regie von Klaus-Ingo Pissowotzki im Theater im OP (ThOP) verfügt über herzergreifende Schlagkraft und tiefschürfende Lebenspointe. Geradezu polternd menschlich.

Die Witwe eines Baptistenpredigers und pensionierte Lehrerin in Florida, Lilian Harrison (Birthe Schulz-Kullig), lädt sich einen Tanzlehrer der Agentur »Sechs Tanzstunden in sechs Wochen« nachhause ein. Eigentlich nur gebucht für sechs Tanzstunden, bringt Michael Minetti (Matthias Hofmann), ein junger, schwuler Broadway-Tänzer, mit seiner unverhohlenen Frechheit schließlich eine ganze Menge Leben mit aufs Parkett.

„Ich erlebe Michael Minetti als einen sehr dynamischen Charakter. Er hat durchaus eine Menge Tiefgang, versucht aber immer wieder, diese Tiefe vor seinen Mitmenschen hinter seiner großen Klappe zu verbergen. Nicht nur stille Wasser sind tief“, erklärt Hofmann seine Rolle.

Das Ensemble, einzig Lily und Michael, ist vorerst voller Kontraste, entwickelt sich aber in einer raumerfüllenden Intimität zu einem komplementären Schicksalsbündnis, das die Schrecken des Älterwerdens und die Tragik eines jeden Lebens leichter werden lässt.

Lily und Michael treffen sich wöchentlich zu ihren Tanzstunden. Mit jedem Mal zeichnen sich persönliche Marotten klarer ab, sie lernen sich beide, wie im Rausch, mit jedem Mal besser kennen. In den dynamischen Szenen lösen sich bissiger Humor, tattrige Verletzlichkeit, liebevolle Vertrauensangebote und schrullige Slapsticks stakkatoartig ab.

„Es war mir wichtig, dass der Wechsel von schnellen und frechen Sprüchen hin zu tiefgründigen Momenten authentisch ist. Dass die Figuren selbst wie auch die Beziehung von Michael und Lily untereinander lebendig wirkt. Wenn ein Stück nur zwei Figuren hat, dann sollen die sich für das Publikum auch echt anfühlen“, betont Hofmann.

Schulz-Kullig gefällt es an Lily, dass „sie es schafft, über ihren Kummer zu reden, ohne den Blick dafür zu verlieren, dass andere auch Leid empfinden: „Irgendwas macht doch jeder durch. Sie doch auch!“. Sie formuliert einen zauberhaften Eindruck der Lily, in dem sie offenbart, dass sie sich als Stütze für die freudige Stimmung der dritten Szene eine kleine Notiz gemacht hat: „geriatrischer Golden Retriever“.

Tatsächlich ist es so, dass Birthe Schulz-Kullig auch im echten Leben Lehrerin ist und eigentlich keine Tanzstunden mehr nötig hat. Sie selbst ist wohlerfahrene Tänzerin. Anders als Matthias Hofmann, der zwar musikalisch ist, aber sich das Tanzen von Schulz-Kullig erst hat beibringen lassen müssen. Ein wunderbares Wechselspiel, das der Inszenierung eine besondere Vertrautheit schenkt.

Die Komposition kommt mit einem einfachen, seltsam urbekannten Bühnenbild aus. Inmitten der dunkelgrünen Holzsitzreihen steht ein schreiend-blumiges Zweisitzersofa, eine schlichte Kommode mit Spitzendeckchen, ein grünes Wählscheibentelefon. Willkommen bei Oma. Willkommen in der Bürgerlichkeit. Die DarstellerInnen schmunzeln – das Sofa sei trotz seiner obszönen Hässlichkeit so bequem, dass es auch nach der Inszenierung einen Platz im ThOP-Büro sicher hat.

Mit ganz viel Charme lässt »Sechs Tanzstunden in sechs Wochen« Einsamkeit fühlbar werden. Schmerzhaft akkurat scheint hier eine Biographie abgebildet zu sein, die sich in jeder Nachbarschaft, in jeder Familie, sicherlich unverhofft auch in jeder Zukunft eines einzeln finden lässt. Ein alter Mensch, die eigenen Lebenslügen mit dicken Schutzmauern umzogen, isoliert, ohne noch lebende Liebste, sich selbst vergessend und sich selbst verlassend. Ein leises Leiden, ein leises Erblassen des Menschen in seiner Wahrhaftigkeit. Doch das Spiel zeigt auf, dass aufrichtige Nähe und Freundschaft einen Menschen aus der Verblassung retten können. Nein, eigentlich sogar zwei Menschen.

Für Pissowotzki sind eben diese Momente der Ergriffenheit inzwischen aller Komik, die Berührendsten des Stückes. Er zitiert hierzu Reinhard Mey:

„[…] Es ist, als hättet hier ein langes Zwiegespräch geführt
Ihr ward betroffen, zornig, ward vergnügt und ward gerührt
Und wenn ein lachen, ein Applaus über die Reihen flog
Und wenn‘s plötzlich ganz still war, war das wie ein Dialog“

Wunderschön. Denn es war genau das. Wenn sich Lily und Michael geöffnet haben, Unaussprechliches ausgesprochen wurde und Stille sich im Saal ausbreitete.

Auch wenn das Stück auf einer schweren Note endet, so tat es doch gut, mit Lily und Michael über die Dramatik des Lebens befreit Lachen zu dürfen. 

»Sechs Tanzstunden in sechs Wochen« von Richard Alfieri hatte in der Inszenierung von Klaus-Ingo Pissowotzki Premiere am 9. Februar 2024 im Theater im OP (ThOP) in Göttingen.

Weitere Vorstellungen stehen bis zum 2. März auf dem Spielplan.

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