Ein Soldat tauscht seine Geige gegen ein Zauberbuch, wird reich – und einsam. Igor Strawinskys »Die Geschichte vom Soldaten« kommt zu den Internationalen Händel-Festspielen ans Deutsche Theater. Erich Sidler inszeniert – und erklärt im »Szenenwechsel«, warum das »Vaudeville« von 1918 heute beunruhigend gegenwärtig klingt.
Eine Bühne, die einst übers Land zog
Einen scharfen Kontrast setzen die Festspiele neben Oper und Oratorium mit dem Musiktheaterszenario »Die Geschichte vom Soldaten«. Igor Strawinsky und der Schweizer Dichter Charles Ferdinand Ramuz schrieben es 1918 in einer kriegsmüden Schweiz – mit der Idee, mit Bühne, Vorhang und einer kleinen Musiker:innentruppe von Dorfplatz zu Dorfplatz zu ziehen. „Sie wird gelesen, gespielt und getanzt", notierte Strawinsky. Eine Wanderbühne, die zwei russische Märchen verknüpft: den Pakt mit dem Teufel und die Heilung einer Prinzessin durch Musik.
Sidler liest die Geschichte als Selbsterkenntnis
Im Gespräch mit Tina Fibiger erkundet der DT-Intendant, warum die Geige des Soldaten weit mehr ist als ein Instrument. Die Figuren auf der Bühne werden zu Facetten einer einzigen Person, ähnlich Kasperlefiguren, die verschiedene Seiten eines Charakters beleuchten. Wer den Reichtum gewinnt, verliert die Lebensfreude. Und wer nostalgisch zurückschaut, dem rechnet das Schicksal gnadenlos vor, dass die Zeit nur eine Richtung kennt.
Mit Weckmann ins Heute
Vor Strawinsky erklingt Matthias Weckmanns Kantate »Wie liegt die Stadt so wüste« von 1663, ergänzt um Folkert Uhdes bildstarke Projektionen – eine Einstimmung in die seelische Verwüstung des Krieges. Dass sich die Verknüpfung von Krieg und materieller Anhäufung dabei verstörend aktuell anfühlt, ist für Sidler kein Zufall: „War schon immer so, aber heute einfach sehr gut sichtbar."
Am Sonntag, 17. Mai um 17 Uhr ist Premiere am Deutschen Theater, eine zweite Aufführung folgt am Mittwoch, 20. Mai um 19:45 Uhr.
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