Ein FDP-Spitzenkandidat auf Sylt, am Vorabend der Wahl plötzlich schwach in der Blase. Eine Privatklinik, die notfalls auch dopt. Und unter Wasser ein Geldberg, an dem ein schwimmendes Armenkrankenhaus zu zerschellen droht: Nora Abdel-Maksouds Komödie »Doping« feiert am 24. April auf der dt2 Premiere – Tina Fibiger hat Regisseurin Schirin Khodadadian zum Gespräch getroffen.
Der schlanke Sozialstaat auf dem OP-Tisch
Lütje Wessel hat sich im Wahlkampf verbal für den verschlankten Sozialstaat stark gemacht und für Sylt als steuerbereinigtes Alcatraz der Top-Verdiener. Ausgerechnet kurz vor der Wahl streikt sein Körper. Die Inkontinenz ist austherapiert, auf die Schnelle nicht lukrativ zu kurieren – und eine ominöse Privatklinik nimmt sich der Sache an. Abdel-Maksoud schickt ihren Kandidaten auf ein Pflegeboot, das unter dem Deckmäntelchen eines Gesundheitsressorts für FDP-Mitglieder um die Insel kreist, in Wahrheit aber heimlich zu einem armen Krankenhaus umfunktioniert wird.
Die Win-Win-Station und ihre Nebenwirkungen
Im Gespräch mit Tina Fibiger beschreibt Schirin Khodadadian, wie konsequent die Autorin die Logik des Libertarismus zu Ende denkt – Thatcher, Milei, Trump lassen grüßen – bis sie ins Absurde kippt. Auf der »Win-Win-Station« werden Krankheiten gegen Entgelt weitergereicht: Wer zahlt, gibt seine Malesse ab. Wer Geld nimmt, übernimmt sie. Und wer beides nicht kann, rutscht, wie es im Stück heißt, „genauso schön APD". Dazwischen eins zu eins auf der Bühne: Originalzitate aus FDP-Reden, eine Hebamme, die bewusst nicht Entbindungspflegerin heißen will, und zwei Frauen, die auf ewigem Listenplatz zwei beschließen, nicht mehr dort zu bleiben, wo sie nicht gesehen werden.
Hören und vorschmecken
Das ganze Gespräch gibt es hier als Podcast. Zum Einstimmen eine Kostprobe aus der Inszenierung. Premiere: Freitag, 24. April 2026, 20 Uhr, dt2.
Hören Sie das Gespräch:
Hören Sie eine Kostprobe aus der Produktion: