»Jeder stirbt für sich allein« von Hans Fallada
Schauspiel nach dem Roman von Hans Fallada über individuellen Widerstand im nationalsozialistischen

© Thomas Müller
Regie: Mathias Spaan
Berlin in den frühen 1940er-Jahren: Otto und Anna Quangel leben zurückgezogen, politisch angepasst und ohne größere Erwartungen an das Leben. Der Tod ihres einzigen Sohnes an der Front verändert diese Haltung grundlegend. Aus der Erschütterung wächst ein leiser, aber entschlossener Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Mit handgeschriebenen Postkarten versuchen die Quangels, anonym Zweifel zu säen und Mitmenschen zum Nachdenken zu bringen.
Die Inszenierung von „Jeder stirbt für sich allein“ konzentriert sich weniger auf historische Rekonstruktion als auf die Frage nach individueller Verantwortung unter autoritären Bedingungen. Die Regie liest Hans Falladas Roman nicht als Zeitbild, sondern als psychologisches Kammerspiel innerhalb einer totalitären Gesellschaft.
Im Zentrum stehen nicht heroische Gesten, sondern alltägliche Entscheidungen: Schweigen, Mitmachen, Wegsehen oder Widerstand. Die Regie schärft diesen Fokus, indem sie die Figuren konsequent in ihrer Vereinzelung zeigt. Widerstand erscheint nicht als kollektive Bewegung, sondern als fragile, persönliche Haltung, die sich gegen Angst und Anpassung behaupten muss.
So entsteht ein Theaterabend, der die historischen Ereignisse nicht abschließt, sondern öffnet – als Frage danach, wie politisch individuelles Handeln auch heute bleibt.
Die Inszenierung arbeitet mit einer reduzierten, konzentrierten Bühnenästhetik, die den Figuren wenig Schutzraum lässt. Räume wirken funktional und kontrollierend, Übergänge bleiben sichtbar. Dadurch entsteht eine Atmosphäre permanenter Beobachtung, in der selbst private Momente unter Druck geraten.
Die Regie setzt stark auf Ensemblearbeit. Die Figuren sind präzise gezeichnet, ohne schematisch zu werden. Nebenrollen bleiben bewusst präsent und tragen zur Dichte des gesellschaftlichen Gefüges bei. Das Private und das Politische verschränken sich auf diese Weise im Spiel, ohne voneinander getrennt zu werden.
»Beide wachsen inmitten von Denunziation und Verrat zusammen, wollen leben. (…) Lange Beifall für ein Stück, das leise und heftig einschlägt.« (HNA)
- Regie und Fassung: Mathias Spaan
Bühne: Anna Armann
Kostüme: Josephin Thomas
Musik: Nico-Alexander Wilhelm
Dramaturgie: Theresa Leopold -
Mathias Spaan ist Schauspieler und Regisseur. Nach Engagements an verschiedenen deutschsprachigen Bühnen arbeitet er regelmäßig auch als Autor und Bearbeiter literarischer Stoffe. Seine Inszenierungen zeichnen sich durch eine konzentrierte Figurenführung und eine präzise Textarbeit aus. Am Deutschen Theater Göttingen ist er sowohl auf als auch hinter der Bühne tätig.
Szenenwechsel zur Produktion
Eintritt: Tickets von 15 € bis 39 €
Bei Vorlage des Studienausweises erhalten Studierende der Georg-August-Universität Göttingen, der HAWK und der PFH Göttingen zu fast allen Vorstellungen des Deutschen Theater Göttingen kostenfrei Karten. Kartenreservierungen sind ab drei Tage vor der jeweiligen Vorstellung möglich, auch für Premieren. Die Abholung der Karten erfolgt an der Abendkasse nur gegen Vorlage des gültigen Studienausweises. Gastspiele und Sonderveranstaltungen sind vom Kulturticket ausgenommen.
Veranstalter:
Ort
Deutsches Theater - dt.1
Theaterplatz 11
37073 Göttingen
