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Petra Broistedt, Marcus Weimer, Olav Westphalen und Ulrike Sterblich | © Photos: Peter Heller
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Elchpreis

Wenn der Elch wackelt: Rattelschneck in Göttingen geehrt

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Preisverleihung des Göttinger Elch 2026 im Deutschen Theater mit Musik, Laudatio und viel Sinn für absurde Zwischentöne
von Jens Wortmann, erschienen am 22. März 2026

Der Göttinger Elch 2026 ging an Rattelschneck – und die Preisverleihung im Deutschen Theater zeigte sehr schön, warum. Zwischen Reden, Musik, Cartoon-Lesung und einer spontanen Versteigerung entstand ein Vormittag, der sich Zeit ließ – und genau darin seine Wirkung entfaltete.

Der Göttinger Elch 2026 wurde im Deutschen Theater Göttingen an das Zeichnerduo Rattelschneck verliehen. Schon der Blick auf die Bühne ließ ahnen, dass dieser Vormittag kein geradliniger Festakt werden würde: ein Rednerpult mit Elchkopf, Cartoons auf der Leinwand – und ein Ablauf, der sich seine eigenen Wege suchte.

Den Auftakt setzte Nala Tessloff mit einem Gesangsbeitrag, der sofort eine eigene Tonlage vorgab. Danach führte Anouk Schollähn durch die Veranstaltung – wach, zugewandt und mit einem sicheren Gespür dafür, wann es gut ist, Dinge einfach laufen zu lassen. „Es ist Elchzeit“, sagte sie zur Begrüßung – und tatsächlich stellte sich schnell dieses leicht verschobene Zeitgefühl ein, das diese Preisverleihung auszeichnet.

Oberbürgermeisterin Petra Broistedt fand in ihrem Grußwort eine sehr treffende Annäherung an die Arbeiten von Marcus Weimer und Olav Westphalen. Sie sprach von Cartoons, die sich nicht sofort erschließen – und gerade deshalb im Kopf bleiben. „Das sind Mehrwegwitze“, sagte sie, „Satire mit Pfand.“ Ein Satz, der hängen blieb.

Denn genau so funktionieren diese Arbeiten: Man schaut hin, versteht vielleicht erst einmal nichts – und irgendwann, oft später, kippt etwas. Dann setzt das Lachen ein. Oder auch nur ein leises „Ach so“.

Rösinger Schollähn900Mit Christiane Rösinger kam anschließend die Preisträgerin des Vorjahres auf die Bühne. Ihr Grußwort bewegte sich zwischen Text und Gesang, zwischen Ironie und Zuneigung. Ganz nebenbei gab sie den neuen Elchen noch einen Rat mit auf den Weg: „Das viele Geld nicht alles einfach so raushauen, ein bisschen sparen.“

Sterblich Schollähn900

Die Laudatio von Ulrike Sterblich führte dann mitten hinein in das, worum es an diesem Vormittag ging. Ausgangspunkt war ein Rattelschneck-Cartoon aus ihrem eigenen Besitz, von dort aus entwickelte sie eine Überlegung über Ordnung und Chaos. Die Welt, so ihre These, lasse sich nicht sauber erklären – und genau hier setze die Kunst von Rattelschneck an.

Sie beschreiben das Chaos, ohne es zu glätten. Oder, zugespitzt gesagt: Sie liefern keine Gebrauchsanweisung.

Dass Sterblich anschließend eine Zeichnung im Saal versteigerte, wirkte wie die logische Fortsetzung dieser Gedanken. Der Preis stieg zügig, am Ende fiel der Hammer bei 400 Euro. Ein kurzer Moment, der gleichzeitig sehr konkret und vollkommen absurd war.

Rattelschneck GoldenesBuch900Nach der offiziellen Übergabe folgte der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Göttingen. Ein konzentrierter, beinahe feierlicher Augenblick – und doch blieb auch hier die leichte Schieflage erhalten, die diesen Vormittag prägte.

In ihrer Dankesrede machten Weimer und Westphalen dann deutlich, wie ihre Arbeit eigentlich entsteht. Seit vierzig Jahren treffen sie sich zum Zeichnen, oft in Kneipen, mit Papier und Kugelschreiber. „Wir bringen jeder so Papier mit“, sagte Weimer, „und dann fangen wir einfach an.“

Viel mehr Methode scheint es nicht zu geben – und vielleicht ist genau das der Punkt.

Westphalen sprach von all den Versuchen, ihre Arbeit einzuordnen: „Sind Sie Zeichner oder Schreiber? Ist das lustig oder ernst?“ Seine Antwort darauf: ein entschiedenes Dazwischen. Und ein Dank an alle „Türsteher und Sortierer“, die das nie so ganz greifen konnten.

Einen weiteren Akzent setzte die Lesung mit den Schauspielern Gerd Zinck und Ronny Thalmeyer. Während die Cartoons auf der Leinwand erschienen, lasen sie die Texte im Wechsel. Die Pointen wurden nicht ausgespielt, sondern einfach gesetzt. Das reichte völlig.

Zum Schluss kehrte Nala Tessloff noch einmal auf die Bühne zurück. Danach löste sich die Veranstaltung fast beiläufig auf – Gespräche im Foyer, Hinweise auf die Ausstellung im Alten Rathaus, ein letzter Blick zurück in den Saal.

Ein Vormittag, der sich nicht festlegen lässt.

Vielleicht ist das die passendste Form für diesen Preis.

Der Göttinger Elch passt zu Rattelschneck.

Und Rattelschneck passen ziemlich gut zum Elch.

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