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»Die Wand« nach dem Roman von Marlen Haushofer

Schauspiel über Isolation, Selbstbehauptung und das Verhältnis von Mensch und Natur

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Deutsches Theater - dt.2 +Hintergrund

Eine Frau wacht auf – und die Welt jenseits der Berghütte ist verstummt. Eine unsichtbare Wand trennt sie von allem, was war. Was folgt, ist kein Thriller, sondern etwas Eindringlicheres: eine Erkundung dessen, was vom Menschen bleibt, wenn die Gesellschaft wegfällt. Das Deutsche Theater zeigt Marlen Haushofers Romanklassiker als atmosphärisch dichte Theaterinszenierung, in der Marie Seiser das Publikum von der ersten Minute an in ihren Bann zieht. Neunzig Minuten, eine Figur, eine existenzielle Ausnahmesituation.

· © Anton Säckl

Marlen Haushofers Roman »Die Wand«, 1963 erschienen, gilt als eines der bedeutendsten Werke der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Am Deutschen Theater Göttingen bringt Regisseur Daniel Foerster ihn in einer konsequent reduzierten Bühnenfassung auf die Bühne des dt.2 – mit einer Premiere im Juni 2025, die das Göttinger Publikum seitdem nachhaltig beeindruckt.

Die Ausgangssituation: Eine Frau will mit ihrer Cousine und deren Mann einige Tage in einer Jagdhütte in den Bergen verbringen. Das Paar geht noch einmal kurz ins Dorf – und kehrt nicht zurück. Als die Frau am nächsten Morgen aufwacht, ist sie allein: getrennt von der Außenwelt durch eine unsichtbare, endlos wirkende Wand, hinter der kein Leben mehr zu existieren scheint. Was ihr bleibt, sind ein Hund namens Luchs, zugelaufene Katzen, eine Kuh und die umgebende Natur. Es beginnt eine Gefangenschaft, die in ihrem Unglück auch eine neue Form der Freiheit birgt.

Der Stoff entzieht sich einfachen Genrezuordnungen. Haushofers Text erzählt weniger von der Katastrophe selbst als von deren Folgen: von Einsamkeit, von der Beziehung zwischen Mensch und Natur, von der Frage, wie Identität entsteht, wenn soziale Strukturen wegfallen. Gelesen wird der Roman als feministische Selbstermächtigung ebenso wie als radikale Zivilisationskritik – seine Vieldeutigkeit macht ihn bis heute lebendig.

Foersters Inszenierung – Bühne und Kostüme: Lise Kruse, Dramaturgie: Theresa Leopold – setzt auf körperliche und sprachliche Präsenz statt auf Effekte. Marie Seiser trägt den Abend mit atemberaubender Intensität, Gerd Zinck als Hund Luchs und Lou von Gündell als Katze flankieren sie präzise. Das Göttinger Tageblatt bescheinigte Foerster nach der Premiere eine »atmosphärisch ungemein dichte Inszenierung«, die »den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht« hält.

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