»Prima Facie« Schauspiel von Suzie Miller
Schauspiel · Solostück über Recht, sexualisierte Gewalt und Glaubwürdigkeit
Junges Theater +HintergrundEine Strafverteidigerin, die an das Rechtssystem glaubt, wird selbst zur Anklägerin – und stellt alles infrage.
20:00 Uhr – 22:00 Uhr
»Prima Facie« der australischen Dramatikerin Suzie Miller erzählt die Geschichte der Strafverteidigerin Tessa, die auf Fälle sexualisierter Gewalt spezialisiert ist. Souverän, scharf argumentierend und fest überzeugt von der Neutralität des Gesetzes verteidigt sie Angeklagte ohne moralische Zweifel. Ihr Vertrauen in das Rechtssystem beruht auf der Annahme, dass Wahrheit im Gerichtssaal verhandelt und Gerechtigkeit durch Verfahren hergestellt werden kann.
Diese Gewissheit gerät ins Wanken, als Tessa selbst Opfer sexualisierter Gewalt wird. Aus der Verteidigerin wird eine Betroffene, aus der juristischen Beobachterin eine Anklägerin. Zum ersten Mal erlebt sie, wie das Rechtssystem nicht schützt, sondern infrage stellt: Glaubwürdigkeit, Erinnerung, Sprache und Körper geraten unter Verdacht. Zwischen Gerichtssaal und persönlichem Trauma beginnt ein Kampf um Selbstbehauptung in einem patriarchal geprägten Justizsystem.
Die Inszenierung am Jungen Theater Göttingen ist als Solostück angelegt. Malin Kraft trägt den Text über 90 Minuten allein und verdichtet juristische Argumentation, persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Analyse zu einer eindringlichen Bühnenrede. Regisseurin Jette Seier legt den Fokus auf Sprache, Rhythmus und Präsenz und schafft einen Raum, in dem sich individuelles Erleben und strukturelle Fragen überlagern.
»Prima Facie« wurde international viel beachtet und unter anderem mit dem Laurence Olivier Award ausgezeichnet. Das Stück wirft grundlegende Fragen auf: Wie verhandeln wir sexualisierte Gewalt? Wem wird geglaubt? Und welche Lücken weist ein Rechtssystem auf, das auf formale Gleichheit setzt, aber reale Machtverhältnisse ausblendet?
Schauspiel: Malin Kraft
Inhaltshinweis
Diese Inszenierung thematisiert explizit sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung und Traumatisierung. Sie enthält detaillierte Beschreibungen von sexuellen Übergriffen. Die Inhalte können belastend wirken.
Extra (Regie / Dauer / Besonderheiten)
Inszenierung: Jette Seier
Dramaturgie: Isabelle Küster
Regieassistenz: Vivien Hübke, Emma Luzi Wedekind
Dauer: ca. 1 Stunde 30 Minuten (ohne Pause)
Alle Grundvoraussetzungen sind gegeben für ein diskussionswürdiges, nachhaltiges Theaterereignis.“
(Kulturbüro Göttingen)
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Dienstag, 30. Juni, 20:00 UhrJunges Theater
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