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Clavier-Salon

Ganze 32 Klaviersonaten hat Ludwig van Beethoven (1770-1827) geschrieben. Alle von ihnen innerhalb von fünf Tagen in sieben Konzerten aufzuführen, hat sich Gerrit Zitterbart vorgenommen, der sich zur Unterstützung bei diesem Mammutprojekt zahlreiche NachwuchsmusikerInnen einlud. Beim ersten Konzertabend des Projekts Beethoven im Clavier-Salon wurde der Reiz dieser Idee hörbar. Nicht nur, dass Beethovens Sonaten schon in vielen Nuancen zwischen Wiener Klassik und Frühromantik oszillieren, die verschiedenen InterpretInnen spielten alle ihren eigenen Beethoven, so dass ein abwechslungsreicher Konzertabend entstand.

Die erste Sonate des Abends wurde vom Gastgeber Zitterbart vorgetragen. Diese erste Sonate der Konzertreihe ist gleichzeitig auch die erste von Beethoven komponierte, da die Werke möglichst chronologisch vorgetragen werden sollten. Gespielt auf einem historisch authentischen Flügel eröffnete sich ein eher ungewohntes Hörerlebnis, das von der Klangfarbe modernerer Flügel deutlich abweicht und insbesondere in Verbindung mit dem Veranstaltungsort in die Konzertatmosphäre der Beethoven-Zeit eintauchen ließ. Die ersten Töne des Allegros leiteten ohne Umschweife und in verspielter Leichtigkeit in die Sonate f-Moll op. 2,1 ein. Trotz der strikten Hauptsatzform wirkte die Sonate stets abwechslungsreich, was zum einen an der emotionalen Vielfalt der Themen, aber auch an Zitterbarts engagierter Interpretation lag. Besonders das Allegretto bestach durch eigenwilliges Temperament, das jedoch nie überkochte, sondern immer im letzten Moment eingefangen wurde – leidenschaftliche Kontrolle über die Klaviatur, welche insbesondere bei den virtuosen Läufen ungewohnt kurz wirkte.

Besonders herausragende musikalische Leistungen erbrachten Giran Jung und Zifan Ye. Jung meisterte die häufig aufgeführte Sonate C-Dur op. 2,3 mit viel eigenem Charakter, so dass man das Stück, das man hätte mitsingen können, neu für sich entdecken konnte. Das Allegro con brio, bestehend aus vielerlei Kontrasten, spielte sie genüsslich in all seinen musikalischen Gegensätzen virtuos aus; eine Spielweise, die sie auch im langsamen zweiten Satz beibehielt. Eine überraschend extreme dynamische Gestaltung, die jedoch stets ehrlich wirkte und die emotionale Zerrissenheit des düsteren Adagios authentisch offenlegte. Ihre technische Versiertheit konnte sie im Schlusssatz präsentieren, der auf virtuose Weise das Hauptthema nochmals verhandelt. Ihre starke Leistung wurde mit langanhaltendem und lautem Applaus belohnt.

Zifan Ye begeisterte das Publikum mit seiner Interpretation der Sonate Es-Dur op. 7, die wie keine der zuvor gespielten Sonaten romantische Anklänge vernehmen lässt. Die dem ersten Satz immanenten Spannungen wurden von Ye gekonnt transportiert. Sein auffallendes Qualitätsmerkmal hierbei war die Balance zwischen absoluter Kontrolle und zugleich Flexibilität der musikalischen Gestaltung, die stets natürlich und überzeugend wirkte. Wie viel Spaß er am Klavierspiel hat, war besonders im letzten Rondo zu hören und auch zu sehen. Als die Finger mal schnell, mal mit Tiefgang über die Klaviatur glitten, huschte auch immer wieder ein genießerisches Lächeln über sein Gesicht. Auch seine Leistung begeisterte das Publikum des Clavier-Salons, das sich nach diesem gelungenen Konzert auf die anderen 26 Sonaten Beethovens freute.

Eine tolle Reihe, die nicht nur die kompositorische Vielfalt Beethovens aufzeigt, sondern durch die verschiedenen charakterstarken Interpretationen beweist, dass jeder Mensch seinen eigenen Beethoven finden kann.

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