Unter dem Titel „Nachgefragt: Unrecht gesammelt?“ zeigt das Wissensmuseum im Forum Wissen der Universität Göttingen eine Sonderausstellung zur Herkunftsforschung von Museumsobjekten – mit Blick auf geraubtes Eigentum, koloniale Kontexte und persönliche Schicksale.
Die Ausstellung „Nachgefragt: Unrecht gesammelt?“ widmet sich der Provenienz- oder Herkunftsforschung in Museen und Sammlungen Südniedersachsens. Im Fokus steht die Frage, unter welchen ethischen und rechtlichen Bedingungen Objekte in museale Bestände gelangten. Vom 12. Dezember 2025 bis zum 17. Mai 2026 wird die Sonderausstellung auf der großen Fläche des Forums Wissen (Berliner Straße 28, 37073 Göttingen) gezeigt.
Zu sehen sind scheinbar alltägliche Dinge – Bücher, Wäscheklammern, ein Kleiderbügel –, hinter denen sich bewegende Geschichten verbergen. Diese Objekte wurden ihren ursprünglichen Besitzenden im Nationalsozialismus entzogen: weil sie Jüdinnen und Juden waren, Freimaurer, Angehörige der Arbeiterbewegung oder Zwangsarbeiter*innen. Darüber hinaus sind „Human Remains“ aus ehemaligen deutschen Kolonien sowie ethnologische Objekte präsentiert, die bis weit ins 20. Jahrhundert hinein über Tierfängervermittlung vom Alfelder Tierhandel in Sammlungen gelangten.
Die Ausstellung macht deutlich, dass viele dieser Objekte heute als unrechtmäßig in Museen geführt werden. Dabei rückt sie vor allem die Personen in den Mittelpunkt, die eine Verbindung zu den Objekten hatten. Die großen Illustrationen der Künstlerin Melanie Lüdtke (Kassel) eröffnen einen emotionalen Zugang zu diesen Menschen, von denen oftmals nur wenige schriftliche Zeugnisse existieren.
Kuratiert wurde die Ausstellung von Juliane Gehler aus dem Team Wissensforschung im Forum Wissen. Im Vorfeld fanden Pop-Up-Aktionen in Alfeld, Osterode und Uslar statt – hier wurde die lokale Bevölkerung befragt, welche Aspekte der Provenienzforschung sie besonders interessieren. Die so gesammelten Fragen bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung.
Das Projekt entstand in Kooperation zwischen dem Landschaftsverband Südniedersachsen e. V. und der Zentrale Kustodie der Universität Göttingen. Grundlage sind die Forschungsergebnisse von Christian Riemenschneider Dr. und Holger Stoecker Dr.
Begleitend zur Ausstellung wird ein vielfältiges Programm angeboten. Der Eintritt ist kostenlos.