Das Untergeschoss eines Künstlerateliers, das zehn Jahre lang als Druckwerkstatt diente – jetzt erstmals öffentlich zugänglich. Und eine Gruppenschau, die vier prägende Stimmen der deutschen Nachkriegskunst zusammenbringt.
Zeit für neue Helden
Das Kunstmuseum Schloss Derneburg lädt von Sonnabend an zu zwei neuen Ausstellungen ein, bei denen der Ende April verstorbene Maler und frühere Schlossbesitzer Georg Baselitz (1938–2026) im Mittelpunkt steht. Für die Schau »Georg Baselitz: Zeit für neue Helden« öffne das Museum am 16. Mai erstmals das Untergeschoss des Ateliers, das dem Künstler zehn Jahre lang als Druckwerkstatt diente, teilte das Museum mit. Gezeigt werden 70 Holzschnitte und Radierungen, die zwischen 1964 und 2008 entstanden sind.
Ergänzt werden die Arbeiten durch Beispiele aus Malerei und Zeichnung. Baselitz sei zwar ursprünglich als Maler bekannt geworden, habe aber den Anspruch beibehalten, seinen Stil im Austausch zwischen Malerei, Zeichnung, Bildhauerei und Druckgrafik weiterzuentwickeln, hieß es. Die Ausstellung vervollständige die Langzeit-Präsentation von Baselitz-Werken im Erdgeschoss des Gebäudes. Sie veranschauliche die Bandbreite seiner Innovation in Technik, Maßstab und Farbe.
Gefeierte Nachkriegskünstler
Ebenfalls am Sonnabend öffnet eine Gruppenausstellung mit 50 Werken von Baselitz, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz und A.R. Penck. Die Schau »Konferenz« präsentiere „vier gefeierte deutsche Nachkriegskünstler, die sich in einer Zeit politischer Zerrissenheit auf einzigartige, bahnbrechende Weise mit der nationalen Identität auseinandersetzten". Sie hätten jegliche Bindung an einen bestimmten Stil abgelehnt.
Das heutige Schloss Derneburg bei Hildesheim geht auf ein 1213 gegründetes Augustiner-Chorfrauenstift zurück. Zwischen 1975 und 2006 nutzte der Maler Georg Baselitz das Schloss mit weitläufigem Park als Wohn- und Ateliersitz. Baselitz starb am 30. April im Alter von 88 Jahren in Salzburg.
Zahlreiche Premieren
Seit 2006 befindet sich das Schloss im Besitz der Hall Art Foundation, einer von Andrew Hall gegründeten Kunststiftung, die neben der Sammlung des Hausherren regelmäßig Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst zeigt. Darunter sind wiederholt Europa- oder Deutschland-Premieren US-amerikanischer Künstlerinnen und Künstler.