Ein Heimatroman ohne Trachten, eine Titelheldin, die sich von Szene zu Szene in immer neuen Gesichtern durchs Ensemble reicht, und ein Geier, der nur in der Fantasie der Zuschauer:innen kreist: Wie das Moringer Bürgertheater interkulturell Wilhelmine von Hillerns »Die Geierwally« auf die Bühne bringt, verrät Stefan Dehler im Gespräch mit Tina Fibiger.
Ein Lob auf die Individualität
Nach ihrem Operettenausflug zum »Weißen Rössl« kehrt das Moringer Bürgertheater interkulturell erneut ins Alpenpanorama zurück – diesmal allerdings weitgehend ohne Folklore. Stefan Dehler, der die dramatische Fassung des Heimatromans gemeinsam mit Christoph Huber vom Team der »Stillen Hunde« inszeniert, will den Kern der Geschichte freilegen: das Porträt einer ebenso mutigen wie eigenwilligen jungen Frau, die sich gegen die Rollenzuschreibungen ihres Dorfes stemmt. Walburga Stromminger, vom Vater zum Ersatzsohn erzogen, weigert sich, den ungeliebten Bräutigam zu heiraten – und setzt am Ende auch noch die Scheune in Brand.
Ensemble im Rollenwechsel
Weil das Ensemble viele junge Frauen zählt, wird die Titelrolle von Szene zu Szene weitergereicht. Jede Spielerin färbt die Wally anders ein, während Bären-Josef, Papa Stromminger und der Pfarrer bei ihren Darstellern bleiben. Vier Moritaten-Erzählerinnen führen durch das Geschehen, kommentieren und korrigieren. Der Geier selbst bleibt unsichtbar – oder ist plötzlich doch da, wenn jemand niederkniet und „Kra!" ruft. Im Gespräch mit Tina Fibiger erzählt Dehler, warum hinter dem vermeintlichen Heimatroman-Kitsch eine sehr gegenwärtige Geschichte steckt – und warum ein Holzhocker pro Akteur:in als Bühnenbild genügt.
Die komplette Podcast-Folge gibt es hier zum Anhören. Premiere ist am 24. April 2026 um 19.30 Uhr in der Mensa der KGS Moringen, weitere Vorstellungen folgen am Samstag, 25. April, sowie am 8. und 9. Mai 2026.
Hören Sie das Gespräch: