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Thilo Seibel im Göttinger Apex | © Photo: Bode
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Apex

Politisch, sensibel und vor allem: lustig! 

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Jahresrückblick mit Thilo Seibel
von Miriam Bode, erschienen am 06. Januar 2025

2024 war für viele Menschen ein Jahr, in dem vor allem viel Schlechtes passiert ist. Umso willkommener ist deshalb der satirische politische Jahresrückblick von Thilo Seibel im Apex. Die Veranstaltung ist restlos ausverkauft. In knapp 2 ½ Stunden spricht Thilo Seibel voller Elan, Witz und Energie über eine bunte Mischung der Ereignisse aus 2024. Zur Sprache kommt alles Mögliche, aber immer wieder liegt der Spaß im Fokus. Wichtig nach so einem Jahr ist, auch noch Lachen zu können und vielleicht auch etwas Hoffnung für das kommende Jahr zu bekommen. 

Thilo Seibel reißt das Publikum mit. Die Stimmung im Saal ist locker und fröhlich, das Publikum lacht, ruft mit und profitiert offensichtlich von Seibels Aktivität und Energie. Es schadet nicht, dass Seibel dem Göttinger Publikum immer mal wieder augenzwinkernd Komplimente über Göttingen macht und das Publikum fürs Mitmachen lobt. 

Der Abend geht recht lang, wird aber nicht langweilig. Zu verdanken ist das dem unterhaltsamen Text, den Seibel vorträgt und vor allem seiner immer wieder wechselnden Vortragsweise. So hält er zum Beispiel ein Gedicht als Wilhelm Shake-das-Bier, spielt eine Sendung von Markus Lanz nach, bei der er mit großem Talent Markus Söder, Karl Lauterbach, Christian Lindner und Winfried Kretschmann imitiert. Dann wiederrum wechselt er dazu über die «Herr der Ringe» Figur Gollum nachzumachen, auch das mit großem Erfolg und von lautem Lachen begleitet. 

Seibels Witze treffen ins Schwarze. Egal, ob es um die Deutsche Bahn geht, über den «Oberampelhampelmann» Olaf Scholz, den «handelsüblichen Rassisten» Elon Musk oder die Flugscham der Deutschen. Ohne dabei zu plump zu werden, macht Seibel immer wieder Späße auf Kosten der Politiker, der Wirtschaft und der Popkultur. Dabei gelingt es ihm besonders, die Absurdität von vielem, was im vergangenen Jahr passiert ist, auf den Punkt zu bringen. So etwa das Pünklichkeitsziel der Deutschen Bahn oder die zunehmende Angst, die viele hätten, in Deutschland ihre Meinung nicht mehr frei sagen zu können – während sie genau das die ganze Zeit täten. 

Immer wieder bezieht sich Seibel auch auf außerpolitische Phänomene von 2024. Er spricht das Jugendwort des Jahres «Aura» an und redet über den TikTok Trend, bei dem viele Frauen sich bei der Entscheidung einem Mann oder einem Bären im Wald zu begegnen für den Bären entscheiden würden. Dabei bleibt er stets sensibel und macht keine Scherze auf Kosten derer, die es schon schwer genug haben. Humorvoll kritisiert er stattdessen die Mächtigen und Reichen.  

So geht Thilo Seibel auch auf komplexe und schwierige Ereignisse ein, die 2024 passiert sind. Es gibt einige kurze Stellen an denen er unironisch, aber immer noch unterhaltsam über den Krieg im Nahen Osten spricht. Auf die Frage, wie man die israelische Regierung kritisieren könne ohne dabei antisemitisch zu werden, antwortet er schlicht, indem man eben nur die israelische Regierung kritisiere, ohne dabei antisemitisch zu werden. Auch gegen Rassismus spricht er sich deutlich aus, seine Witze richten sich gegen die AfD und das 2024 gegründete BSW, über das er sagt, es sei nur «ein kurzer Weg von Friedenstaube zur Friedenstaubennuss»

Später am Abend gelingt es Seibel auch ganz unironisch, Personen zu loben, die 2024 ihren Mut und ihre Größe gezeigt haben. Dabei zählt er unter anderem mutige Frauen auf wie die Iranerin Ahoo Daryaei und die Französin Gisèle Pelicot. Auch über den 2024 gestorbenen russischen Oppositionsführer Alexei Nawalny spricht Seibel kurz.

Besonders schön ist das Ende des Abends, das das Publikum voller Hoffnung entlässt: Es werden Zettel vorgelesen, die das Publikum in der Pause geschrieben hat, auf denen ihr persönliches Highlight von 2024 steht. Dabei wechseln die Inhalte von privat zu politisch und von ernst zu lustig. Es ist eine schöne Mischung, die den Abend passend abrundet. Ganz zuletzt wird das Publikum auch noch einmal miteinbezogen: es soll das Zitat des Jahres gekürt werden. Je lauter der Jubel und der Applaus, desto besser das Zitat. Es gewinnt ein TikTok Kommentar auf Olaf Scholz‘ viral gegangenes Video, indem er seine Aktentasche zeigt und erklärt. Das Zitat lautet: «Die Tasche hat schon mehr erlebt als er vergessen hat»

Thilo Seibels politischer Jahresrückblick war ein großer Erfolg und sehr lohnenswerter Abend. Seibel zeigt seine Vielseitigkeit mit Wortwitzen, politischer Einsicht und Imitationen. Gleichzeitig weist er eine große Sensibilität auf. Durch seine energetische und abwechslungsreiche Art fühlen sich die 2 ½ Stunden noch zu kurz an. Auf jeden Fall erweckt der Abend große Freude auf den bereits angekündigten Jahresrückblick für 2025. 

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