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Im Gespräch: Jonathan Fischer und Fiston Mwanza Mujila
Im Gespräch: Jonathan Fischer und Fiston Mwanza Mujila | © Miriam Bode
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Göttinger Frühjahrslese

Welt der Mienen, der Hoffnung und der Musik 

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Lesung und Gespräch mit Gesangseinlagen im Literaturhaus
von Miriam Bode, erschienen am 14. April 2024

Fiston Mwanza Mujilas Roman »Tanz der Teufel« ist musikalisch, lebendig, teilweise komisch und teilweise sehr ernst. Der Abend im Literaturhaus mit Mujila und dem Journalisten Jonathan Fischer lässt sich genau so beschreiben. Von Andrea Strube, die am Deutschen Theater engagiert ist, werden zwei Kapitel des Romans vorgelesen, sonst ist der Abend ein lockeres Gespräch zwischen Fischer und Mujila mit zwei stimmungsvollen Gesangseinlagen des Autors selbst.

Das Publikum bekommt einen Einblick in die Welt des Romans, der in der Stadt Lubumbashi im Kongo spielt. Die Figuren sind zahlreich und verschieden: Schriftsteller, Gauner, Straßenkinder und Minenarbeiter. Sie zeigen den Zuhörenden die Welt, in der Mujila aufgewachsen ist. Es ist eine Welt, in der der Tod allgegenwärtig ist. Erdrutsche, Unfälle und Gewalt gehören zum Alltag. Aber es ist auch eine Welt voll Optimismus, erklärt Mujila. Das Leben im Kongo sei schneller, spontaner, fluider. Veränderungen stehen an der Tagesordnung, alles kann passieren, also kann jeder auch alles werden. Besonders aber, ist es eine Welt voller Musik. 

Hauptthema des Abends ist die gesprochene Literatur. Schon die ausgewählten vorgelesenen Kapitel sind musikalisch und voller Rhythmus. Auch für Mujilas Schreibprozess ist die Musik wichtig, erzählt er, er höre beim Schreiben vor allem die kongolesische Rumba und Jazz.

Besonders faszinierend ist aber Mujilas eigener Gesang, der von der afrikanischen mündlichen Literatur inspiriert ist. Es ist ein Sprechgesang, den er anstimmt, mal laut und aggressiv, dann wieder leiser, dann verlaufen sich die Worte ganz in unklaren Lauten. Der Text, den Mujila dabei immer wiederholt ist »Wenn wir dahinscheiden, werden unsere Mütter andere Kinder gebären«. So gelingt es ihm wie in seinem Roman, das Lebensgefühl in Lubumbashi durch Rhythmus und Text zu vermitteln und dem Publikum einen Teil seiner Kultur näher zu bringen.

Von der Musik laufen die Gespräche zu Mujilas persönlichen Erfahrungen. Er erzählt von dem Begräbnis seines Vaters, bei dem die Frauen der Familie Geschichten über den Verstorbenen erzählten, für Mujila war auch das Literatur, auch das war Musik. Er spricht außerdem über seine Erfahrungen im Ausland und über die Einsamkeit, die er dort das erste Mal erlebt habe. Ihm haben Familie und Gemeinschaft gefehlt, die in Lubumbashi eine so wichtige Rolle spielen. 

Der Abend handelt auch von aktuellen Themen, es geht um Rassismus, um die Frage der kulturellen Aneignung und um Heimat. Mujila, der inzwischen in Graz wohnt und sagt, er fühle sich im Kongo und in Österreich zuhause, spricht bedacht über diese Themen, er pauschalisiert nicht und zeigt durchdachte Ansichten dazu. Auch erzählt er von der Verbundenheit von Afrika und Europa, die in Afrika viel präsenter sei als in Europa. Der Kongo sei nicht nur das korrupte Land aus den europäischen Nachrichten, sondern lebendig und hoffnungsvoll, und auch im Kongo schaue man gern Bundesliga. 

Es ist ein vielseitiger Abend mit Einblicken in »Tanz der Teufel«, mit lustigen Anekdoten und viel Musik. Aber auch ernstere Themen kommen nicht zu kurz, sie zeigen Mujilas Tiefsinn und Zartgefühl, das auch in seinen Romanen zu spüren ist – und machen die Veranstaltung zu einem sehens- und vor allem hörenswerten Ereignis.

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