Angesichts der Einschränkungen bei den Kulturausgaben der Stadt und dem Sanierungsstopp beim Deutschen Theater hatte der Verein KUNST e.V. eingeladen, um mit den Verantwortlichen in Rat und Verwaltung ins Gespräch zu kommen. Moderiert wurde der Abend von den KUNST-Vorstandsmitgliedern Anne Moldenhauer und Nils König.
Den Auftakt machten aber die Schauspielerin Andrea Strube und Schauspieler Florian Eppinger vom Deutschen Theater. Sie verlasen Textpassagen aus Gesetzen, Parteiprogrammen und Kommissionen zum Thema Kultur.
Auf dem Podium berichteten einige Kulturschaffende von den Auswirkungen auf ihre Einrichtung: das sind zum einen der Domino e.V. mit Dorothea Erben, das Boat People Projekt mit Reimar de la Chevalerie, der Göttinger Knabenchor mit Till Koch und die Internationalen Händel-Festspiele mit Jochen Schäfsmeier. Diese vier Einrichtungen hatten zuletzt eine Sonderförderung erhalten, um die gestiegenen Kosten zumindest teilweise wieder ausgleichen zu können. Diese Sonderförderung war zwar nur auf zwei Jahre begrenzt und endet nun turnusmäßig. Dennoch sind die Folgen verheerend, wenn die Mittel nun wegfallen: nur mit solchen Geldern lassen sich Personalstellen einrichten, die von den sonst üblichen Projektfördermitteln nicht gefördert werden, aber häufig benötigt werden, um diese Projektmittel zu beantragen oder um den täglichen betrieb am Laufen zu halten.
Mit dem Wegfall dieser Mittel drohen ganz elementare Bausteine der Arbeit wegzufallen.
Zum anderen berichteten die städtischen Töchter Deutsches Theater mit Sandra Hinz und Erich Sidler sowie das Göttinger Symphonieorchester mit Franziska Vivaldi über ihre Situation: dadurch, dass die Tarifsteigerungen künftig nicht aufgefangen werden, stehen trotz gleichbleibender Zuschüsse massive Kürzungen bevor. „Nach unseren Berechnungen droht für uns im Jahr 2027 die Insolvenz,“ sagte Erich Sidler. Das Deutsche Theater muss zusätzlich noch mit dem Umstand leben, dass die vor kurzem von der Stadt stolz präsentierten Sanierungspläne nun auf Eis gelegt worden sind. Auch für das GSO sind die bevorstehenden Tariferhöhungen ein großes Problem: sie können an Personalkosten nicht sparen. Schon jetzt sind zahlreiche Orchesterstellen nicht besetzt. Werden es noch weniger Orchestermitglieder, ist man schlicht nicht mehr spielfähig. Aber das GSO leidet in besonderer Weise unter den neuen Mietkonditionen in der sanierten Stadthalle. „Wir müssen die Folgekosten für die Fehlplanungen bei der Sanierung tragen“, sagte die Geschäftsführerin. Als Beispiel nannte sie die in modernen Hallen absolut übliche ausfahrbare Podesterie, damit das Schlagwerk und die Blechbläser erhöht sitzen können. Solche Technik wurde in der Stadthalle nicht verbaut, so dass nun händisch vor jedem Konzert Podeste aufgebaut werden müssen. Die Kosten dafür müssen die Mieter, also auch das GSO tragen.
Die hohen Mietnebenkosten waren auch für andere auf dem Podium Thema: die Händel-Festspiele werden definitiv weniger Veranstaltungen in der Stadthalle planen: diese ist schlicht zu teuer. „Das ist eine Halle für Cindy aus Marzahn“, spitzte Jochen Schäfsmeier, Geschäftsführer bei Händel, zu. Natürlich meinte er damit nicht, dass dort Stars während ihrer Tourneen nicht Halt machen sollen. Aber dass die Halle für lokale Veranstalter, die fast ausnahmslos im Non-Profit-Bereich arbeiten, zu teuer ist, sei eben ein Unding.
Oberbürgermeisterin Petra Broistedt ergriff anschließend das Wort und erläuterte die aktuelle finanzielle Situation der Stadt. Und jede Person auf der Bühne und im Saal versteht natürlich, dass Geld, das nicht da ist, auch nicht ausgegeben werden kann. Dennoch brachte Broistedt noch einen Vorschlag mit: mit den Überschüssen einer anderen städtischen Tochtergesellschaft sollen bei den vier betroffenen Einrichtungen der Wegfall der Förderungen ausgeglichen werden. Das werde sie dem Rat der Stadt zur Entscheidung vorlegen.
Unbeantwortet blieben allerdings die Fragen, die genau damit zusammenhängen: welche Kultur wollen wir denn in der Stadt haben? Und: wie soll die Stadt die Kultureinrichtungen fördern? Ganz offensichtlich gibt es weder für das eine noch für das andere irgendeinen Plan. Und darin besteht der eigentliche Skandal. Leider wurde genau das nicht thematisiert. Erst in der Fragerunde aus dem Publikum klangen diese Themen an.
Nils König vom KUNST e.V. erläuterte hinterher, dass es Pläne gebe, genau solche Themen in einer eigenen Veranstaltungsreihe aufzugreifen und zu diskutieren. KUNST steht für „Kultur unterstützt Stadt“. Insofern ist diese Initiative des Vereins voll und ganz zu begrüßen. Von einer Kulturverwaltung sollte aber dennoch erwartet werden können, dass es Pläne gibt für die Ziele der Kulturförderung und Richtlinien der Förderpolitik. Hier müssen schleunigst noch Hausaufgaben gemacht werden.