Manchmal schreibt das Kulturleben seine eigenen Pointen. Als vor einiger Zeit die Mietpreise der frisch sanierten Stadthalle heiß diskutiert wurden, wetterte der Intendant der Händel-Festspiele, die Halle sei „gebaut für Cindy aus Marzahn“. Der Satz löste Empörung aus – missverstanden als billige Polemik auf Kosten einer Künstlerin. Dabei wollte er nur verdeutlichen: Für Göttinger Kulturveranstalter, Orchester, KUNST-Gala oder andere Gruppen sind die Mieten schlicht unbezahlbar. Das Haus, mit Millionen städtischer Mittel errichtet, droht damit zum Spielplatz reisender Tourneeproduktionen zu werden.
Nun also steht sie tatsächlich im Spielplan: Cindy aus Marzahn, am 3. November live in Göttingen. Genau die Künstlerin, auf die damals verwiesen wurde. Man kann das als Ironie der Geschichte lesen – oder als Anlass, noch einmal ernsthaft über die Nutzung der Stadthalle nachzudenken. Denn dass sich lokale Veranstalter die Miete nicht leisten können, ist kein Witz, sondern ein kulturpolitisches Problem. Ein Haus dieser Größe, mitten in Göttingen, sollte doch mehr sein als ein bloßer Durchlauferhitzer für Tourneeshows.
Bis dahin bietet die Woche reichlich Stoff, um sich die Abende zu füllen. Im Theater im OP feiert am Mittwoch die neue Produktion »Rabbit Hole« Premiere. Am Freitag dann große Bühne im Deutschen Theater: Katharina Thalbach gastiert mit ihrer unverwechselbaren Stimme und Präsenz. Und nur zwei Tage später, am Sonntag, hebt sich am DT erneut der Vorhang – diesmal für die Premiere von Der Videobeweis.. Ein Theaterherbst, der es in sich hat.
Fernrohr
Mit dem Fernrohr lohnt sich schon jetzt ein Blick ins Oktoberprogramm. Göttingen wird Gastgeber eines internationalen Impro-Theater-Festivals, und die Comedy-Company hat dafür Gäste aus aller Welt eingeladen. Wer sich schon immer vom Charme spontaner Szenen überraschen lassen wollte, sollte sich die Termine vormerken.
Und weil wir gerade beim musikalischen Ausblick sind: Am 4. Oktober kommt „Salaputia Brass“ in die Stadthalle. Zehn junge Blechbläser mit einem Feuerwerk an Virtuosität und Humor. Ein Konzert, das beweist, dass die Halle nicht nur laut, sondern auch leuchtend klingen kann.
Bis dahin darf man sich an der kleinen Pointe erfreuen, dass Göttingen nun tatsächlich die Künstlerin empfängt, „für die die Halle gebaut wurde“. Wer weiß – vielleicht lacht Cindy selbst am lautesten darüber.